Technik | Wissenschaft & Forschung, 19.07.2026
Militarisierung von Wissenschaft und Forschung
Wissenschaftler veröffentlichen Policy Paper und fordern, Zivilklauseln weiterzuentwickeln
Welche Folgen hat eine Militarisierung von Wissenschaft und Forschung? Wie können, wie müssen wir damit umgehen? Auf sechzehn Seiten hat die Fachgruppe „Krieg, Sicherheit, Frieden" der Scientists4Future Deutschland untersucht, welche Rahmenbedingungen dafür bestehen.
"Insbesondere seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine gibt es zunehmend Forderungen aus der Politik, Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen stärker auf militärische, geo- und sicherheitspolitische Ziele auszurichten." schreiben die Autor:innen: Dr. Sibylle Brosius, PD Dr. Volker Ossenkopf-Okada und Prof. Dr. Jürgen Scheffran.Welche Rahmenbedingungen bestehen für Forderungen aus der Politik, Forschung und Lehre an deutschen Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen stärker auf militärische, geo- und sicherheitspolitische Ziele auszurichten? Welche Positionen nehmen die verschiedenen Interessenvertreter in Politik und Wissenschaft ein, welche möglichen Auswirkungen sind bei einer stärkeren Militarisierung insbesondere der Hochschulen zu erwarten und wie werden diese in Relation zur Wissenschaftsfreiheit stehen?
In dem Dokument geben die Wissenschaftler fundierte Antworten. So schreiben sie: "Als Alternative zu einer einseitigen Konfrontations- oder Sicherheitslogik müssten die Hochschulen die Grundlagen einer langfristig tragfähigen Friedenslogik erarbeiten, die internationale Kooperation, Diplomatie, individuelle und gemeinsame Sicherheitsinteressen, Wissensaustausch und die Adressierung globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Biodiversitätsverlust und soziale Krisen in den Mittelpunkt stellt."
"Zur Lösung der globalen Probleme ist eine offene internationale Zusammenarbeit in der Wissenschaft unabdingbar. Militärische Forschung sollte überwiegend außerhalb der öffentlichen Universitäten stattfinden, während in den Universitäten militärischer Missbrauch und Dual-Use offen untersucht und diskutiert werden müssen."
All dies erfordere eine ausreichende öffentliche Finanzierung, wobei eine wichtige Rolle den Verfahren der ethischen Bewertung sicherheitsrelevanter Forschung zukomme, etwa durch Kommissionen für Ethik sicherheitsrelevanter Forschung, wie sie von der Leopoldina und der Deutschen Forschungsgemeinschaft unterstützt werden. Zivilklauseln, die an vielen deutschen Hochschulen festschreiben, dass Forschung friedlichen Zwecken dienen soll, seien dabei eine wesentliche Richtschnur in diesen Verfahren. Sie müssten erhalten und weiterentwickelt werden.
Das komplette Policy Paper finden Sie auf Zenodo. Für Rückfragen und Kontakt zu den Autor:innen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Mehr zum Thema Aufrüstung und Frieden lesen Sie in den Schwerpunkt-Themen von forum 02/2026 und forum 03/2026.
Kontakt: Scientists4Future Germany, Markus Feilner | mfeilner@scientists4future.org | de.scientists4future.org
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