evoBuild - Zirkulär gedacht. Für Visionen gemacht.

Faire Standards statt doppelter Maßstäbe: Bündnis fordert verbindliche Regeln für Import-Lebensmittel

Organisationen drängen Bundesregierung auf wirksame Spiegelmaßnahmen und ein Ende des Exports verbotener Pestizide

Ein breites Bündnis aus Slow Food Deutschland, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), dem Netzwerk Gerechter Welthandel und dem Umweltinstitut München fordert die Bundesregierung auf, ihr Versprechen zu fairen Wettbewerbsbedingungen endlich politisch umzusetzen. Anlässlich anhaltend stark Pestizid-belasteter Import-Lebensmittel, des Abschlusses des EU-Mercosur-Abkommens und einer Bundesregierung, die untätig bleibt, veranstaltete das Bündnis ein Pressefrühstück.

Das Bündnis fordert einen sofortigen Exportstopp für Pestizide und Wirkstoffe, die in der EU aus Gesundheits- oder Umweltgründen nicht zugelassen sind. © Annie Spratt, unsplash.comIm Zentrum der Kritik steht ein grundlegender Widerspruch der europäischen und deutschen Handelspolitik: Während landwirtschaftliche Betriebe in der EU an strenge Umwelt-, Gesundheits- und Tierschutzstandards gebunden sind, gelangen weiterhin Lebensmittel auf den europäischen Markt, die unter Bedingungen erzeugt wurden, die hier so nicht zulässig wären. Das benachteiligt heimische Betriebe, erhöht den Druck auf bäuerliche Landwirtschaft und untergräbt das Vertrauen in faire Marktregeln.

Dr. Rupert Ebner, Vorsitzender von Slow Food Deutschland, äußerte sich zu den existierenden Doppelstandards im Hinblick auf Tierschutzstandards und den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung:
„Es darf nicht sein, dass Fleisch auf den europäischen Markt gelangt, das mit Hormonen und Antibiotika behandelt wurde, die als Wachstumsförderer eingesetzt werden. Auch in Bezug auf die Tierhaltung liegen die Standards bei Importlebensmitteln weit unter den europäischen: Bei importiertem Fleisch sind z. B. deutlich längere Transportwege, akklimatisierte Tiertransporte sowie betäubungslose Kastration Alltag."

Aus Sicht des Bündnisses braucht es deshalb verbindliche Spiegelmaßnahmen. Diese sollen sicherstellen, dass hohe Schutzstandards nicht nur für die Produktion innerhalb der EU gelten, sondern auch für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse, die in die Europäische Union importiert werden. Es gehe dabei nicht um Protektionismus, sondern um Fairness, Gesundheitsschutz und politische Glaubwürdigkeit.

Besonders problematisch ist nach Einschätzung der Organisationen der fortgesetzte Export von Pestiziden und Wirkstoffen, die in der EU aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes nicht mehr zugelassen sind. Diese Stoffe werden in Drittstaaten eingesetzt und können über importierte Agrarprodukte als Rückstände wieder auf den europäischen Markt gelangen. Das Bündnis kritisiert diese Praxis als Ausdruck eines doppelten Standards: Was in Europa als zu gefährlich gilt, dürfe nicht anderswo produziert, exportiert und über den Handel indirekt wieder in europäische Lieferketten zurückgeführt werden.

„Spiegelmaßnahmen klingen technisch. In Wahrheit geht es um einen einfachen politischen Grundsatz: Was wir den Menschen, den Böden und dem Wasser in Europa nicht zumuten, darf nicht über Handel ausgelagert werden. Was aktuell passiert ist kein freier Wettbewerb. Das ist regulierte Ungleichheit.", sagt Ludwig Essig, Referent für Handelspolitik am Umweltinstitut München und Koordinator des Netzwerks Gerechter Welthandel.

Auch für die heimische Landwirtschaft hat die aktuelle Praxis spürbare Folgen. Europäische Betriebe müssen unter strengeren Auflagen produzieren und geraten zugleich in Konkurrenz mit Importware, die zu niedrigeren Kosten unter schwächeren Schutzstandards erzeugt werden kann. Das ist aus Sicht des Bündnisses kein fairer Wettbewerb, sondern strukturell ungleiche Regulierung.

