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Anne Geiger

Profit und Purpose als Erfolgsfaktoren

Impact Investing und neuer Mittelstand als Garanten für ein souveränes Europa

In Zeiten großer geopolitischer Umbrüche und Unsicherheiten in Bezug auf wirtschaftliche Stabilität, Sicherheit und Klimawandel steht Europa vor der Wahl: souverän vorangehen und aktiv gestalten oder zurückfallen. Dabei spielen die Aktivierung von Wagniskapital und ein transparenter Abgleich von Wachstumserwartungen mit dem Skalierungspotenzial innovativer Geschäftsmodelle eine entscheidende Rolle.

© Markus Winkler, unsplash.comSeit über fünf Jahren ist mit dem europäischen Grünen Deal das Ziel und die Strategie gesetzt: Europa soll bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden – dabei die Konjunktur ankurbeln, Gesundheit und Lebensqualität der Menschen verbessern und die Natur schützen. Was an dieser Strategie heute aktueller ist denn je: Die geopolitischen Umbrüche der letzten Monate machen deutlich, dass europäische Klimaneutralität kein Selbstzweck ist. Europäische Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit gewinnen in Zeiten bröckelnder globaler Allianzen an Bedeutung und der Innovationsdruck ist enorm.

Wirkungsorientierte Startups als Innovationstreiber und Wachstumsmotor
Als Kontinent mit hohem Bildungsgrad und viel privatem sowie institutionellem Kapital, aber stagnierender Bevölkerungszahl, liegt die Bedeutung von Innovation und Technologie auf der Hand. Im Bereich der Neugründungen machen sich sogenannte Impact Startups auf den Weg, die, dem Triple-Bottom-Line-Ansatz folgend, den Erfolg ihres wirtschaftlichen Handelns an den drei Ps "Profit, Planet und People” messen. Aufbauend auf einem wirtschaftlich nachhaltigen Geschäftsmodell wird eine messbare positive Wirkung erzielt, die auf ökologische oder soziale Ziele für nachhaltige Entwicklung einzahlt (17 UN-Ziele).

Mit Blick auf den europäischen Grünen Deal und damit einhergehende Regulierung und Bepreisung negativer externer Effekte, wie bspw. CO2-Ausstoß, zeichnen sich bereits klare Veränderungen ab: Unternehmen, die wirtschaftliche Rendite mit positiver Wirkung vereinen, erweisen sich – auch aus rein ökonomischer Sicht – als resilienter und leisten damit einen entscheidenden Beitrag zur europäischen Wettbewerbsfähigkeit.

Impact Investing neu gedacht: vom Fuß- zum Handabdruck
Im Sinne der Definition von Impact Investing fokussieren sich erste Wagniskapitalgeber, sogenannte SFDR Artikel 9 Fonds (auch „dunkelgrüne Finanzprodukte” genannt), ganz bewusst auf die Wirkung frühphasiger Startup Investments, die in klarer Abgrenzung zu ESG Investing oder Philanthropie stehen.

Während bei ESG Investing (sog. SFDR Artikel 8 Fonds / „hellgrüne Finanzprodukte”) anhand eines Ausschlussprinzips das Ziel verfolgt wird, negative Auswirkungen des Investments auf Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung zu minimieren (Fußabdruck), geht Impact Investing einen entscheidenden Schritt weiter und misst anhand von Positivkriterien die neben der finanziellen Rendite erzielte Wirkung des Investments (Handabdruck).

Hinter der Aktivierung und dem Einsatz von Impact Wagniskapital steht die Überzeugung, dass wirkungsorientiertes Wagniskapital eine existenzielle Notwendigkeit für die Entstehung, Skalierung und damit Wirkung von Impact Startups darstellt – die wiederum zur Sicherung wirtschaftlicher Stärke, Souveränität, Wohlstand und Frieden beitragen. Wenn es nicht gelingt, mehr Wagniskapital von privaten und institutionellen Investor*innen in Europa zu aktivieren, droht spätestens in der Wachstumsphase der Startups weiterhin der Ausverkauf europäischer Innovationen an außereuropäische Investor*innen.

Finanzierungslogiken verstehen – Diversität als Chance nutzen
Neben der aktuell noch zu geringen Aktivierung von europäischem Wagniskapital existiert ein blinder Fleck auf Kapitalgeber*innen-Seite in puncto Wachstumslogik: Neben den klassischen Impact Unicorn Geschäftsmodellen mit Anspruch auf exponentielles Wachstum, welches über mehrere Eigenkapitalrunden finanziert wird, zeichnet sich der europäische Markt durch zahlreiche innovative New Mittelstand Startups aus, die in der Regel weniger Finanzierungsrunden benötigen, um Profitabilität zu erreichen und dann einer organischen Wachstumslogik folgen.

New Mittelstand Geschäftsmodelle erhalten – Stand heute – deutlich weniger Funding oder mit klassischem Wagniskapital ein nicht zum Geschäftsmodell passendes Funding. Der zweite Fall führt dann meist schnell zu unerfüllten Wachstumserwartungen, Frust auf Investor*innen- und Scheitern auf Startup-Seite. Jede*r Kapitalgeber*in kann dieser Tatsache der unterschiedlichen Geschäftsmodelllogiken und damit verbundenen Wachstumserwartungen offen begegnen und diese Diversität als Chance für einen innovativen und resilienten Wirtschaftsstandort begreifen und aktiv vorantreiben.

Hier sind sowohl Unternehmen als auch die Politik gefragt: Sie sollten Kapital als Hebel für eine zukunftsfähige Wirtschaft verstehen und in Form von Wagniskapital bewusst in die Themenfelder investieren, die eine regenerative, wettbewerbsfähige europäische Wirtschaft gestalten.

Philip Haverkamp Founding Partner bei Anthropia Ventures, ist Serial Founder mit 15 Jahren Erfahrung im Aufbau von Startups und seit 2020 Impact Investor mit Fokus auf Cleantech und Energie.

Anne Geiger ebenso Founding Partner bei Anthropia Ventures, ist Volkswirtin und Soziologin. Seit 2017 ist sie Teil der Startup-Szene: Fintech Operator, Board Member für Sustainable Finance, Angel Investments und Startup Mentoring mit Partners in Clime.

Definition von Impact Investing

Impact Investing ist ein zentraler Hebel der großen sozial-ökologischen Transformation hin zu einem regenerativen Investieren und Wirtschaften. Im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen ermöglicht es Lösungen für globale Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit, Armut, Bildungsmangel oder Gesundheit. – Bundesinitiative Impact Investing

Zentrale Akteure des Impact Investing Ökosystems

EU-Ebene: European Investment Fund, European Institute of Innovation & Technology

Nationale Ebene:
  • Frankreich: Station F (weltgrößter Startup Campus)
  • Norwegen: Der staatliche Pensionsfonds allokiert einen Teil in Wagniskapital.
  • Dänemark: Der staatliche Export- und Investmentfonds tätigt Direktinvestments in Startups und Fund of Fund Investments in Wagniskapitalfonds.
  • Deutschland: KfW Impact Facility, Anthropia Impact Factory, Impact Hub, UnternehmerTUM
Wissenschaft: WHU, TU München, RWTH Aachen, St. Gallen, ETH Zürich, uvm.

Wagniskapital (SFDR Art. 9 Funds): Marvelous, Impact Shakers, Purpose Ventures, Karma Kapital, bonventure, FASE, GET Fund, Rubio, uvm.

Wichtige Verbände und Organisationen:

Dieser Artikel ist in forum 04/2025 - Zukunft gestalten erschienen.



     
        
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