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Umwelt | Klima, 03.08.2026

Klimarisiken erkennen und handeln

Quick-Check zur Klimawandelanpassung von Liegenschaften

Der Quick Check der Bodensee-Stiftung bietet einen einfachen Einstieg in die Bewertung von Klimarisiken von Standorten und unterstützt bei der Auswahl und Priorisierung naturbasierter Maßnahmen zur Klimaanpassung.

Die neu angelegte Biodiversitätsfläche am Neubau Haus Raphael der Stiftung Liebenau zeigt, was auf kleiner Fläche möglich ist: Retentionsmulde, Totholz-, Stein- und Sandstrukturen sowie Sitzgelegenheiten wurden arrangiert und naturnah mit heimischen Ansaaten und Stauden bepflanzt. Eine solche Fläche hält Dürre besser aus, kann bei Starkregen mehr Wasser aufnehmen und die Umgebungstemperatur durch ein günstiges Mikroklima senken. Darüber hinaus bietet sie Lebensraum und Nahrung für heimische Tiere und steigert die Aufenthaltsqualität für Menschen. © Bodensee-StiftungOb Hitzewellen, Starkregen oder Hochwasser: Die Auswirkungen des Klimawandels betreffen Gebäude, Betriebsflächen und kommunale Liegenschaften. Doch wie anfällig ist ein konkreter Standort für diese Risiken? Und wo lohnt es sich besonders, mit Anpassungsmaßnahmen anzusetzen? Wo ist der Bedarf besonders groß?

Mit dem Quick-Check hat die Bodensee-Stiftung ein einfach anwendbares Tool entwickelt, das eine erste Einschätzung der Klimavulnerabilität von Standorten ermöglicht. Der Excel-basierte Ansatz unterstützt dabei, Risiken zu erkennen und naturbasierte Maßnahmen gezielt zu priorisieren. Er richtet sich vor allem an Unternehmen und Kommunen.

Schneller Einstieg in die Klimawandelanpassung
„Der Quick-Check ist als niedrigschwelliger Einstieg in das Thema Klimarisiken konzipiert. Innerhalb von 30 bis 60 Minuten können Nutzende eine erste Einschätzung vornehmen und so ein besseres Verständnis dafür entwickeln, wie stark ihre Liegenschaft von klimabedingten Risiken betroffen sein könnte", erläutert Projektmanagerin Mia Glammeier, die den Quick Check mitentwickelt hat.

Im Mittelpunkt stehen vier zentrale Komponenten einer Vulnerabilitätsanalyse:
  • Exposition: In welchem Maß ist der Standort klimatischen Risiken wie Hitze, Starkregen oder Hochwasser ausgesetzt?
  • Sensitivität: Wie anfällig sind Gebäude, Außenanlagen und die Menschen vor Ort gegenüber diesen Risiken?
  • Potenzielle Auswirkungen: Welche Folgen können sich daraus ergeben?
  • Anpassungskapazität: Welche Maßnahmen zur Klimaanpassung sind bereits umgesetzt oder könnten umgesetzt werden?
Die Bewertung erfolgt über eine übersichtliche Skala von „gering" bis „extrem hoch" (grün bis rot). Am Ende erhalten Nutzende eine zusammenfassende Einschätzung der Vulnerabilität ihres Standorts, ergänzt um konkrete Vorschläge für geeignete naturbasierte Klimaanpassungsmaßnahmen.

Datengestützt und praxisnah entwickelt
Der Quick-Check basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen, die gezielt um praxisrelevante Aspekte ergänzt wurden. Für die Bewertung der Exposition werden Karten der Bundesanstalt für Gewässerkunde und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung als Datengrundlage herangezogen. Der Fokus liegt auf drei in Deutschland besonders relevanten Klimarisiken: Hitze, Starkregen und Hochwasser. 

Die Sensitivität von Gebäuden orientiert sich an bestehenden Einstufungen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Ergänzend wurden durch die Bodensee-Stiftung Aspekte wie Außenanlagen, Vegetation und mögliche Auswirkungen auf Menschen integriert. Der Aufbau folgt einem strukturierten Fragebogen und unterscheidet zwischen Risiken durch Hitze und Wasser. 

