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Gewinn mit Sinn

Dem Gemeinwohl verpflichtet. Marcus Roggatz von der WALA Stiftung im forum-Interview

Die Schlagzeile „Patagonia-Gründer Yvon Chouinard schenkt seine Firma der Natur" sorgte für Aufsehen. Die Gewinne des Unternehmens sollen in den Kampf gegen den Klimawandel fließen. Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, deren Wirtschaften der Gesellschaft verpflichtet ist. forum befragte dazu den Stiftungsvorstand der WALA Stiftung, Dr. med. Marcus Roggatz, wie das Unternehmen dem Gemeinwohl gerecht wird.

Die Herstellungsprozesse der WALA Arzneimittel und der Dr. Hauschka Kosmetik folgen dem Wechsel der Jahreszeiten. Polaritäten wie Wärme und Kälte oder Ruhe und Bewegung erhalten die volle Kraft der Heilpflanzen in den Arzneimitteln und Produkten. © WALADie WALA Heilmittel GmbH und ihre Marken WALA Arzneimittel und Dr. Hauschka Kosmetik sind zu 100 Prozent eigentümergeführt durch die WALA Stiftung. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Weg?
Dr. med. Marcus Roggatz, Vorstand der WALA Stiftung, im WALA-Heilpflanzengarten in Bad Boll/Eckwälden, der in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert. © WALADr. Rudolf Hauschka gründete die WALA im Jahr 1935. Sein Ziel war die Herstellung anthroposophischer Arzneimittel auf der Grundlage „Rhythmus trägt Leben". Er arbeitete nach den von Rudolf Steiner angeregten Prinzipien und mit der Vision, die Kräfte der Natur für den Menschen zu nutzen. Bereits 1986 wurde die Wala zu einem Stiftungsunternehmen. Die Gesellschafter überführten ihre Anteile in die neu gegründete Wala Stiftung, die damit alleinige Besitzerin der Wala GmbH wurde.

Wie verändert sich das unternehmerische Denken, wenn Gewinn dem Gemeinwohl dienen soll?
Wir leben aktuell in einer Wirtschaftskultur, in der die Gewinnmaximierung treibende Kraft ist. Dabei ist uns schon lange klar, dass diese Ausrichtung für die massive Schädigung der Umwelt sowie die Ausbeutung von Millionen von Menschen weltweit verantwortlich ist.

Wir haben die klare Vision von einer Welt, in der Unternehmen wirklich Verantwortung übernehmen und unabhängig von Einzel- und Marktinteressen wirtschaften können. Unser Stiftungsmodell bringt alles zusammen: Wir sind unabhängig. Wir müssen keine Gewinne um der Gewinnausschüttungen willen erwirtschaften. Wir orientieren uns an vorgegebenen Werten. Gewinne sind somit Gestaltungsmittel, nicht Selbstzweck und sie fließen ins Unternehmen und an unsere Mitarbeitenden zurück.

Hat sich das neue Eigentumsmodell auf die Bindung und Motivation Ihrer Mitarbeitenden ausgewirkt?
Wir machen jeden Tag aufs Neue die Erfahrung, was es bedeutet, wenn Menschen intrinsisch motiviert einem Entwicklungsimpuls folgen und wenn sie sich in einem gemeinsamen Anliegen verbunden fühlen.

So sind alle Mitarbeitenden aufgefordert und befähigt, sich eigenständig, aber im Sinne des Ganzen in das Unternehmen und dessen Aufgaben einzubringen. Damit wird die WALA zu einem Ort der gemeinsamen Entwicklung.

Zusätzlich profitieren unsere Mitarbeitenden direkt von der Unternehmensform „Verantwortungseigentum", denn alle Gewinne werden reinvestiert oder ausgezahlt. Das führt zu hoher Mitarbeitendenbindung und sichert einen enormen Erfahrungsschatz. Das steigert die Motivation und fördert ein gesundes Miteinander.

Welcher Verantwortung muss das Eigentum gerecht werden?
Verantwortungseigentum hat zwei Prinzipien: Selbstbestimmung und Vermögensbindung. Selbstbestimmung heißt, verbindlich sicherzustellen, dass die Organisation langfristig der Unternehmensidee dienen kann. Vermögen und Gewinne zu binden wiederum bedeutet, das Kapital für die Unternehmensentwicklung freizuhalten.

