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Ressourcengipfel fordert fairen Rohstoffhandel

Effizienzrevolution ist Chance für Länder und Unternehmen

Die Experten des Ressourcen-Gipfels, der am 22. Juni 2011 in Kiel stattfand, fordern die Politik auf, schnell und entschieden die richtigen Rahmenbedingungen für einen fairen internationalen Rohstoffhandel zu setzen und die Voraussetzung für eine Effizienzrevolution zu schaffen.

Podiumsdiskussion des GES Ressourcengipfels
Foto: © Inga Hendrischk
Moderiert von Tagesschau-Chefsprecher Jan Hofer skizzierten gestern Prof. Dr. Klaus Töpfer, Prof. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Veolia-Umweltservice-CEO Dr. Thorsten Grenz und Prof. Dennis Snower, Ph.D., Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Lösungen zu den Herausforderungen des weltweiten Rohstoffmarktes. In Zusammenarbeit mit dem IfW hat Veolia Umweltservice gestern unter dem Leit-Thema "Globale Ressourcen - Globale Verantwortung: Lösungen im Wettlauf um Rohstoffe" im Rahmen der Kieler Woche den Ressourcen-Gipfel veranstaltet.

Klaus Töpfer: "Meine Vision: Abfälle gibt es nicht mehr - nur noch Rohstoffe"

Prof. Dr. Klaus Töpfer, ehemaliger Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, hält es für sinnvoll, auf marktwirtschaftliche Lösungen zu setzen: "Umweltpolitik kann durch marktwirtschaftliche Anreize die Lebensqualität gegenwärtiger und zukünftiger Generationen verbessern. Eine marktwirtschaftlich orientierte Umweltpolitik ist kein Hemmnis für wirtschaftliche Entwicklung, sondern fördert technologische Entwicklungen, die neue Märkte und neue Arbeitsplätze schaffen." Die Industrie erkenne bereits, welche Chancen in einer Green Economy entstehen. Der Vorsitzende der Ethikkommission für sichere Energie?versorgung erklärte darüber hinaus, dass dabei die Recycling-Branche eine Schlüsselrolle habe: "Meine Vision: Abfälle gibt es nicht mehr - nur noch Rohstoffe."

Von Weizsäcker hält gleitende Preissteigerung der Primär-Rohstoffe für sinnvoll

"Eine Verfünffachung der Ressourcenproduktivität innerhalb einer Generation ist technisch und ökonomisch machbar", erklärte Ernst Ulrich von Weizsäcker. Dies sei etwa in der beson?ders energieintensiven Stahlindustrie, der Zementindustrie, in der Landwirtschaft oder im Verkehr möglich. Zugleich ließen sich die Treibhausgas-Emissionen dieser Industrien dras?tisch senken. Von Weizsäcker: "Länder und Unternehmen, die auf dem Weg der effizienten Ressourcen-Nutzung voran gehen, werden zu Technologieführern im 21. Jahrhundert". Von Weizsäcker hält eine "gleitende Steigerung der Preise für Energie und Primärrohstoffe für dringend wünschenswert, die einhergeht im Takt mit der Erhöhung der Ressourcenprodukti?vität". Dies sei volkswirtschaftlich sinnvoll und zugleich ökologisch-technologisch die beste Leitplanke für das Wirtschaftssystem.

Dennis Snower: "Wirtschaftswachstum von Rohstoffverfügbarkeit abkoppeln"

Prof. Dennis Snower, Ph.D., hob hervor, dass die Märkte für strategische Rohstoffe oft ineffi?zient seien: "Korruption bei der Vergabe von Konzessionen, Menschenrechtsverletzungen bei der Rohstoffgewinnung und rücksichtslose Missachtung von Umweltschutzrichtlinien wer?den vom Wettlauf der Industrieländer um begrenzte Ressourcen beflügelt". Nur durch Ansät?ze wie EITI (Extractive Industries Transparency Initiative), die die Transparenz von Zah?lungsströmen und Vergabepraktiken im Rohstoffsektor erhöhen, sowie durch Koordination der Rohstoff- und Umweltpolitik auf G20-Ebene können nach Snowers Überzeugung faire und effiziente Rahmenbedingungen im Rohstoffhandel geschaffen werden. Die Politik solle "die Rohstoffeffizienz im Verbrauch mithilfe gezielter Fördermaßnahmen zur Ausweitung von Recycling und Erforschung grüner Technologien steigern und damit das Wirtschaftswachs?tum von der Rohstoffverfügbarkeit abkoppeln".

Thorsten Grenz: "Recyclingbranche kann Abhängigkeit der Industrie reduzieren"

Dr. Thorsten Grenz, CEO von Veolia Umweltservice, betonte, dass die Recyclingbranche tat?sächlich erheblich dazu beitragen könne, einen wesentlichen Teil der Ressourcenprobleme zu lösen. Seit 1995 habe die Branche ein Umsatzwachstum von 520 Prozent erzielt und pro?duzierte bereits im Jahr 2010 Sekundärrohstoffe im Wert von 9,6 Mrd. Euro, wie das Institut der Deutschen Wirtschaft ermittelt hat. 2015 wird der Produktionswert voraussichtlich bereits bei 20 Mrd. Euro liegen. Und: Die Branche hat seit 1990 ein Viertel zur gesamten Einsparung von CO2-Emissionen in Deutschland beigetragen. "Bis 2020 ist mit den richtigen Rahmenbe?dingungen ein solcher Beitrag auch innerhalb der EU möglich. Eine sichere, bezahlbare und umweltfreundliche Energie- und Rohstoffversorgung gehören zu den größten Herausforde?rungen der nächsten Jahre", betont Grenz. Die Recyclingbranche könne die Abhängigkeit der Industrie von Kartellen oder politisch instabilen Staaten erheblich reduzieren.





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