Ralph Thurm
Wirtschaft | Lieferkette & Produktion, 09.07.2009
Der T(h)urmblick
Nachhaltigkeit 2.0 ist gefragt
Große gesellschaftliche Veränderungen gehen meist mit wirtschaftlichen Krisen einher und werden seit dem Beginn der Industrialisierung von Technologiesprüngen begleitet, gemessen in den Kondratief-Zyklen. Seit geraumer Zeit kündigt sich mit der Kombination aus Nano-, Bio-, und Neurotechnologie - optimiert durch die weiteren Entwicklungen der Informationstechnologie - der Zyklus der "Überlebenstechnologien" an. Im Klartext: Die Art und Geschwindigkeit, mit der wir Menschen in den nächsten zwei bis drei Dekaden mit diesen Technologiepotenzialen umgehen, wird über unsere Zukunft auf dem Planeten Erde entscheiden. Ist dies einmal verstanden, muss nachhaltige Entwicklung im Mittelpunkt jeder Langfristplanung von Unternehmen stehen.
![]() © fotolia |
Ursprünglich waren Branchen mit hoher Materialintensität oder höherem Gefährdungspotenzial besonders gefordert, aber die Verwobenheit der globalen Wertketten macht eigentlich vor keiner Branche und keiner Region der Welt halt. Weltweite Zulieferer-Produzent-Abnehmer-Rücknahmeketten können einerseits sehr effektiv für mehr Nachhaltigkeit genutzt werden. Andererseits zeigen sich vielerorts die Schattenseiten - etwa wenn "plötzlich" unser Elektronikschrott in Entwicklungsländern auftaucht.
Unternehmen sollten die Veränderungschancen, die die Krise bietet, ergreifen und jetzt die Weichen stellen, um die Möglichkeiten einer holistischen Integration der Nachhaltigkeit für sich zu nutzen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Personalabbau- und Kurzarbeitsprogramme befassen sich mit den jetzigen Nöten und lassen - wieder einmal - keinen Fokus auf Langfristigkeit zu.
Auch die CSR-Verantwortlichen der Konzerne läuten von sich aus nicht die Alarmglocken. Schließlich hat man sich selber im Kampf gegen die internen Windmühlen und die lange währende Ignoranz von Führungspersönlichkeiten verteidigen müssen und sich die Handlungsmöglichkeiten in der bestehenden Nachhaltigkeitsnische langsam geschaffen, in der man jetzt - zum Glück - sicher durch die Krise kommt. Nachhaltigkeit ist jedenfalls in der internen Diskussion bei zu vielen Unternehmen im Augenblick kein echtes Thema: Grundsätzlich ist man ja "gesetzeskonform", publiziert jährlich mit 70 bis 80 Prozent Themenwiederholung Nachhaltigkeitsberichte und hält sich tunlichst zurück mit Visionen und langfristigen Zielsetzungen. Die Führungsspitze hat jetzt andere Dinge zu tun. Da meldet man besser nach oben: alles im Lot.
Doch die zukünftigen Manager aus der Generation Y haben anderes im Sinn: Sie bauen auf die Dynamik von Netzwerken, OpenSource Developments und den transparenten Austausch mit Stakeholdern statt auf Hierarchiegläubigkeit und Lobbyismus. Nachhaltigkeit muss und wird dabei sinnstiftend sein und daher im Mittelpunkt der Strategie stehen. Unternehmen, die sich jetzt nicht darauf einstellen, dürfen nicht darauf hoffen, dass ihr CSR-"Business as usual" im Sinne einer Nachhaltigkeit 1.0 noch honoriert wird. Wir sollten beginnen, Nachhaltigkeit 2.0 zu definieren.
Unternehmen sollten die Veränderungschancen, die die Krise bietet, ergreifen und jetzt die Weichen stellen, um die Möglichkeiten einer holistischen Integration der Nachhaltigkeit für sich zu nutzen. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Personalabbau- und Kurzarbeitsprogramme befassen sich mit den jetzigen Nöten und lassen - wieder einmal - keinen Fokus auf Langfristigkeit zu.
Auch die CSR-Verantwortlichen der Konzerne läuten von sich aus nicht die Alarmglocken. Schließlich hat man sich selber im Kampf gegen die internen Windmühlen und die lange währende Ignoranz von Führungspersönlichkeiten verteidigen müssen und sich die Handlungsmöglichkeiten in der bestehenden Nachhaltigkeitsnische langsam geschaffen, in der man jetzt - zum Glück - sicher durch die Krise kommt. Nachhaltigkeit ist jedenfalls in der internen Diskussion bei zu vielen Unternehmen im Augenblick kein echtes Thema: Grundsätzlich ist man ja "gesetzeskonform", publiziert jährlich mit 70 bis 80 Prozent Themenwiederholung Nachhaltigkeitsberichte und hält sich tunlichst zurück mit Visionen und langfristigen Zielsetzungen. Die Führungsspitze hat jetzt andere Dinge zu tun. Da meldet man besser nach oben: alles im Lot.
Doch die zukünftigen Manager aus der Generation Y haben anderes im Sinn: Sie bauen auf die Dynamik von Netzwerken, OpenSource Developments und den transparenten Austausch mit Stakeholdern statt auf Hierarchiegläubigkeit und Lobbyismus. Nachhaltigkeit muss und wird dabei sinnstiftend sein und daher im Mittelpunkt der Strategie stehen. Unternehmen, die sich jetzt nicht darauf einstellen, dürfen nicht darauf hoffen, dass ihr CSR-"Business as usual" im Sinne einer Nachhaltigkeit 1.0 noch honoriert wird. Wir sollten beginnen, Nachhaltigkeit 2.0 zu definieren.
