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Kein Wasser, kein Kredit

Wasserrisiko ist Kreditrisiko: WWF fordert Bundesbank zur Integration in die Bankenaufsicht auf

Bis 2050 dürfte fast die Hälfte der globalen Wirtschaftsleistung aus Regionen mit hohem Wasserrisiko stammen. Trotzdem fließt Kapital weiter in genau die Branchen, die diese Krise verschärfen. Ein neuer Leitfaden des WWF fordert die Deutsche Bundesbank, Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden weltweit auf, Wasserrisiken endlich als das zu behandeln, was sie sind: ein systemisches Risiko für die Preis- und Finanzmarktstabilität. 

© Ronin, unsplash.comDürren und Überschwemmungen treiben bereits heute Inflation, stören Lieferketten und sorgen für Preisausschläge bei Rohstoffen. In Spanien gefährden anhaltende Dürren ganze Agrarsektoren – mit ersten Folgen für Banken und Versicherer. Die Deutsche Bundesbank betont in ihrem aktuellen Monatsbericht die wachsende Bedeutung von Umwelt- und Naturrisiken für die Kreditportfolios von Banken.  

„Stabile Volkswirtschaften hängen von stabilen Wassersystemen ab”, sagt Jochen Krimphoff, Zentralbanken-Experte beim WWF Deutschland. „Trotzdem finanzieren Kreditinstitute weiter wasserintensive Praktiken in Landwirtschaft, Industrie und Energieerzeugung – und schrauben damit das Risiko, das sie eigentlich absichern müssten, immer höher. Die Bundesbank hat das Problem erkannt. Jetzt muss sie auch handeln.” 

Der WWF-Bericht „Navigating toward Water Resilience” beschreibt diesen Mechanismus als „gefährliche Rückkopplungsschleife”, denn: Schädliche Finanzströme übersteigen nachhaltige bei Weitem. Nach Erkenntnissen des UN-Umweltprogramms (UNEP) wird für jeden Euro, der weltweit in Umwelt- und Naturschutz investiert wird, 30-mal mehr in Wirtschaftszweigen ausgegeben, die die Natur zerstören. 

Der WWF fordert von der Bundesbank und weiteren Aufsichtsbehörden drei konkrete Schritte: erstens die verbindliche Integration von Wasserrisiken in Stresstests, verschärfte Prüfung der Offenlegungspflichten und kraftvolle Umsetzung des neuen Kreditwesengesetzes als aufsichtsrechtliches Rahmenwerk; zweitens eine aktive Unterstützung des Übergangs zu wasserresilienten Wirtschaftsstrukturen im Rahmen ihres Mandats; drittens bessere Instrumente zur Bewertung finanzieller Wasserrisiken. Im aktuellen Bericht zeigt der WWF, welche Indikatoren sich für finanz- und realwirtschaftliche Betriebe zur Bewertung von Wasserrisken eignen. 

„Kein Akteur kann die Wasserkrise allein lösen”, so Krimphoff. „Aber Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden haben einen Hebel, den kaum jemand sonst hat – sie entscheiden mit, wohin Kapital fließt. Auf Freiwilligkeit zu setzen, während die Wassersysteme auf Kipppunkte zusteuern, ist keine Option mehr.” 

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Risken erkannt. So stehen laut Berechnungen der EZB künftig bis zu 15 Prozent der EU-weiten Wirtschaftsleistung aufgrund von Wasserknappheit auf dem Spiel. Der enge Zusammenhang von Wasser und Wirtschaftsleistung zeigt, dass Wasserrisiken bei jeder Kreditvergabe eine Rolle spielen müssen.

Hintergrund
Die Greening Financial Regulation Initiative (GFRI) des WWF zielt darauf ab, Klima- und Umweltrisiken ins Zentrum des Finanzsystems zu stellen. Mit dieser Initiative möchte der WWF den Zusammenhang zwischen finanziellen Risiken und Umweltrisiken wie Klimawandel, Wasserknappheit und Biodiversitätsrückgang aufzeigen und politische Entscheidungsträger, Zentralbanken und Finanzaufsichtsbehörden von der Notwendigkeit überzeugen, diese Risiken anzuerkennen und zu adressieren.
 
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Kontakt: WWF, Julia Dibiasi | julia.dibiasi@wwf.de | www.wwf.de


Quelle: WWF Deutschland



     
        
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