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Auch soziales Engagement hat seinen Preis

Non-Profit-Organisationen als Wirtschaftsunternehmen


Gettyimages © Image Source
Mit einer Non-Profit-Organisation (NPO) verbindet man gedanklich zunächst eine gemeinnützige Institution, die sich einer guten Sache verschrieben hat und die unabhängig von Staat und Wirtschaft agiert. Doch auch NPOs unterliegen gewissen marktwirtschaftlichen Regeln und müssen - um überleben und ihrem Zweck gerecht werden zu können - entsprechend diesen Vorgaben handeln und funktionieren. Seit 1991 gibt es die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH, die sich bis heute zur weltweit größten Spenderdatei entwickelt hat. Claudia Rutt, Geschäftsführerin der DKMS, berichtet über die Notwendigkeit wirtschaftlichen Handelns in der gemeinnützigen Gesellschaft.


Non-Profit-Organisation als Wirtschaftsunternehmen - wie passt das zusammen?

Um sein Unternehmensziel erfolgreich umsetzen zu können, muss man effizient und nachvollziehbar arbeiten, egal, ob man nun auf ein soziales oder rein wirtschaftliches Projekt hinarbeitet. Mehr noch: Gerade für Non-Profit-Organisationen ist professionelles Arbeiten extrem wichtig, da wir in unserem Handeln vor allem auf die Unterstützung unserer Kooperationspartner und auf die Anerkennung der Öffentlichkeit angewiesen sind. Deshalb müssen wir unser Handeln nachvollziehbar darstellen und nachhaltig kommunizieren - sowohl nach innen als auch nach außen.

Eine straffe Organisation, klar definierte Kommunikationswege und gründlich durchdachte Finanzierungsmaßnahmen sind im Einsatz für die gute Sache und zum Überleben unumgänglich.

Welche Beweggründe standen hinter der Gründung der DKMS?

Auslöser für die Gründung der DKMS 1991 war die Erkrankung meiner Schwägerin Mechtild Harf an Leukämie. Mechtild benötigte dringend eine Knochenmarkspende. Das Tragische war: Alle sechs Geschwister hätten sich zwar gegenseitig mit einer Spende helfen können, aber keiner von ihnen kam für meine Schwägerin in Frage.

Sie mussten also selbst aktiv werden? Wie sahen die ersten Schritte der DKMS aus?

Auf der Suche nach einem Spender standen wir vor einem riesigen Problem. In Deutschland gab es damals nur eine kleine Anzahl von Spendern. Es gab Dateien in Nordamerika, in England und Frankreich. Aber wenn man zum Beispiel eine Spende aus den USA bekommen wollte, musste sich dafür ein deutscher Politiker einsetzen. In der folgenden Zeit haben wir die ganze Familie, unseren Freundeskreis und den behandelnden Arzt aktiviert. In Ludwigshafen bekamen wir von der Firma Benckiser dazu ein erstes kleines Büro, in dem wir Tag und Nacht auf der Suche nach dem passenden Stammzellspender verbracht haben. Für meine Schwägerin konnte zwar ein passender Spender gefunden werden, aber sie verstarb dennoch. Ihr Tod war für uns eine traurige Erfahrung, hat uns aber gezeigt, dass es sich lohnt, für andere weiter zu kämpfen.

Können Sie die Entwicklung von der Privatinitiative zum Wirtschaftsunternehmen anhand von Zahlen und Fakten verdeutlichen?

Als wir angefangen haben, waren wir ein sehr idealistisches und basisdemokratisches Team von fünf Personen. Mittlerweile arbeiten knapp 160 Mitarbeiter in unseren Büros in Tübingen, Köln und Dresden. In unserem Team gibt es klare Hierarchien und einen komplett durchstrukturierten Verwaltungsapparat. Alle Bereiche eines klassischen Wirtschaftsunternehmens sind abgedeckt, dazu gehört die Finanzverwaltung ebenso wie eine umfassende Marketing- und PR-Abteilung, Eventmanagement und das Fundraising. Natürlich haben wir mittlerweile auch einen fest institutionalisierten medizinischen Bereich. Wir haben es geschafft, die potenziellen Stammzellspender von 68.000 im Jahr 1991 auf mittlerweile fast 1,8 Millionen zu erhöhen.

Wie sieht die Finanzierung der Projekte aus?

Die DKMS wurde in den ersten Jahren durch die Deutsche Krebshilfe, das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie zahlreiche Firmen- und Privatspenden unterstützt. Mitte 1994 standen für den Dateiausbau allerdings keine öffentlichen Gelder mehr zur Verfügung. Seitdem ist die DKMS auf Spenden und Kooperationen angewiesen. Das Fundraising funktioniert allerdings nur dann wirklich gut, wenn den potenziellen Partnern der Sinn ihres Engagements glaubhaft dargestellt werden kann. Für eine NPO ist es notwendig, mit jedem potenziellen Kooperationspartner abzugleichen, ob sich die jeweiligen Ziele und Ausrichtungen ergänzen und gegenseitig unterstützen. Nur wenn am Ende für beide ein Benefit erzielt wird, kann eine langfristige Zusammenarbeit entstehen. Diese Langfristigkeit ist für jede gemeinnützige Organisation ein enorm wichtiger und notwendiger Planungsfaktor, um weitere Projekte angehen und umsetzen zu können. Auch um das Vertrauen der Partner langfristig zu gewinnen, ist der Einsatz professioneller Geschäftsberichte, wie etwa unseres zweijährlich erscheinenden Dateiberichts, besonders nützlich. Zahlen und Fakten helfen, die Struktur und vor allem die Ergebnisse einer NPO transparent zu machen.

Jedes Wirtschaftsunternehmen lebt von seiner positiven Außenwirkung. Wie sieht Öffentlichkeitsarbeit bei der DKMS aus?

Wir als NPO sind natürlich besonders auf die Zuwendung und Unterstützung der Öffentlichkeit angewiesen. Um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erreichen, führen wir regelmäßige Aktionen durch, wie zum Beispiel den jährlichen "Tag der Lebensspende" am 28. Mai sowie ständige Typisierungsaktionen, auch in Zusammenarbeit mit Unternehmen, Universitäten, Verbänden und Vereinen. Des Weiteren werden wir von Kooperationspartnern wie dem Deutschen Hockey Bund sowie von Prominenten wie Sarah Connor, Oliver Bierhoff und Hugo Egon Balder tatkräftig unterstützt. Alles zusammen zahlt auf die Marke DKMS ein und hilft uns, weitere potenzielle Lebensspender in unsere Datei aufnehmen zu können. Außerdem betreiben wir eine intensive Pressearbeit und sind seit einigen Jahren regelmäßig mit Plakatkampagnen in vielen Städten deutschlandweit vertreten.

Welche Ziele hat die DKMS noch vor Augen?

Unser Ziel ist es, irgendwann für jeden an Leukämie erkrankten Patienten einen passenden Stammzellspender zu finden. Ein schier unmögliches Unterfangen, aber wir werden weiter dafür kämpfen.





Kontakt:

Claudia Rutt, Geschäftsführerin der DKMS
Telefon +49 (0)221 / 94 05 82 - 28
E-Mail rutt@dkms.de

www.dkms.de


Quelle:
Wirtschaft | CSR & Strategie, 15.12.2008

     
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