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Äußere Transformation ...

... der Schlüssel liegt in der inneren Entwicklung

Die globalen Herausforderungen von Armut über Kriege bis zu Klimakrise und Artensterben sind bekannt. Die kollektiven Bemühungen zum Erreichen von Nachhaltig­keitszielen wie den SDG oder den Pariser Klimazielen reichen nicht aus, um diese Ziele tatsächlich zu erreichen. Auf persönlicher Ebene nehmen psychologische Belastungen wie Stress, Ängste, Burnout, Depressionen zu und der Krankenstand hat sich in den letzten zehn Jahren nahezu verdoppelt. Wo liegt die Lösung?
 Für den Wandel in eine l(i)ebenswerte Zukunft braucht es die Bereitschaft zum Wandel. Bildung ist dafür das Sprungbrett. Grafiken mit © WeMaCo GmbH
Viele Menschen fühlen sich nicht selbstwirksam genug, um in Anbetracht dieser Themen etwas zu verändern. Zudem herrscht Überforderung durch die schnellen Veränderungen in unserer VUCA-Welt* und konstante Überlastung durch äußere Einflüsse. Dies führt bei vielen engagierten Menschen zu erhöhtem Einsatz bis zur Erschöpfung; andere gleiten in die Resignation oder ins Ignorieren der Umstände ab. Ein Wandel ist daher dringend nötig!

Voraussetzung für die Transformation
Der erste Frieden

Der erste Frieden, der wichtigste, ist der,
welcher in die Seele des Menschen einzieht;
wenn die Menschen ihre Verwandtschaft,
ihre Harmonie mit dem Universum einsehen,
und wissen, dass im Mittelpunkt der Welt
das große Geheimnis wohnt.
Und dass diese Mitte tatsächlich überall ist;
sie ist in jedem von uns.
Dies ist der wirkliche Frieden.
Alle anderen sind lediglich Spiegelungen davon.

Der zweite Frieden ist der,
welcher zwischen einzelnen geschlossen wird.

Und der dritte ist der zwischen Völkern.
Doch vor allem sollt ihr sehen,
dass es nie Frieden zwischen Völkern geben kann,
wenn nicht der erste Frieden vorhanden ist,
welcher innerhalb der Seele wohnt.

(Weisheit der Navajo-Indianer)
Um gemeinschaftlich diesen Wandel in der Welt erreichen zu können, braucht es neue Ansatzpunkte, neue Wege. Wenn man sich an Personen wie Nelson Mandela, Wangari Mathaai oder Martin Luther King orientiert, die großen gesellschaftlichen Wandel angestoßen und viele Menschen motiviert haben, und dies mit weniger erfolgreichen Bemühungen vergleicht, kann man Entscheidendes lernen: Die genannten Personen sind trotz aller Widrigkeiten ihren Werten von Liebe, Frieden, Gewaltfreiheit, Vergebung etc. treu geblieben.

Der Friedensaktivist Abraham J. Muste beschrieb seinen Ansatz folgendermaßen: „There is no way to peace. Peace is the way." (dt. „Es gibt keinen Weg zum Frieden. Frieden ist der Weg.") Das bedeutet: Um echten Wandel zu erzielen, muss der Weg zu einem Ziel stimmig mit dem Ziel sein. Dieses Prinzip nennt sich Pfadharmonie und wird unter anderem von der Reinventing Society (forum berichtete) beschrieben. Positive Energie wird demnach erst dann freigesetzt, wenn man laufend reflektiert, ob der bisherige Weg geeignet ist, die gewünschte Transformation zu bewirken.

Jeder stimmige Weg beginnt mit innerer Entwicklung
Eine grundlegende Ursache des Zustands der Welt und unserer Gesellschaft ist die Entfremdung der meisten Menschen von ihrer menschlichen und nicht-menschlichen Mitwelt und die Entfremdung vom eigenen Selbst. Wenn wir uns mit uns selbst, mit anderen Menschen und Lebewesen sowie der Erde als unserem Heimatplaneten verbunden fühlen, können wir uns kollektiv nicht mehr so destruktiv verhalten. Das Prinzip der Ebenenharmonie besagt, dass wir stimmig auf allen Ebenen handeln müssen für das Erreichen der Transformation – beginnend beim Individuum über die Organisation bis hin zur Gesellschaft. Der Blick ins eigene Innere und auf das persönliche Wachstum wird durch den Fokus auf das Äußere oft vernachlässigt. Doch wer sich als Mensch nicht mit sich selbst befasst, kann nicht auf einen stimmigen Weg kommen. Ein Weg zur äußeren Transformation, der langfristig trägt, sollte in Präsenz, mit Selbstanbindung und in Besinnung auf den eigenen inneren Kompass beginnen.
"Menschen sind oft selbst ihre größten
eigenen Kritiker*innen. Doch nur wer achtsam,
liebevoll und nachhaltig mit sich selbst umgeht,
verbessert gleichzeitig Geduld, Offenheit und Respekt
in Bezug auf Mitmenschen und Mitwelt.”

