Boris Arno Werschbizky
Wirtschaft | CSR & Strategie, 01.06.2026
Transformation-as-a-Service
Vom Überforderungsprojekt zum planbaren Prozess
Es gibt viele Gründe, warum Transformationsprozesse im Mittelstand scheitern: unklarer Einstiegspunkt, fehlende interne Ressourcen, zu viele Einzelthemen, hohe Kosten, Unsicherheit bei Entscheidungen und eine fehlende Strategie. Ein neues Servicemodell will hier Abhilfe schaffen.
2026 Energiepreisschock: Wieder einmal reagieren Unternehmen kurzfristig, prüfen Verträge, suchen nach Einsparpotenzialen.2027 Cyberangriffe auf dem Höchststand: Über 80 Prozent der Attacken treffen kleine und mittlere Unternehmen – weil hier Schutzmaßnahmen fehlen.
2028 KI und ESG sind wettbewerbsentscheidend: Wer sie ignoriert, hat den Anschluss verloren. Wer sie ohne Strategie angeht, investiert viel – und erreicht wenig.
Und mittendrin der Mittelstand. Anfang des Jahres noch erleichtert über das vorläufige Aus der CSRD-Berichtspflicht, wächst gleichzeitig die Erkenntnis: Nachhaltigkeit ist mehr als Regulierung und Reporting. Es geht um die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäftsmodells. Die Bausteine dafür sind bekannt: Energie, Digitalisierung, strukturierte Daten, resiliente Lieferketten, IT-Sicherheit. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch nicht in einem dieser Themen, sondern in ihrem Zusammenspiel.
Hier beginnt die wirkliche Transformation. Und diese erfordert Zeit, Fachwissen und Koordination über verschiedene Disziplinen hinweg – Ressourcen, die im Tagesgeschäft gebunden sind. Die Folge: Einzelmaßnahmen in Sachen Nachhaltigkeit, Insellösungen bei der Digitalisierung – und die Unsicherheit, ob man eigentlich auf dem richtigen Weg ist.
Die eigentliche Hürde: fehlende Planbarkeit
Was Unternehmen bremst, ist nicht der Wille, sondern Desorientierung. Wo anfangen? Welche Maßnahmen zuerst? Welche Investitionen sind sinnvoll, welche nicht? Hinzu kommt die Sorge vor hohen Beratungskosten und langfristigen Verpflichtungen. Transformation erscheint als komplexes, schwer planbares Großprojekt.
Doch wie gelingt nachhaltige Transformation in Unternehmen, die dafür weder abteilungsübergreifende Teams noch große Budgets bereitstellen können? Diese Frage stellte sich das Nachhaltigkeits-Netzwerk ESGready und antwortet mit dem Ansatz der „Transformation as a Service" (TaaS).
Transformation in Schritten umsetzen
TaaS orientiert sich an einem Prinzip, das in anderen Bereichen längst etabliert ist: komplexe Leistungen als strukturierte, skalierbare Services bereitzustellen. Statt individueller Einzelprojekte greifen Unternehmen auf erprobte Prozesse, Methoden und Werkzeuge zurück. Der entscheidende Unterschied: Transformation wird nicht mehr als einmaliges Projekt verstanden, sondern als kontinuierlicher Prozess. Modular aufgebaut, methodisch geführt und in klaren Schritten organisiert. Das Ziel ist nicht Perfektion von Anfang an, sondern Orientierung, Priorisierung und konsequente Weiterentwicklung.
Einstieg & Standortbestimmung (ca. 6 Monate)
Unternehmen gewinnen erstmals Transparenz: über ihre Emissionen, Energieverbräuche, Cybersicherheit, Chancen und Risiken für ihr Geschäftsmodell und Anforderungen der Stakeholder. Daraus entsteht ein konkreter Fahrplan – und die Fähigkeit, fundierte Entscheidungen zu treffen. Wichtiges Ergebnis: Bereits in Phase 1 werden die Energielieferverträge optimiert.
Umsetzung & Pflichterfüllung (Zyklus: 12 Monate)
Die vorgeschlagenen Maßnahmen werden umgesetzt, ESG- und weitere Anforderungen der Stakeholder erfüllt und Fortschritte messbar gemacht – bis hin zum Nachhaltigkeitsbericht.
Ganzheitliche Transformation (ab 12 Monate)
Das Unternehmen entwickelt sein Geschäftsmodell systematisch weiter – unter Einbeziehung von Nachhaltigkeit und Künstlicher Intelligenz als strategische Hebel.
Allen Phasen gemeinsam ist ein klarer methodischer Kern: CO2-Bilanzierung, Analyse von Energie- und Kostentreibern, Fördermittel-Check, Roadmap-Entwicklung und kontinuierliche Verbesserung. „Ein wesentlicher Unterschied zu klassischen Beratungsansätzen liegt im System", erklärt Angelika Mühleck, Co-Founder von ESGready. „TaaS arbeitet in Zyklen. Unternehmen durchlaufen wiederkehrende Schritte, verbessern kontinuierlich ihre Datengrundlage und gewinnen mit jedem Durchlauf an Sicherheit." Jedes Unternehmen profitiert zudem von Skaleneffekten und den Erfahrungen anderer. „TaaS ist damit stets best practice. Das reduziert nicht nur Komplexität, sondern schafft auch etwas, das im Mittelstand besonders gefragt ist: Planbarkeit."
Daten und KI: vom Blindflug zur Steuerung
Ein wachsender Bestandteil von Transformation ist der Umgang mit Daten. Viele Unternehmen nutzen vorhandene Informationen nicht systematisch. Hier setzt TaaS auf die Kombination aus menschlicher Expertise und Künstlicher Intelligenz. Daten werden strukturiert erfasst, analysiert und in konkrete Handlungsoptionen übersetzt. Das ermöglicht nicht nur bessere Entscheidungen, sondern auch eine frühzeitige Bewertung von Risiken und Chancen für das Geschäftsmodell.
Ein Ansatz mit Perspektive
Transformation-as-a-Service ist neu. Der Bedarf ist da: Organisationen müssen sich gleichzeitig in mehreren Dimensionen weiterentwickeln – und benötigen dafür einen Ansatz, der machbar bleibt. Für den Mittelstand könnte genau darin der entscheidende Unterschied liegen: Transformation nicht als Überforderung zu erleben, sondern als effizienten, strukturierten, einfach steuerbaren Prozess – zu einem planbaren Budget.
Mehr dazu unter: www.esgready.de/TaaS
Transformation-as-a-Service
- Strukturierter Einstieg statt „Wir müssen mal anfangen"
- Klare Roadmap statt isolierter Einzelmaßnahmen
- Laufende Begleitung statt einmaliger Beratung
- Planbare Kosten statt unkalkulierbarer Projekte
- Zugriff auf Best Practices statt Trial-and-Error
- Integration von ESG, Energie, IT und KI in einem Ansatz
Boris Arno Werschbizky ist studierter Politikwissenschaftler und Journalist. Als Film- und TV-Produzent arbeitet er u.a. für das Wissensmagazin „Galileo" und bringt „grüne Helden" und nachhaltige Themen in die Medien.
Quelle: Studie „Überzeugung statt Pflicht: Wie KMUs die Nachhaltigkeitswende wirklich schaffen." (Frankl, Rothhaar, Hochschule München University of Applied Sciences)
Dieser Artikel ist in forum 03/2026 - Frau Reiche – es reicht! erschienen.
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