Lisa Fröhlich
Gesellschaft | Bildung, 13.04.2026
Weitsicht braucht Kompetenz
Warum nachhaltige Transformation mit Bildung beginnt
Nachhaltige Transformation beginnt nicht mit neuen Strategien, sondern mit der Bereitschaft, Bestehendes zu hinterfragen und neu zu denken. Die Zukunft gehört denen, die den Mut haben, Wissen, Weitsicht und Zusammenarbeit in echte Veränderung zu übersetzen.
Deutschland fehlt der Mut zur Bildung – …
Nur 9,4 Prozent der Deutschen zwischen 25 und 64 Jahren nahmen im Jahr 2024 an Weiterbildungen teil – deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 13,5 Prozent . Was auf den ersten Blick wie eine nüchterne Kennzahl erscheint, verweist auf ein tieferliegendes, strukturelles Problem: die Frage nach unserer kulturellen Bereitschaft, in die Zukunft zu investieren. Ein Beitrag von Dr. Bettina Siebert-Blaesing zeigt, dass insbesondere eine oft unterschätzte Eigenschaft entscheidend ist – Geduld. Weiterbildung wird damit nicht nur zur individuellen Entscheidung, sondern zum Spiegel gesellschaftlicher Zukunftsorientierung.… und die Geduld für Zukunft
Gerade im Kontext der nachhaltigen Transformation stellt sich eine zentrale Frage: Ist Geduld eine unterschätzte Schlüsselkompetenz für zukunftsfähige Wirtschaftssysteme? Im Management oft als passiv missverstanden, beschreibt sie in Wirklichkeit die Fähigkeit, auch in komplexen und widersprüchlichen Situationen handlungsfähig zu bleiben, ohne vorschnell zu entscheiden. Sie schafft Raum für Reflexion, klare Prioritäten und damit durch das Setzen von Zwischenzielen Voraussetzung für echte Innovation.
In Zeiten zunehmender Unsicherheit wird Geduld zum strategischen Faktor: Sie lenkt den Blick weg von kurzfristigen Kennzahlen hin zu langfristiger Wertschöpfung und nachhaltiger Wirkung. Gerade für die globale Nachhaltigkeitsagenda gilt: Transformation ist kein punktueller Wandel, sondern ein struktureller Prozess – und Geduld dessen zentrale Voraussetzung. Sie wird damit zugleich zur Grundlage eines bewussten, strategischen Krisenmanagements, indem sie Priorisierung ermöglicht, kollektive Verantwortung stärkt und jene tiefgreifenden Veränderungen unterstützt, die nachhaltige Entwicklung erst möglich machen.
Wie Bildung Geduld als Schlüsselkompetenz moderner Führung stärkt
Storytelling ist der Schlüssel: Es verbindet Fakten mit Emotionen und schafft ein gemeinsames Verständnis zwischen Führung, Mitarbeitenden sowie externen Stakeholdern. In einer zunehmend komplexen Welt werden Geschichten damit zur „Währung", mit der Orientierung, Vertrauen und Veränderungsbereitschaft entstehen.
Doch wie lassen sich Strategie, Vision und Vertrauen wirksam miteinander verknüpfen? Innovative Bildungsansätze wie Futures Thinking eröffnen hier neue Wege: Sie schaffen Raum, mögliche Zukünfte zu erkunden, Chancen sichtbar zu machen und gleichzeitig Risiken bewusst zu reflektieren. Instrumente wie das Future Triangle strukturieren diesen Prozess entlang von Zukunft (Sog), Gegenwart (Druck) und Vergangenheit (Gewicht) und ermöglichen so ein ganzheitliches Verständnis von Transformation.
Auf dieser Grundlage wird deutlich, dass nachhaltige Innovation nicht primär durch zusätzliches Wissen entsteht, sondern durch das bewusste Verlernen überholter Denkmuster, Routinen und Geschäftslogiken. Genau hier setzt das Unlearn Canvas an: als strategisches Reflexions- und Transformationsinstrument, das Organisationen befähigt, eingefahrene Muster zu hinterfragen und Raum für neue Formen der Wertschöpfung zu schaffen .