Innere Entwicklung entsteht unter anderem durch Meditation und Stille, Achtsamkeitsübungen, Selbstreflexion, Coaching-Sessions und Lernbereitschaft. Sehr wichtig ist das regelmäßige Innehalten im äußeren Schaffen, um sich immer wieder auf den eigenen stimmigen Weg zu besinnen. Dabei geht es nicht um eine weitere Selbstoptimierung für unsere Leistungsgesellschaft, sondern um persönliches Wohlbe­finden und positive Energie, welche dann wiederum für die eigenen Herzensanliegen eingesetzt werden kann.

Ver – ANTWORT – ung tragen
Hilfreiche Inspirationsquellen

Informationen zur Verbindung von innerer Entwicklung und äußerer Transformation sowie den notwendigen Transformations- und Zukunftskompetenzen finden sich unter anderem bei:
  • Future Skills – Dr. Arndt Pechstein, Dr. Martin Schwemmle & Co-Creators
  • How to Change the World: 10 Transformationskompetenzen für systemischen Wandel" – Stella Schaller
  • IDG-Tools & Framework – Sein, Denken, Beziehung, Zusammenarbeit
  • Innen wachsen – außen wirken" – Julia Buchebner, Stefan Stockinger
  • New Work needs inner Work" – Dr. Joana Breidenbach, Bettina Rollow
  • Den „Pioneers of Change" mit verschiedenen Veranstaltungsformaten wie zum Beispiel dem Online Summit
  • Bei der U-school und der Arbeit von Prof. Dr. Otto Scharmer
  • Vom EGO zum ECO" – Thorsten Nieuwenhuizen
  • Zukunftsbilder 2045" – Stella Schaller, Lino Zeddies, Ute Scheub & Sebastian Vollmar
  • CREATE Convention – Community für innere und äußere
    Transformation
  • Wir bauen Zukunft – Ein Forschungs- und Bildungszentrum für zukunftsfähiges Leben
Als Führungskraft in einer Organisation oder als Entscheidungsträger*in für die Gesellschaft ist diese innere Entwicklung von besonderer Bedeutung. Durch die höhere formelle Verantwortung haben die eigenen Verhaltensweisen einen besonderen Einfluss auf den stimmigen Weg einer Gemeinschaft. Unternehmenslenker*innen können beispielsweise Räume der Achtsamkeit oder Angebote für Coachings für ihre Mitarbeitenden schaffen. Insbesondere im Bereich innovativer Arbeitsformen und von New Work-Ansätzen ist die innere Entwicklung des gesamten Teams von Relevanz, um ein Gelingen selbstverantwortlicher Arbeitsweisen zu ermöglichen. Zudem sollte in jeder Organisation überprüft werden, ob auf individueller und organisationaler Ebene die persönlichen und kollektiven Werte und Verhaltensweisen zu den auf gesellschaftlicher Ebene angestrebten Veränderungen passen.

Regeneratives Leben und Wirken gemeinsam entwickeln
Da Ziele, wie die SDGs, alleine nicht ausreichen und das bisherige, aufs Aussen fokussierte Wirken in der Nachhaltigkeitsbranche zu kurz greift, wurden in den letzten Jahren die Inner Development Goals (IDGs) aufgesetzt. Diese beschreiben die zu entwickelnden inneren Fähigkeiten in den Bereichen Sein, Denken, Beziehung, Zusammenarbeit und Handeln, mit deren Hilfe die SDGs stimmig und effektiver erreicht werden können.

Menschen und Organisationen, die sich mit regenerativem Leben und Wirken befassen, widmen sich immer auch der Kombination von innerem und äußerem Wandel und sind daher eine sehr gute Inspirationsquelle für alle, die sich diesbezüglich auf den Weg machen. Praktisch ausgetestet werden regenerative Praktiken bereits in vielen Gemeinschaften, Projekten und an sogenannten Zukunftsorten, wie sie beispielsweise durch „Wir bauen Zukunft" entstehen. Die Verbindung von innerer Entwicklung und äußerer Transformation im Rahmen einer Gemeinschaft 200 gleichgesinnter Nachhaltigkeitsbewegter und ein Kennenlernen mit vielen Vordenker*innen in diesem Bereich konnten unter anderem bei der CREATE Convention in Nieklitz, nahe Hamburg erlebt werden. 
 
Cathérine Lehmann, M.Sc. Sustainability Management, ESCP, hat in der Nachhaltigkeitsberatung & -forschung gearbeitet. Nun leitet sie die WeMaCo GmbH zu Urbaner Transformation & Verbreitung regenerativer Ansätze. Die Verbindung von innerer Entwicklung & äußerem Wandel ist für sie zentral.

* VUCA ist ein Akronym. Es steht für Volatilität (volatility), Unsicherheit (uncertainty), Komplexität (complexity) und Mehrdeutigkeit (ambuiguity). Für die Dynamik in unserer Welt und den Umgang mit VUCA benötigen wir Menschen neue Denk- und Verhaltensweisen für dieses Jahrtausend.

Dieser Artikel ist in forum 04/2024 - Der Zauber des Wandels erschienen.



     
        
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