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Nachhaltig am Ball

Beim Hamburger Sport-Verein steht es bereits 1:0 für CSR

Fußball genießt einen gesellschaftlich hohen Stellenwert und kann durch Vorbilder zur Übernahme von Verantwortung motivieren. Zusammen mit dem Hamburger Sport-Verein e.V. entwickelten Studierende der Leuphana Universität Lüneburg Lösungsansätze für die Umsetzung von Nachhaltigkeit im Betrieb eines professionellen Fußballvereins.

Die Imtech Arena: Das Heimatstadion des Fußball-Erstligisten und CSR-Pioniers Hamburger Sport-Verein e.V.
Fußball ist die Sportart Nummer eins in Deutschland. Allein der Deutsche Fußballbund (DFB) zählt 6,7 Millionen Mitglieder. Durch diese breite gesellschaftliche Verankerung haben die Vereine das Potenzial, große positive Wirkungen für die Menschen und unsere Umwelt zu erzielen und gesellschaftlichen Wandel voranzutreiben.

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im professionellen Vereinssport jedoch bisher eine eher untergeordnete Rolle. Hier sind es Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und staatliche Träger, die nachhaltige Entwicklung immer wieder auf die Tagesordnung setzen und voranbringen. Das zeigt insbesondere die Forschung im Bereich Nachhaltigkeitsmanagement. Die vom Centre for Sustainability Management durchgeführte Corporate-Sustainability-Barometer-Studie zeigt zum Beispiel deutlich, dass Unternehmen nicht mehr von der Bedeutung unternehmerischer Nachhaltigkeit überzeugt werden müssen. Sie arbeiten bereits intensiv an ihrer Umsetzung, um sich durch innovatives Handeln am Markt zu etablieren und Vorteile im Wettbewerb zu verschaffen.

Fußball und Nachhaltigkeit - ein Erfolgskonzept?

Fußballvereine haben nicht nur eine besondere gesellschaftliche Stellung - ihre Struktur kann auf drei Ebenen "nachhaltig" wirken: Als Unternehmen erwirtschaften sie Millionenumsätze, während sie gleichzeitig als Vereine gemeinnützige Ziele verfolgen. Als mitgliederstarke Organisationen haben sie die Möglichkeit, Nachhaltigkeit zu "leben" und so andere zum Nachahmen anzuregen.

Was also bedeutet Nachhaltigkeit für einen professionellen Sportverein? Wie kann ein Verein die direkt oder indirekt durch seine Aktivitäten verursachte Umweltbelastung verringern? Wie können sozial unerwünschte Wirkungen minimiert werden? Und wie können Umweltschutz und soziales Engagement gewinnbringend umgesetzt werden?

Diese Fragen stellten sich Studierende der Umwelt- und Kulturwissenschaften sowie der Betriebswirtschaftslehre der Leuphana Universität Lüneburg im Projektseminar "Vision nachhaltiger Fußballverein". Zusammen mit dem Hamburger Sport-Verein e.V. (HSV) entwickelten sie ein Konzept zum Nachhaltigkeitsmanagement mit dem Ziel, die besondere gesellschaftliche Verantwortung von Fußballvereinen im Bereich Nachhaltigkeit zu betonen.

Die Studierenden des Projektseminars entwickelten unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Schaltegger und Alexander Wall vom Centre for Sustainability Management an der Leuphana praxisnahe Lösungen zur Umsetzung von Nachhaltigkeit im Betrieb eines professionellen Fußballvereins.

Der "Hamburger Weg" - mehr als Sport-Sponsoring

"Der Hamburger Weg": Ein Erfolgskonzept für eine nachhaltige Entwicklung im Fußball.
Der Hamburger Sport-Verein war als Best-Practice-Beispiel der ideale Kooperationspartner für dieses Projekt. Als erster Bundesligaverein veröffentlichte er im Jahr 2009 einen Bericht zur eigenen Corporate Social Responsibility (CSR). Ziel war es, ökologische und soziale Belange in der unternehmerischen Praxis umzusetzen und somit den gestiegenen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Dafür hat der HSV Handlungsgrundsätze verabschiedet, die bei ökonomischen wie sportlichen, ökologischen und sozialverantwortlichen Entscheidungen stets berücksichtigt werden.

Ein Beispiel dafür ist das vom Verein initiierte Projekt "Der Hamburger Weg". Die Initiative, die in Kooperation mit Hamburger Unternehmen ins Leben gerufen wurde, stellt Teile der Sponsoring-Erlöse des HSV für soziale Projekte in der Stadt zur Verfügung. Auf diese Weise wird klassisches Sport-Sponsoring nachhaltig gestaltet und der Verein kann die steigenden sozialen Anforderungen bei der Sponsorenwahl mit berücksichtigen. Gefördert werden Bereiche, die viele Hamburger betreffen. Dazu gehören die Unterstützung von Familien, Ausbildung und Qualifikation sowie die Sportförderung. Auch im Bereich Klima- und Ressourcenschutz engagiert sich der HSV seit Jahren: So wird etwa die Arena des Vereins ausnahmslos mit CO2-neutralem und atomkraftfreiem Ökostrom versorgt. Bei den Reisetätigkeiten der Spieler, aber auch in der Geschäftsstelle entstehen Emissionen, die über Projekte zum Emissionsausgleich kompensiert werden.

Zwei Millionen Euro - für ein faires Spiel

In der Bundesliga ist der HSV somit Spitzenreiter - zumindest was die Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens angeht. Doch laut den Ergebnissen des Projektseminars gibt es in den professionellen Fußballligen viel Nachholbedarf und ein großes Potenzial, Nachhaltigkeit unternehmerisch umzusetzen. Die komplexen und vielfältigen Ideen der Studierenden zeigen, dass sich alle Arbeitsbereiche eines Fußballvereines nachhaltig gestalten lassen: angefangen bei Finanzen und Einkauf über Merchandise und Personal bis hin zu Liegenschaftsmanagement, technischer Infrastruktur, Mobilität und Kommunikation.

Vorgeschlagen wurde unter anderem, bei der Produktion von Sportbekleidung und Fanartikeln Kooperationen mit Herstellern anzustreben, die ihre Produkte nach ökologisch-sozialen Standards erzeugen. Eine andere Anregung wurde bereits umgesetzt: Um die Mobilität im Betriebsalltag, an Spieltagen und auf Reisen sozial- und umweltverträglicher zu gestalten, wurden Mitfahrzentralen für Fans des Vereins eingerichtet und Angebote des Öffentlichen Personennahverkehrs weiter ausgebaut.

In den kommenden zweieinhalb Jahren will der DFB zwei Millionen Euro in nachhaltige Projekte investieren. Ebenso soll für die gesamte Bundesliga auf Vorschlag der Studierenden ein CSR-Arbeitskreis ins Leben gerufen werden, um ganzheitliche Pläne im Bereich des "nachhaltigen Fußballs" zu entwickeln. Noch in diesem Jahr findet das erste Auftakt-Treffen statt. Damit steht es bereits jetzt eins zu null für Nachhaltigkeit.
 
 
Von Judith Gollata und Jens Marquardt

Kontakt
Judith Gollata und Jens Marquardt arbeiten am Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg.
www.leuphana.de/csm


Quelle:

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2011 - Schöne Aussichten erschienen.



     
        
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