Unternehmerische Verantwortung heißt für uns, ganzheitlich, nachhaltig, wirtschaftlich und immer mit Blick aufs Gemeinwohl zu wirtschaften. Ein gesundes Miteinander sowie faire Partnerschaften, die von Langfristigkeit und finanzieller Unabhängigkeit geprägt sind, gehören seit jeher zu unserer Wertekultur als täglich gelebte Haltung. Es geht darum, wie wir in Zukunft leben wollen und wie unser unternehmerisches Handeln diese Zukunft ermöglichen kann.
 
„Gewinne sind Gestaltungsmittel, kein Selbstzweck.”

Sie sagen, Verantwortungseigentum biete unternehmerische Freiheit. Können Sie das erläutern?
Wir sind aufgrund des Stiftungsmodells unabhängig von externen Einflüssen. Das bedeutet, dass von außen (beispielsweise durch Investor:innen) kein Druck ausgeübt wird. Statt dessen sind wir der Vision einer gesunden Zukunft für Mensch, Gesellschaft und Wirtschaft verpflichtet. Die Stiftungsform sichert auch unseren hohen Qualitätsanspruch an Produkte und Arzneimittel, denn wir können es uns leisten, Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit, Gesundheit und Vielfalt im Blick zu haben und permanent danach zu streben.

Statt Gewinne an anonyme Anteilseigner auszahlen zu müssen, können wir in Innovation und Mitarbeitenden investieren. Unsere Unternehmensform schützt uns somit nicht nur vor Spekulation, sondern sichert auch den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Stabilität der Kooperation mit Rohstoffpartnern. Auch die Unternehmensnachfolge kann der Stiftungsrat ausschließlich nach Eignung entscheiden. Diese Vorteile machen Verantwortungseigentum zu einer attraktiven Option für Unternehmer, gerade im Mittelstand, die ihre Nachfolge sicherstellen möchten.

Sie verzichten bewusst auf klassische Investoren. Wie gelingt es Ihnen, wettbewerbsfähig zu bleiben?
Wir verzichten bewusst auf klassische Investor:innen, weil wir langfristige Werte statt kurzfristiger Renditen fokussieren. Unser Weg, trotzdem wettbewerbsfähig zu bleiben und gleichzeitig wachsen zu können, basiert auf unabhängigen, zielorientierten Investitionen und starken Partnerschaften. Damit können wir unseren hohen Qualitätsanspruch sicherstellen.

Ist Verantwortungseigentum ein Modell, das für jedes Unternehmen funktioniert?
Insbesondere für den Mittelstand und die Herausforderungen in der Nachfolgesicherung kann es entscheidend beitragen zur Stärkung der Wirtschaft und der Schaffung von Arbeitsplätzen.

Unsere Vision und Mission sind klar: Wir wollen Gesundheit ganzheitlich verstehen und für alle erfahrbar machen. Dafür müssen wir unternehmerisch erfolgreich, ehrlich und konsequent sein. Wir wollen die nachhaltige Transformation der Wirtschaftswelt voran treiben und einen Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität in Deutschland leisten, denn das dient Mitarbeitenden, Kund:innen und der Gesellschaft.

Wir verstehen uns als Impulsgeber für neue Wirtschaftsformen und setzen uns dafür ein, Unternehmen eine langfristige Unabhängigkeit in einem sicheren rechtlichen Rahmen zu ermöglichen. Die „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen" wird kommen, da bin ich mir sicher!

Welchen Rat wollen Sie Unternehmen mitgeben, die überlegen, den Pfad des Verantwortungseigentums zu gehen?
Es lohnt sich! Diese neue Art des Wirtschaftens schützt vor Ablenkungen und Fremdeinflüssen. Einige Start-ups richten ihre Strukturen direkt auf das Verantwortungseigentum aus. Es empfiehlt sich jedoch Vor- und Nachteile sorgfältig abzuwägen und alle Bereiche des Unternehmens zu beleuchten und einen klaren Zweck zu definieren. Meiner Meinung nach geht das nur ganz oder gar nicht – das Modell setzt, wie schon beschrieben, Ganzheitlichkeit, Transparenz und Ehrlichkeit voraus.

Wir sehen an unseren Umsatzzahlen sowie der Kund:innen- und Mitarbeitendenzufriedenheit, dass es funktioniert. Wenn wir andere dadurch inspirieren, mit uns diesen Weg zu gehen, wunderbar!

Herr Dr. Roggatz wir bedanken uns für das Gespräch und Ihr ehrenamtliches Engagement in der WALA Stiftung.

Wichtiger Hinweis: Die Satzung der Stiftung ist zu finden unter www.wala-stiftung.de.

Dieser Artikel ist in forum 01/2026 - forum Nachhaltig Wirtschaften heißt jetzt forum future economy erschienen.



     
        
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