Auch die Anpassungskapazität wird systematisch erfasst: Nutzende geben an, welche Maßnahmen bereits umgesetzt sind oder realistisch umgesetzt werden könnten. Diese werden gewichtet und in die Gesamtbewertung einbezogen. Auf Basis der Ergebnisse schlägt der Quick-Check automatisch geeignete naturbasierte Maßnahmen vor. Ergänzend steht ein Maßnahmenkatalog mit detaillierten Erläuterungen und Praxisbeispielen zur Verfügung.

Nach einer erfolgreichen Pilotphase steht der Quick-Check nun öffentlich zur Verfügung, um Organisationen beim Einstieg in die naturnahe Klimawandelanpassung zu unterstützen. Aktuell ist das Tool für Standorte in ganz Deutschland ausgelegt, Versionen für Österreich und die Schweiz sind in Vorbereitung.

„Je früher Klimarisiken erkannt werden, desto gezielter lassen sich wirksame Maßnahmen umsetzen. Naturbasierte Lösungen – etwa zusätzliche Grünflächen, verbesserte Versickerungsmöglichkeiten oder beschattende Vegetation – können einen wichtigen Beitrag leisten, um Standorte resilienter gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen und gleichzeitig die Biodiversität zu fördern", betont Projektleiterin Daniela Dietsche, ebenfalls Bodensee-Stiftung. 

Wer am Quick-Check zur Klimawandelanpassung interessiert ist oder mehr über naturbasierte Klimaanpassung erfahren möchte, kann sich an die Bodensee-Stiftung wenden: Mia Glammeier und Daniela DietscheWeitere Informationen zum Quick-Check zur Klimawandelanpassung

Der Quick Check wurde im Rahmen des Interreg-Projekts Zukunftsgrün entwickelt.

Informationen zum Interreg-Projekt „Zukunftsgrün"
Ziel des Projekts Zukunftsgrün ist es, Lösungen für die Zukunftsfähigkeit von Siedlungsräumen zu entwickeln und in die breite Anwendung zu bringen, die Synergien zwischen Klimaschutz, Schutz der biologischen Vielfalt und Anpassung an die Folgen des Klimawandels schaffen.

„Zukunftsgrün" schafft grenzüberschreitend im DACH-Raum Trainings- und Bildungsangebote, baut ein transdisziplinäres Netzwerk mit Expert*innen aus Planung und Umsetzung von Siedlungsgestaltung auf, demonstriert die Skalierbarkeit biodiversitätsfreundlicher klimaangepasster Flächengestaltung und Liegenschaftsmanagements anhand einer Organisation mit mehr als 200 Standorten und trägt durch intensive Öffentlichkeitsarbeit zur Sensibilisierung von Bürger*innen, Verwaltung und Wirtschaft bei.

Projektpartner sind Bodensee-Stiftung (Leitung), BUND Naturschutz Ökostation Schwaben e.V. und Stiftung Liebenau (alle Deutschland), baubook GmbH, Energieinstitut Vorarlberg und pulswerk GmbH (alle Österreich) sowie die Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften (Schweiz).

Das Projekt wird gefördert mit Mitteln des Interreg-Programms Alpenrhein-Bodensee-Hochrhein, Laufzeit ist von 1. April 2023 bis 31. Dezember 2026. 

Die Bodensee-Stiftung ist eine private Umwelt- und Naturschutzorganisation, die sich projektorientiert für mehr Nachhaltigkeit und Naturschutz einsetzt – regional, national und international. Sie ist aktiv in den vier Handlungsfeldern Energiewende, Landwirtschaft & Lebensmittel, Natur- & Gewässerschutz sowie Unternehmen & biologische Vielfalt und arbeitet eng mit Akteuren aus Wirtschaft, Fachverwaltungen, Kommunen, Politik und weiteren Interessenvertretungen zusammen. Die Bodensee-Stiftung wurde 1994 gegründet, ihr Sitz ist in Radolfzell am Bodensee. 

Kontakt: Bodensee-Stiftung, Anja Wischer | anja.wischer@bodensee-stiftung.org | www.bodensee-stiftung.org



     
        
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