Im Profil
Ralph Thurm ist Gründer und Managing Director von A|HEAD|ahead. Für forum schreibt er regelmäßig die Kolumne "Der T(h)urmblick".
Ralph Thurm ist Gründer und Managing Director von A|HEAD|ahead. Für forum schreibt er regelmäßig die Kolumne "Der T(h)urmblick".
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2009 - Zukunft gestalten erschienen.
Weitere Artikel von Ralph Thurm:
Der T(h)urmblick
Vom ‚integrierten’ zum ‚integralen’ Denken
Die dritte Jahreskonferenz der Reporting 3.0 Plattform hat, beginnend mit einem vorbereitenden online Thinktank, über die Konferenz bis hin zum Konferenzbericht ein faszinierendes Spektrum zur Weiterentwicklung der nachhaltigen und integrierten Berichterstattung aufgetan.
Vom ‚integrierten’ zum ‚integralen’ Denken
Die dritte Jahreskonferenz der Reporting 3.0 Plattform hat, beginnend mit einem vorbereitenden online Thinktank, über die Konferenz bis hin zum Konferenzbericht ein faszinierendes Spektrum zur Weiterentwicklung der nachhaltigen und integrierten Berichterstattung aufgetan.
Der T(h)urmblick
Die Sustainable Development Goals sind da - und jetzt?
Die UN General Assembly wird im September nach über zweijähriger Beratung die Sustainable De- velopment Goals (SDGs) auf den Weg gebracht haben. 17 Überziele und 169 Einzelziele.
Die Sustainable Development Goals sind da - und jetzt?
Die UN General Assembly wird im September nach über zweijähriger Beratung die Sustainable De- velopment Goals (SDGs) auf den Weg gebracht haben. 17 Überziele und 169 Einzelziele.
Der T(h)urmblick
Andere Führer braucht das Land!
Ralph Thurm gibt Einschätzungen über grundsätzliche gesellschaftliche Änderungen wieder, die sich bei ihm als Mitbegründer der ThriveAbility Foundation herauskristalliert haben.
Andere Führer braucht das Land!
Ralph Thurm gibt Einschätzungen über grundsätzliche gesellschaftliche Änderungen wieder, die sich bei ihm als Mitbegründer der ThriveAbility Foundation herauskristalliert haben.
Bringt 2015 die Entscheidung?
Stellen wir uns die richtigen Fragen über unsere Zukunft?
Weltweit werden im Jahr 2015 wichtige Beschlüsse gefasst, was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Immerhin wurden in dieser Hinsicht schon viele Chancen auf Besserung verpasst und das soll sich nun ändern.
Stellen wir uns die richtigen Fragen über unsere Zukunft?
Weltweit werden im Jahr 2015 wichtige Beschlüsse gefasst, was das Thema Nachhaltigkeit angeht. Immerhin wurden in dieser Hinsicht schon viele Chancen auf Besserung verpasst und das soll sich nun ändern.
Achtsam arbeiten
Facebook, Apple und Google machen es schon. Andere Firmen ziehen nach und schicken ihre Mitarbeiter zu Achtsamkeits-Trainings. Denn die wachsende Anzahl von Burn-out-Fällen ist nicht nur tragisch, sie kostet auch Geld.
Dass Arbeit gelingt und Freude macht – davon träumen viele. Doch mittlerweile macht Burn-out in jedem Wirtschaftsmagazin Schlagzeilen. Ausgebrannte Manager und Angestellte, wer kennt keinen solchen Fall aus seinem Bekanntenkreis? Neben der menschlichen Tragödie verursachen psychische Belastungserkrankungen höhere Kosten, die Arbeitsleistung sinkt.
Facebook, Apple und Google machen es schon. Andere Firmen ziehen nach und schicken ihre Mitarbeiter zu Achtsamkeits-Trainings. Denn die wachsende Anzahl von Burn-out-Fällen ist nicht nur tragisch, sie kostet auch Geld.
Dass Arbeit gelingt und Freude macht – davon träumen viele. Doch mittlerweile macht Burn-out in jedem Wirtschaftsmagazin Schlagzeilen. Ausgebrannte Manager und Angestellte, wer kennt keinen solchen Fall aus seinem Bekanntenkreis? Neben der menschlichen Tragödie verursachen psychische Belastungserkrankungen höhere Kosten, die Arbeitsleistung sinkt.
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026
- Militär & Märkte
- Grüner Wasserstoff
- Moorschutz als Invest
- ESG loves KI
Kaufen...
Abonnieren...
20
MÄR
2026
MÄR
2026
Erneuerbare - rund um die Uhr (nutzen)
33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI)
84524 Neuötting
33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI)
84524 Neuötting
21
APR
2026
APR
2026
08
JUN
2026
JUN
2026
SuperReturn Energy Transition - Ticket discount for forum readers!
Powering progress. Investing in the future of energy.
10789 Berlin
Powering progress. Investing in the future of energy.
10789 Berlin
Anzeige
Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht
Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol
Politik
Das Recht des StärkerenChristoph Quarchs philosophische Analyse zum US-Angriff auf Venezuela
Jetzt auf forum:
Bundespreis Ecodesign 2026: Jetzt bis 02.April bewerben!
Campaigning School: Weiterbildung für strategische Kampagnenarbeit startet am 27. April 2026
Circular Economy stärkt Wettbewerbsfähigkeit
Innovation und Kreativität brauchen Spielräume
4. Süddeutscher Holzbau Kongress (SHK) am 01./02. Juli 2026 in Stuttgart-Fellbach




















