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Wird uns unser Fleischkonsum zum Verhängnis?

Eine Abenteuerjournalistin berichtet


© Patricia Glyn
Auf den Spuren meiner Ururgroßonkel Sir Richard und Robert Glyn machte ich mich 2005 auf eine rund 2.200 Kilometer lange Expedition durch den Süden Afrikas. In dieser Zeit wurde mir auf eindrückliche Weise klar, dass wir lernen müssen, unsere Ernährungsgewohnheiten den Gegebenheiten der Erde anzupassen.

In Botswana hat die Viehzucht schon lange Tradition - doch ihre Folgen für das Land sind verheerend. Denn am Rande der Kalahari ist Wasser ein kostbares Gut. Und man fragt sich, ob mit der dort vorherrschenden Viehzucht die natürlichen Ressourcen des Landes überhaupt vernünftig genutzt werden. Schließlich werden für die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch rund 100.000 Liter Wasser benötigt. Für Sojabohnen und Kartoffeln beläuft sich der Wasserbedarf dagegen auf 2.000 beziehungsweise 500 Liter pro Kilogramm.

Limitierende Faktoren Wasser und Land

Schließt man von der Situation in Botswana auf die der gesamten Erde, stellt sich die Frage, ob wir aufgrund unserer übermäßigen Fleischproduktion überhaupt unseren Bedarf an Lebensmitteln decken können. Denn viele Regionen der Erde sind von Wassermangel betroffen. Die Verfügbarkeit von Wasser ist nicht nur Grundvoraussetzung für den Landbau, sondern auch für die Weiterverarbeitung von Fleisch in Schlachthöfen. Hinzukommt, dass von den Tieren produziertes Ammoniak und Nitrat Grundwasser, Boden und Luft verschmutzen. Allein die Nutztierhaltung verursacht Schätzungen zu Folge zehn Prozent aller Treibhausgase - einschließlich der rund 25 Prozent Methangasemissionen.

Ursprünglich führte die hohe Fleisch- und Milchproduktnachfrage des Westens dazu, dass Produzenten auf intensive Zuchtmethoden umsteigen mussten, um mit den Ernährungsgewohnheiten der Konsumenten mithalten zu können. Gerade um den hohen Futterbedarf der Zuchttiere zu decken, sind große Mengen an Weizen, Mais und Soja erforderlich. Der Anbau dieser Nutzpflanzen benötigt viel Fläche - Fläche, die besonders in den Industriestaaten nicht ausreichend zur Verfügung steht. So kommt es, daß arme Bauern in Afrika Getreide für die europäische Schweinezucht anbauen, statt ihre eigenen Kinder zu ernähren, in Brasilien Wälder abgebrannt werden, damit Pariser Restaurantgäste Steak essen können.

Großes Problem - einfache Lösung

Sollte der gegenwärtige Trend der exponenziellen Zunahme unseres Fleischbedarfs - der hauptsächlich auf die Übernahme der westlichen Ernährungsgewohnheiten etwa in China, Indien und Afrika zurückzuführen ist - fortbestehen, wären Mitte dieses Jahrhunderts vier Planeten mit der Größe der Erde nötig, um ausreichend Getreide für uns und unsere Nutztiere produzieren zu können. Unsere derzeitige Nahrungsmittelproduktion ist also gar nicht haltbar, zumal Wissenschaft und Technik weit davon entfernt sind, den Engpass durch effiziente Dünger oder gar genetisch veränderte Tier- und Pflanzenarten abwehren zu können.

Um unseretwillen und zum Wohle des Planeten müssen wir lernen, unseren Fleischkonsum zu reduzieren.





Im Profil

Patricia Glyn ist eine bekannte südafrikanische Rundfunksprecherin, die 15 Jahre lang beim Radio und Fernsehen arbeitete, bevor sie 2003 das Studio verließ, um sich dem Abenteuerjournalismus zu widmen.


Quelle:



     
        
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