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Aus Jute wird Eco-Chic

Modisch trotz fairer Produktionsbedingungen

Wer beim Thema Öko-Mode an schlecht sitzende, unmodische Kleidung denkt, hat Entscheidendes verpasst. In den letzten Jahren hat sich auf dem Markt für Eco-Fashion sehr viel getan. Sich modisch zu kleiden und dabei auf faire Produktionsbedingungen zu achten, ist längst kein Widerspruch mehr.

Renate Künast ist Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen und begeisterte Öko-Fashion-Trägerin.
In Berlin sehe ich die Entwicklungen in der Branche jedes Jahr erneut beim Besuch der größten Modemesse für green Fashion, der "THEKEY.TO". Sie wurde 2009 ins Leben gerufen und zieht immer mehr junge Designerinnen und Designer an. Ich erinnere mich, wie ich mir bei meinem ersten Besuch der Messe mehr Angebote für einfache "Business-Kleidung" - zum Beispiel eine schöne, weiße Bluse - gewünscht habe. Weiße Blusen sind für mich meine Arbeitskleidung, ich möchte mich in ihnen wohl fühlen und natürlich gleichzeitig gut aussehen. Bei meinem nächsten Besuch der Modemesse hatte ich dann die Qual der Wahl zwischen den verschiedenen Designern.
Als besonders spannend empfinde ich die Kreativität der Designer, mit neuen Materialien zu arbeiten. Vom Seegras bis zu wind- und wetterfesten Materialien aus recycelten PET-Flaschen kommt Vieles erfolgreich zum Einsatz. Wer nachhaltig produzierte Kleidung tragen möchte, muss also weder auf Funktion noch auf gutes Aussehen verzichten.

Für mich ist klar: Wir wollen nicht auf Kosten anderer leben. Deshalb müssen wir anders konsumieren. Das beginnt bei den 3 Dingen, mit denen unser Körper täglich umgeht: Nahrung, Kosmetik und Kleidung. Für den Bereich Bio-Lebensmittel haben wir schon sehr viel erreicht. Naturkosmetik boomt auch. Das gleiche wollen wir jetzt bei der Kleidung: Neben dem konventionellen T-Shirt sollte ich als Konsumentin auch in den Kaufhäusern und Boutiquen die Möglichkeit haben, mich für die ökologisch und fair produzierte Variante zu entscheiden. Dazu gehört auch, dass ich als Kundin durch ein bekanntes Siegel sichergehen kann, ökologisch und fair produzierte Kleidung zu bekommen.

Die meisten Menschen wollen lieber nachhaltig produzierte Kleidung kaufen. Noch ist jedoch der Aufwand, die faire Variante zu finden, für viele zu groß. Deswegen wünsche ich der nachhaltigen Mode die schnelle Eroberung der Kaufhäuser und Läden. In Berlin sieht man, wie immer mehr kleine Eco-Labels ihre Ladentüren öffnen und zeigen, wie hip Green Fashion sein kann. Von der Jute der Vergangenheit ist in diesen Läden nichts mehr zu sehen.
Und ab September bietet Berlin einen Studiengang Öko-Mode. Chic sein und trotzdem auf Öko achten, das wird immer leichter - und schöner!

Quelle:
Lifestyle | Mode & Kosmetik, 15.08.2011
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2011 - Schöne Aussichten erschienen.
     
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