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German Overshoot Day

2026 fiel der deutsche Erdüberlastungstag bereits auf den 10. Mai

Wenn alle Menschen so leben würden wie die Deutschen, bräuchte die Menschheit 2,8 Erden. Das Datum des Overshoot Days zeigt nicht nur den hohen Ressourcenverbrauch, sondern auch, dass Deutschland im globalen Vergleich die Klimakrise stärker mit anheizt, als oft angenommen wird, vor allem durch seinen hohen Konsum und Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen.
 
© geralt, pixabay.comDer Earth Overshoot Day markiert den Tag im Jahr, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Ab diesem Zeitpunkt verbrauchen wir also mehr Ressourcen und stoßen mehr CO2 aus, als die Erde ausgleichen kann.

Der German Overshoot Day überträgt dieses Prinzip auf ein hypothetisches Szenario: Er zeigt, wann dieser Erdüberlastungstag wäre, wenn alle Menschen weltweit so leben würden wie der durchschnittliche Mensch in Deutschland. In diesem Fall würde der Earth Overshoot Day bereits in den Mai fallen und damit deutlich früher im Jahr liegen!

Was bedeutet es, drei Erden zu verbrauchen?
Der German Overshoot Day beziehungsweise die Vorstellung, drei Erden zu verbrauchen, wirkt erstmal abstrakt. Um das zu veranschaulichen, kann man sich einen Wald vorstellen: Wenn pro Jahr mehr Bäume gefällt werden als nachwachsen, wird er mit der Zeit lichter, die Böden verändern sich, Schatten fehlt, und auch die Artenvielfalt nimmt ab. Irgendwann kann er sich nicht mehr selbst regenerieren.

Übertragen auf die Erde bedeutet das: Wir verbrauchen Ressourcen schneller, als sie sich regenerieren können. Um der Erde mit unserem Konsum keinen Schaden zuzufügen, bräuchten wir also mehrere Planeten.
 
Wie wird der German Overshoot Day berechnet?
Genauso wie der Earth Overshoot Day wird der German Overshoot Day vom Global Footprint Network berechnet. Grundlage ist dabei der Vergleich zwischen dem durchschnittlichen ökologischen Fußabdruck einer Person in einem Land und der global verfügbaren biologischen Kapazität pro Person.

Für Deutschland lag dieser Fußabdruck 2024 bei etwa 4,18 globalen Hektar (gha) pro Kopf, während die weltweit verfügbare Biokapazität nur rund 1,63 gha beträgt. Aus diesem Verhältnis wird berechnet, wie schnell ein Land rechnerisch seine jährlichen Ressourcen verbraucht. Je höher der Verbrauch im Vergleich zur Kapazität, desto früher fällt der Overshoot Day im Jahr.

Die Folgen einer zunehmenden ökologischen Überlastung
Ein mögliches Zukunftsszenario als Folge des Overshoot Day ist im Grunde eine Eskalation dessen, was wir heute schon beobachten. Es passiert kein „großer Knall", sondern eher ein schleichender Abbau der ökologischen Stabilität. Das kann man sich folgendermaßen vorstellen:

Die Wälder, Böden und Ozeane werden immer stärker übernutzt. Sie schaffen es irgendwann nicht mehr, sich zu erholen. Böden verlieren ihre Fruchtbarkeit, Fischbestände brechen ein, Wälder wachsen langsamer nach oder verschwinden lokal. Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit der Natur ab, CO2 zu speichern, was den Klimawandel zusätzlich beschleunigt.

Ein realistisches Zukunftsszenario ist deshalb eine Kettenreaktion:
  • Ernteausfälle werden häufiger, weil Böden und Wetter extremer werden
  • Lebensmittelpreise steigen stark
  • Wasserknappheit nimmt in vielen Regionen zu
  • Biodiversität bricht weiter ein (Insekten, Pflanzen, Tiere verschwinden)
  • Wirtschaftliche und soziale Spannungen nehmen zu, weil Ressourcen knapper werden
Warum Deutschlands Einfluss auf das Weltklima nicht unterschätzt werden sollte
Oft wird argumentiert, Deutschland habe im globalen Vergleich nur einen geringen Einfluss auf den Klimawandel und deshalb würde es sich kaum lohnen, das eigene Verhalten zu ändern.

