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Peter Wogenstein

Zucker – die süße Verführung der Konservativen

Den Schaden haben die Menschen in unserer Gesellschaft. Der aktuelle Kommentar von Peter Wogenstein vom Institut für Welternährung

Wir wissen es, und die Wissenschaft belegt es immer wieder: zu viel Zucker schadet unserer Gesundheit. So sind zuckergesüßte Getränke einer der größten Risikofaktoren für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Sie erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen, Leberkrebs und Gicht. Auswirkungen sind im Alltag nicht zu übersehen: mehr übergewichtige Kinder und Erwachsene. Erschreckend die deutliche Zunahme von Diabetes 2 bei Kindern wie Erwachsenen. Erhebliche Zahnschäden schon bei Kindern und Jugendlichen durch zuckergesüßte Getränke kommen noch hinzu.
 
© pasja1000; Pixabay.comWir schätzen die Zahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes in Deutschland auf rund 9 Millionen. Etwa jeder vierte Erwachsene ist übergewichtig. Die Folgekosten für unser Gesundheitssystem und damit unsere der Gesellschaft allein bei Adipositas liegen laut Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina jährlich bei ca. 113 Milliarden EUR [1].
 
Und wie geht aktuell die Regierungspartei CDU auf ihrem Bundesparteitag mit der Gesundheitsschädigung durch Zucker und den Folgekosten um? Augen zu und durch. Die Begründung – so auch die der Liberalen [2]: Wir lassen uns nicht „bevormunden". Wir pochen auf die bewusste und selbstbestimmte Entscheidung des Individuums. Die Konsument*innen – egal welchen Alters – entscheiden allein. Basta. Ob bei Zucker oder Alkohol, von Sucht oder Suchtpotential ist dabei nicht annähernd die Rede.
 
Was sie auch nicht sehen: die schädlichen Auswirkungen ungesunder Ernährung, insbesondere von zuckergesüßten Getränken und damit von zu viel Zucker schadet am meisten dem ungeborenen Leben, Kindern in den ersten drei Jahren ihrer Entwicklung und den Ärmeren in unserer Gesellschaft. Es sind diejenigen, die sich am wenigsten wehren können gegen die Flut von allgegenwärtiger Werbung auf allen Kanälen, vor „preiswerten" überzuckerten Angeboten der Getränkeindustrie, und die bei der Entschlüsselung der Herstellerangaben bei „Lebensmitteln" aller Art kapitulieren. Die meisten haben keinen Nutri Score, eine leicht verständliche „Ampel", denn der ist für die Hersteller „freiwillig". Dass dann aber auch noch den Kindern und Jugendlichen, den Konsument*innen die Schuld für ihre Erkrankung und Sucht in die Schuhe geschoben wird, verschlägt nicht nur den Betroffenen die Sprache [3].
 
Hätten wir als Gesellschaft nicht die Pflicht, gerade diese Gruppen in unserer Gesellschaft zu schützen?! Gegen die Interessen der Zuckerproduzenten und der Lebensmittelindustrie, die doch unser Leben nur „versüßen wollen" und Menschen damit „abhängig" machen [4].
 
„Warum geben wir so viel Geld aus, um Krankheiten zu behandeln, und so wenig, um Krankheiten vorzubeugen?", fragt der Arzt und Fachjournalist Ekkehard von Hirschhausen [5]. Steuern sollen „steuern". Andere Länder machen uns vor, wie es auch erfolgreich mit weniger Zucker geht – zum Schutz der Konsument*innen. So sorgen sie u.a. dafür, dass der Zuckergehalt in Getränken durch die Hersteller deutlich reduziert wird – mit positiven Folgen für alle und für das Gesundheitssystem, das Milliarden an „Gesundheitskosten" spart [5].
 
Mehr Mut wünschen wir uns – gemeinsam mit einer Allianz, die von der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) bis Foodwatch reicht –, mehr Mut von der Politik für den Schutz derjenigen, die sich nicht oder kaum gegen die „süße Flut" wehren können. Gehen wir an die Wurzeln, nicht nur an die Symptome.
 
Quellen:
  • [1] Leopoldina Nationale Akademie der Wissenschaften
  • [2] Deutschlandfunk: „Delegierte lehnen Zuckersteuer ab und fordern Abschaffung der telefonischen Krankschreibung", 21.02.2026. ARD Hart aber fair, 23.02.2026
  • [3] ARD Hart aber fair, 23.02.2026
  • [4] Bommert, Wilfried / Christina Sartori, Stille Killer. Wie Big Food unsere Gesundheit gefährdet. Stuttgart 2022
  • [5] Journal of Epidemiology & Community Health: „Effect of the UK soft drinks industry levy on obesity", 2011-2019

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Kontakt: World Food Institute - Institut für Welternährung e.V. | pr@institut-fuer-welternaehrung.org | /www.institut-fuer-welternaehrung.org



     
        
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