10. Internationaler Cradle to Cradle Congress 2026
Anzeige, Wirtschaft | CSR & Strategie, 01.09.2026

Steuertransparenz in der Ära der CSRD

Wie Nachhaltigkeitsberichte die Steuerkommunikation verändern

Mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) hat die EU die Berichtspflichten für nichtfinanzielle Informationen spürbar ausgeweitet. Was in der öffentlichkeitspolitischen Diskussion oftmals vergessen wird: auch steuerliche Angaben geraten mehr und mehr in den Fokus einer glaubwürdigen ESG-Kommunikation. Governance, das G im ESG Dreiklang, meint nicht nur compliance, sondern auch die Frage, wie Unternehmen ihren gesellschaftlichen Beitrag über Steuern darstellen.

© Stephen Dawson, unsplash.com

CSRD und die neue Berichtspflicht

Die CSRD (Richtlinie (EU) 2022/2464) ist am 5. Januar 2023 in Kraft getreten und ersetzt die Non-Financial Reporting Directive. Laut Angaben der Europäischen Kommission fallen rund 50.000 Unternehmen in den Anwendungsbereich, gegenüber etwa 11.700 nach der alten Regelung. Die inhaltlichen Vorgaben ergeben sich aus den European Sustainability Reporting Standards (ESRS), die im Juli 2023 als delegierter Rechtsakt verabschiedet wurden.

Für die Umsetzung ist tiefes Fachwissen an der Schnittstelle von Rechnungslegung, Steuerrecht und Nachhaltigkeitsmanagement gefragt. Beratungshäuser, die eine Online Steuerberatung mit digitalen Datenprozessen anbieten, können hier bei der Erhebung und Aufbereitung steuerlicher Kennzahlen unterstützen, etwa bei der Konsolidierung länderspezifischer Ertragsteuerdaten für konzernweite Berichte.

GRI 207 als Referenzrahmen für Steuertransparenz

Ein etablierter Standard für die Offenlegung steuerlicher Informationen ist GRI 207: Tax 2019, veröffentlicht von der Global Reporting Initiative und anwendbar für Berichtsperioden ab dem 1. Januar 2021. Der Standard verlangt qualitative Angaben zum Steueransatz eines Unternehmens, zur Governance des Themas und zum Stakeholder-Dialog. Zusätzlich sieht GRI 207-4 ein länderspezifisches Reporting vor, das unter anderem Umsatzerlöse, Vorsteuerergebnis, gezahlte Ertragsteuern und Beschäftigtenzahlen je Steuerhoheitsgebiet umfasst.

Die Verzahnung mit den ESRS ist noch nicht abschließend geregelt. Der bislang veröffentlichte Standard ESRS G1 (Business Conduct) adressiert Governance-Themen wie Antikorruption und politische Einflussnahme, während konkrete Steuerangaben in den sektorspezifischen Standards oder freiwillig über GRI 207 ergänzt werden können. Für Unternehmen mit ernstgemeinter Nachhaltigkeitsstrategie empfiehlt sich die Orientierung an beiden Rahmenwerken.

Public Country-by-Country Reporting als regulatorische Klammer

Parallel zur CSRD verpflichtet die Richtlinie (EU) 2021/2101 multinationale Konzerne mit konsolidierten Umsätzen über 750 Millionen Euro zur öffentlichen länderbezogenen Berichterstattung über Ertragsteuerinformationen. Die Regelung gilt für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 22. Juni 2024 beginnen. In Deutschland wurde sie durch das Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie im Handelsgesetzbuch verankert (§§ 342 ff. HGB n.F.).

Das öffentliche pCbCR unterscheidet sich vom bereits bestehenden steuerlichen Country-by-Country Reporting nach BEPS Aktionspunkt 13 durch seinen Adressatenkreis: Nicht mehr nur Steuerbehörden, sondern auch Investoren, Zivilgesellschaft und Medien erhalten Einblick in die geografische Verteilung von Gewinnen und Steuerzahlungen. Für die Reputationssteuerung wird die Kohärenz zwischen pCbCR, GRI 207 und den Angaben im Nachhaltigkeitsbericht damit zu einer strategischen Aufgabe.

Praxisanforderungen an Unternehmen

Für die praktische Umsetzung sehen sich Finanz- und Steuerabteilungen mit mehreren Herausforderungen konfrontiert. Zunächst ist die Qualität der Daten zu gewährleisten: Länderspezifische Werte müssen aus den ERP-Systemen abgezogen, mit steuerlichen Meldungen verglichen und für die externe Kommunikation aufgearbeitet werden. Des Weiteren ist eine Governance-Struktur zu schaffen, die Zuständigkeiten zwischen Tax, Sustainability und Investor Relations klärt.
Drittens sieht die CSRD eine Prüfung mit limited assurance durch Dritte vor, die perspektivisch auf reasonable assurance ausgeweitet werden soll.

Wer sich frühzeitig diesen Anforderungen widmet, verringert nicht nur regulatorische Risiken. Er schafft sich auch eine Grundlage für einen glaubwürdigen Dialog mit Kapitalmarkt und Öffentlichkeit über den eigenen steuerlichen Beitrag. Wer Steuertransparenz als Teil einer verantwortungsvollen Unternehmensführung begreift, kann aus der Pflicht ein Element der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln.


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Wie sehr auch wir Menschen von der Natur abhängig sind, hat dieser Sommer gezeigt: brennende Wälder, Ernteeinbußen, Wasserrationierung, Futterengpässe beim Vieh, steigende Gemüsepreise.
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
14
SEP
2026
BMW auf dem Prüfstand
Tut der Konzern genug beim Klimaschutz?
80336 München und online
22
SEP
2026
WindEnergy Hamburg 2026
Connect with the global wind industry
20357 Hamburg
23
NOV
2026
Energie- & Umweltgipfel 2026: Produzierende Industrie
Where Industrial Transformation Creates Competitive Advantage
10623 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Naturschutz

Wer an die Sonnenfinsternis glaubt, kann den Klimawandel nicht leugnen
Christoph Quarchs Überlegungen zur Sonnenfinsternis am 12. August
Munich Climate Week 2026
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.

Jetzt auf forum:

Der Kanzler will den Klimawandel zurückdrängen

Sei kein NPC!

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

Immer gut informiert mit forum future economy

Bildung braucht Demokratie. Demokratie braucht Bildung.

Macht KI dumm?

Zendure und Joybuy bringen KI-gestützten Heimspeicher mit Same-Day-Lieferung in deutsche Haushalte

Energie- & Umweltgipfel 2026, Produzierende Industrie

B.A.U.M. Insights
  • WWF Deutschland
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Global Nature Fund (GNF)
  • 66 seconds for the future
  • Engagement Global gGmbH
  • ZamWirken e.V.
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • NOW Partners Foundation
  • TÜV SÜD Akademie
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • SUSTAYNR GmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Zendure DE GmbH