Es mag zwar stimmen, dass Deutschland direkt „nur” zwei Prozent zum weltweiten CO2-Austoß beiträgt, allerdings greift diese Sichtweise zu kurz.

Die allermeisten Länder haben einen weit geringeren Anteil an den globalen Emissionen. Dass unser absoluter Anteil geringer erscheint, liegt nicht an einem nachhaltigen Lebensstil, sondern daran, dass Deutschland im Vergleich zu bevölkerungsreicheren Ländern einen kleineren Anteil an der Weltbevölkerung hat – nämlich nur ein Prozent. Dadurch wirkt unser Gesamtbeitrag automatisch geringer, obwohl der individuelle Ressourcenverbrauch sehr hoch ist. Die Perspektive auf nationale Emissionen ist also leicht verzerrt.

Betrachtet man nämlich unseren Pro-Kopf-Verbrauch liegen wir in Deutschland deutlich über dem weltweiten Durchschnitt. Wir verbrauchen pro Kopf deutlich mehr Energie, mehr Rohstoffe und verursachen entsprechend mehr Emissionen als viele andere Länder.

Ein erheblicher Teil der Umweltbelastung entsteht zudem indirekt im Ausland, etwa durch Produktion und Rohstoffabbau für unseren Konsum. Deutschland gehört zu den Top 15 Ländern mit den höchsten direkten und indirekten Treibhausgasemissionen.

So entstehen Treibhausgase in Deutschland
 Treibhausgasemissionen in Deutschland nach Sektoren 2024 © GHG emissions of all world countries - 2025 Report, Publications Office of the European Union, Luxembourg, 2025, doi:10.2760/9816914, JRC143227
Diese Grafik zeigt: Wir haben uns in den letzten Jahren zwar leicht verbessert, aber das reicht noch lange nicht aus. Die meisten Treibhausgase entstehen in den Sektoren Energieerzeugung, Verkehr, Gebäude und industrieller Verbrennung und Prozesse. Dies macht nicht nur ein Problem sichtbar, sondern auch, wo Lösungen ansetzen müssen. Ob beim Ausbau erneuerbarer Energien, klimafreundlicher Mobilität oder effizienteren Gebäuden – in diesen Sektoren entscheidet sich, wie schnell und wirksam Emissionen tatsächlich reduziert werden können.

Unser Ressourcenverbrauch kann halbiert werden
Ein geringerer Ressourcenverbrauch ist möglich – und gesellschaftlich gewünscht. So kommt die aktuelle WWF-Studie „Ressourcenleicht Leben 2045" zum dem Schluss, dass es realistisch ist, den Pro-Kopf-Ressourcenverbrauch in Deutschland von 16 auf acht Tonnen zu senken. Die wichtigsten identifizierten Hebel sind dabei Einsparungen in den Bereichen Ernährung, Wohnen und Mobilität.
 
Können wir den Overshoot Day noch verschieben?
Der German Overshoot Day kann genauso wie der Earth Overshoot Day noch nach hinten verschoben werden, wenn wir Energie, Konsum und Landwirtschaft nachhaltiger gestalten. Wege dahin gibt es längst. Entscheidend ist, dass wir sie nutzen.

Im Kontext des Earth Overshoot Days haben wir bereits eine Reihe an Tipps zusammengestellt, was konkret getan werden kann, um den Overshoot Day weiter nach hinten zu verschieben.

Dieser Tag ist kein abstraktes Datum, sondern ein klarer Hinweis darauf, dass unser Ressourcenverbrauch über dem globalen Durchschnitt liegt. Gleichzeitig haben wir in Deutschland die Mittel und den Einfluss, um genau das zu verändern. Es reicht also nicht, das Problem zu erkennen, sondern wir müssen handeln und Verantwortung übernehmen.

Wer den eigenen Konsum hinterfragt und neue Wege mitgeht, trägt dazu bei, dass sich etwas verschiebt. Wenn Deutschland vorangeht, kann es eine echte Vorbildfunktion einnehmen und zeigen, dass ein anderes Wirtschaften nicht nur notwendig ist, sondern auch möglich.

Quelle: WWF Deutschland



     
        
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