„Mir ist die Anerkennung der Tatsache sehr wichtig, dass Lebensmittel als Ergebnis landwirtschaftlicher Erzeugung keine gewöhnlichen Waren sind! Dies gilt es im Rahmen einer fairen Handelspolitik anzuerkennen. Außerdem darf angestrebter Bürokratieabbau darf nicht der Deckmantel für den Abbau unserer Standards für Umwelt- und Verbraucherschutz sein. Stattdessen braucht es die von uns geforderten Spiegelmaßnahmen", sagt Bernd Schmitz, stellvertretender Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Aus Sicht des Bündnisses ist die Bundesregierung jetzt politisch gefordert. Gerade in der laufenden Debatte um Rückstandshöchstwerte für besonders gefährliche, in der EU verbotene Pestizide müsse Deutschland eine entschlossene Rolle einnehmen, statt strengere Regeln auszubremsen.

„Die unterschiedlichen Standards bei Importlebensmitteln führen zu Verbrauchertäuschung, denn die meisten Verbraucher*innen wissen nicht, welche Unterschiede hinsichtlich der Standards zwischen den Lebensmitteln bestehen, die im Supermarkt nebeneinander liegen. Am Ende entscheidet meist der Preis, was eine Wettbewerbsverzerrung für die europäischen Landwirt*innen darstellt, die aufgrund höherer Anforderungen – etwa bei Haltung, Transport und Schlachtung – deutlich höhere Kosten tragen müssen", sagt David Peacock, Landwirt vom Erdhof Seewalde.

Das Bündnis fordert deshalb:
  1. einen sofortigen Exportstopp für Pestizide und Wirkstoffe, die in der EU aus Gesundheits- oder Umweltgründen nicht zugelassen sind,
  2. eine europaweit einheitliche Regelung, damit Unternehmen ihre Produktion nicht einfach in andere Mitgliedstaaten verlagern können,
  3. die konsequente Absenkung der Rückstandshöchstwerte für besonders gefährliche, in der EU verbotene Wirkstoffe in importierten Lebensmitteln auf das technisch nachweisbare Minimum,
  4. verbindliche, überprüfbare und sanktionierbare Spiegelmaßnahmen in der europäischen Handelspolitik und in Handelsabkommen,
  5. sowie faire Wettbewerbsbedingungen für bäuerliche Betriebe und mehr Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher.
Die Organisationen erinnern daran, dass die Bundesregierung faire Wettbewerbsbedingungen und gleichwertige Standards bei Lebensmittelimporten selbst als politisches Ziel benannt hat. Nun müsse diesem Anspruch auch konkretes Handeln folgen.
 
Links:

Kontakt: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL), Berit Thomsen | thomsen@abl-ev.de | www.abl-ev.de



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Die Natur lebt vom Kreislauf – und wir?

forum 04/2026

  • Kreislaufwirtschaft
  • Biodiversität
  • Bildung
  • Wasserweisheiten
  • Altöl im Kreislauf
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
12
SEP
2026
Corso Leopold
Ein Wochenende voller Musik, Kunst und Begegnung
80804 München, Leopoldstraße
22
SEP
2026
WindEnergy Hamburg 2026
Connect with the global wind industry
20357 Hamburg
23
NOV
2026
Energie- & Umweltgipfel 2026: Produzierende Industrie
Where Industrial Transformation Creates Competitive Advantage
10623 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Energie- & Umweltgipfel 2026
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Hinaus in die Wildnis!
Christoph Quarchs Blick auf die junge Kulturgeschichte von Naturschutz und Naturtourismus
Munich Climate Week 2026
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Ein Wochenende voller Musik, Kunst und Begegnung

11. Internationaler Bodentag zum Thema "Gesunder Boden: vom Acker zum Teller" am 18,/19. November 2026 in Neunburg v. Wald

EthioTrees ist das Leuchtturm-Projekt 2026

PLAN-B NET ZERO gewinnt zweiten PaaS-Kunden

Regenwald-Konferenz erhält den "Making a Difference" Award 2026 des Jane Goodall Instituts Deutschland

Hitzeschutz muss verbindlicher Bestandteil von Neubau, Sanierung und Instandhaltung von Schulen werden

Zendure auf der IFA 2026

Der Kanzler will den Klimawandel zurückdrängen

B.A.U.M. Insights
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Engagement Global gGmbH
  • 66 seconds for the future
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • NOW Partners Foundation
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Zendure DE GmbH
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • ZamWirken e.V.
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • SUSTAYNR GmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • WWF Deutschland