evoBuild - Zirkulär gedacht. Für Visionen gemacht.
Technik | Energie, 11.07.2026

"Klima- und energiepolitisches Eigentor der Bundesregierung"

Agora Energiewende zum Gebäudemodernisierungsgesetz

Einordnung von Julia Bläsius, Direktorin Deutschland von Agora Energiewende, zum heute im Bundestag verabschiedeten Gebäudemodernisierungsgesetz.
 
© energy1987, pixabay.com"Das heute beschlossene Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist ein klima- und energiepolitisches Eigentor der Bundesregierung: Es erschwert Planbarkeit für Haushalte, Kommunen und Betriebe und bremst die Wärmewende dadurch erheblich. Zudem entkernt das Gesetz bestehende Regelungen, auf die sich viele Menschen eingestellt haben, und es ist rechtlich umstritten. Die Bundesregierung vergibt mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz die Chance, zentrale Weichen für mehr Resilienz in der fossilen Energiekrise zu stellen. So erlaubt das Gesetz weiterhin den Einbau fossil befeuerter Heizungen. Das gefährdet die deutschen Klimaziele, verlängert fossile Importabhängigkeiten und untergräbt die Wärmeplanung vor Ort.   

Denn der Weiterbetrieb von Öl- und Gasheizungen soll nach den Plänen der Bundesregierung durch die "Biotreppe” und eine bis 2045 auf 100 Prozent ansteigende Grüngasquote ausbalanciert werden. Im Gegensatz zum Wechsel auf erneuerbare Heizungsformen, die sofort weitgehend klimaneutral arbeiten, bleiben mit der nun vorgesehenen Regelung sowohl alte als auch neu eingebaute Gas- und Ölkessel noch lange auf fossile Brennstoffe angewiesen. Zudem ist es hochgradig unsicher, ob Grüne Gase in ausreichender Menge verfügbar und bezahlbar sein werden. Dies kann Haushalte, allen voran Mietende, und Unternehmen künftig hart treffen.

Auch Kommunen stellt das neue Gesetz bei ihrer Wärmeplanung vor Herausforderungen: Stadtwerke können die Anforderungen an ihre Gasverteilnetze schwerer abschätzen. Der Erhalt einer teuren fossilen Infrastruktur hemmt Investitionen in den Ausbau von Strom- und Wärmenetzen. Zudem wird der Heimatmarkt für erneuerbare Wärme geschwächt. Heizungshersteller und Installationsbetriebe riskieren, gegenüber der internationalen Konkurrenz ins Hintertreffen zu geraten.

Schließlich wird das Gebäudemodernisierungsgesetz auch den Anforderungen der Europäischen Gebäuderichtlinie (EPBD) nicht gerecht: So fehlen weiterhin die von der Kommission vorgesehenen sogenannten One-Stop-Shops, die Hauseigentümerinnen und Eigentümer bei Gebäudesanierung und Heizungstausch beraten und unterstützen sollen. Ohne diese zentrale Anlaufstelle wird die Sanierungsrate bei Gebäuden weiter hinter den Erfordernissen des Sektors zurückbleiben.

Insgesamt schafft das Gebäudemodernisierungsgesetz erhebliche wirtschaftliche Unsicherheiten und ist ein klimapolitischer Rückschritt. Statt einen klaren regulatorischen Pfad aufzuzeigen, setzt die Bundesregierung mit der Grüngasquote auf Klimaschutz nach dem Prinzip Hoffnung. Um den Gebäudesektor klimaneutral zu machen, braucht es erhebliche Anstrengungen, insbesondere attraktive Strompreise für alle, einen konsequenten Ausbau der Strom- und Wärmenetze und eine langfristig gesicherte, auskömmliche Förderung. Das schafft Planungssicherheit für Verbraucherinnen und Verbraucher, stärkt heimische Wertschöpfung und schützt das Klima."

Kontakt: Agora Energiewende | Agora Think Tanks gGmbH, Victor Wagner | victor.wagner@agora-thinktanks.org | www.agora-thinktanks.org



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Kreislaufwirtschaft
  • Biodiversität
  • Bildung
  • Wasserweisheiten
  • Altöl im Kreislauf
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
12
SEP
2026
Corso Leopold
Ein Wochenende voller Musik, Kunst und Begegnung
80804 München, Leopoldstraße
22
SEP
2026
WindEnergy Hamburg 2026
Connect with the global wind industry
20357 Hamburg
23
NOV
2026
Energie- & Umweltgipfel 2026: Produzierende Industrie
Where Industrial Transformation Creates Competitive Advantage
10623 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Energie- & Umweltgipfel 2026
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Digitalisierung

Ist die Demokratie im KI-Zeitalter noch zu retten?
Christoph Quarch hofft auf Europäische KIs, die systemisch denken und den Blick fürs Ganze haben
Munich Climate Week 2026
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.

Jetzt auf forum:

Ein Wochenende voller Musik, Kunst und Begegnung

11. Internationaler Bodentag zum Thema "Gesunder Boden: vom Acker zum Teller" am 18,/19. November 2026 in Neunburg v. Wald

EthioTrees ist das Leuchtturm-Projekt 2026

PLAN-B NET ZERO gewinnt zweiten PaaS-Kunden

Regenwald-Konferenz erhält den "Making a Difference" Award 2026 des Jane Goodall Instituts Deutschland

Hitzeschutz muss verbindlicher Bestandteil von Neubau, Sanierung und Instandhaltung von Schulen werden

Zendure auf der IFA 2026

Der Kanzler will den Klimawandel zurückdrängen

B.A.U.M. Insights
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • NOW Partners Foundation
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • ZamWirken e.V.
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • 66 seconds for the future
  • Engagement Global gGmbH
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Zendure DE GmbH
  • WWF Deutschland