Storytelling als strategischer Wendepunkt der nachhaltigen Beschaffung
Anders Indsets trianguläre Alchemie kommt der Logik des Future Triangle erstaunlich nahe: Transformation entsteht im Zusammenspiel unterschiedlicher Kräfte. Doch übertragen auf die nachhaltige Transformation zeigt sich eine zentrale Verschiebung – Zukunft entsteht nicht nur im Markt, sondern in den Lieferketten. Und damit im Einkauf.
Strategischer Einkauf ist die unterschätzte Schlüsselfunktion für Resilienz und Innovation. Hier wird entschieden, ob Unternehmen alte Muster verwalten – oder neue Wertschöpfung gestalten.
Was fehlt, sind neue Geschichten über vorgelagerte Lieferketten und Partnerschaften. Und genau hier braucht es die Akademia: nicht als Berater:innen, sondern als Mentor:innen, die gemeinsam mit Unternehmen diese Narrative entwickeln – und empirisch belegen, dass sie funktionieren. Die Vision ist da. Jetzt müssen wir sie erzählen.
Damit gehört Zukunft denen, die WEITSICHT wagen
Die Überlegung von Anders Indset , dass die zentrale Ressource der Zukunft nicht in klassischen Kategorien wie Rohstoffen oder Daten zu verorten ist, sondern vielmehr in den Möglichkeiten selbst und in der Fähigkeit, diese zu realisieren, eröffnet eine neue Perspektive auf unternehmerisches Handeln. Daraus ergibt sich die Frage, ob die gegenwärtigen Diskurse über Mut, Kompetenz oder Rationalität nicht zu kurz greifen und stattdessen die Entwicklung von Weitsicht in den Mittelpunkt rücken sollten – einer Weitsicht, die untrennbar mit Wissen verbunden ist, welches in Organisationen bislang nur unzureichend vermittelt wird.
In diesem Kontext gewinnt für mich auch die künstlerische Perspektive eine besondere Bedeutung. Der Satz von Yayoi Kusama – „Die Botschaft, die ich euch, meinen geliebten Menschen, durch meine Kunstwerke vermittle, ist die Freude am Leben" – bringt auf den Punkt, was ich unter Fortschritt verstehe: Transformation entsteht nicht allein durch analytische Modelle, sondern durch visionäre Kraft, Werteorientierung und schöpferisches Denken. Künstlerinnen und Künstler zeigen uns, was es bedeutet, konsequent an eine Vision zu glauben und neue Wirklichkeiten zu imaginieren – oft gegen Widerstände und jenseits bestehender Denkmuster.
Genau diese Haltung brauchen wir auch im Management. Eine nachhaltige Transformation erfordert daher Führungspersönlichkeiten, die den Mut haben, weiterzudenken, Verantwortung zu übernehmen und eine neue ökonomische Realität aktiv mitzugestalten.
Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich ist forum-Kuratorin, Gründerin des ispira Think Tanks und gilt als international anerkannte Expertin für nachhaltige Lieferketten. Mit ihrem Fokus auf nachhaltige Unternehmensführung begleitet sie Unternehmen praxisnah und strategisch in der Transformation ihrer Lieferketten. Zudem entwickelt sie innovative Templates für den nachhaltigen Einkauf, die neue Handlungsspielräume eröffnen und unternehmerische Zukunftsfähigkeit gezielt stärken.
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Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich | Ispira Think Tank für Nachhaltige Lieferketten
Unternehmensführung & CSR
Prof. Dr. habil. Lisa Fröhlich ist Gründerin des ISPIRA Think Tank und eine wegweisende Expertin für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Mit fundiertem Fachwissen zur nachhaltigen Transformation und umfassender Expertise in der EU-Regulatorik unterstützt sie Unternehmen dabei, Herausforderungen in strategische Chancen zu überführen.
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