Garten-PV - Grüner Strom aus eigenem Anbau.

"Generationenkapital": Kritik an fehlenden Klima- und Menschenrechtsvorgaben

Kritische Aktionär*innen vermissen verpflichtende nachhaltigkeits- und menschenrechtsbezogene Anlagekriterien.

  • Referentenentwurf: Keine verpflichtenden ESG Kriterien vorgesehen.
  • Beauftragte KENFO Stiftung investierte zuletzt auch in fossile Unternehmen.
  • Kritik an fehlender Beteiligung des Bundestags und Transparenzproblemen.
Der Referentenentwurf für das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) geplante "Generationenkapitalgesetz" hat große Mängel in Sachen Umweltschutz und Menschenrechte. Dies kritisieren der Dachverband der Kritischen Aktionär*innen und urgewald im Rahmen einer Verbändeanhörung. Demnach fehlen verpflichtende nachhaltigkeits- und menschenrechtsbezogene Anlagekriterien für die Verwaltung der milliardenschweren staatlichen Geldanlagen. Außerdem bemängeln die NGOs die fehlende parlamentarische Beteiligung und fehlende Regeln zur regelmäßigen Offenlegung des Portfolios.

© wilfried Pohnke, pixabay.comWährend der Dachverband der Kritischen Aktionär*innen und urgewald die im Rentenpaket II geplante Stabilisierung des Rentenniveau bis 2039 bei 48 Prozent begrüßen, üben sie Kritik am Aufbau des kapitalmarktgedeckten "Generationenkapitals" zur Teilfinanzierung der Renten aufgrund der hohen Anlagerisiken auf dem Finanzmarkt.

Darüber hinaus sind ESG Kriterien für die Geldanlage im Gesetzentwurf bisher nicht verpflichtend vorgesehen. Lediglich in der nicht bindenden Gesetzesbegründung, S.24 heißt es, dass diese im Nachgang von den zuständigen Bundesministerien BMAS und BMF in einer Anlagerichtlinie festgelegt werden sollen.

Tilman Massa, Co-Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionär*innen, sagt: "Es ist ein Skandal, dass die Bundesregierung außer Rendite und globaler Diversifikation keinerlei gesetzliche Vorgaben machen will, wie das geplante 'Generationenkapital' angelegt werden soll. Notdürftig die Achtung irgendwelcher ESG Kriterien in Aussicht zu stellen reicht nicht so müssen wir den Entwurf ablehnen."

Für den Aufbau der "Stiftung Generationenkapital" soll die bereits existierende Stiftung "Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung" (KENFO) zuständig sein. Hier zeigt sich, warum die klare Vorgabe klimakonformer Anlagekriterien so wichtig ist. Denn trotz der wiederholten Bekenntnisse des KENFO für eine nachhaltige Anlagestrategie ergab eine urgewald Analyse des letzten veröffentlichten KENFO Portfolios Investitionen in Höhe von 771 Millionen Euro in Kohle-, Öl und Gasunternehmen. Alle im Portfolio gefundenen Öl und Gasunternehmen haben fossile Expansionspläne, die nicht mit dem 1,5°C Szenario der Internationalen Energieagentur vereinbar sind.

Anna Lena Samborski, Finanz-Campaignerin bei urgewald, sagt dazu: "Die Aussicht, dass mit dem Projekt 'Generationenkapital' weitere Milliarden Euro in fossile Unternehmen fließen, ist untragbar. Die Anlagestrategie muss verpflichtend in Einklang mit den Pariser Klimazielen und der 1,5°C Grenze gebracht werden, zu der sich auch die Bundesregierung bekannt hat. Das heißt auch, dass Investitionen in Kohle-, Öl und Gasunternehmen auf fossilem Expansionskurs ausgeschlossen werden müssen."

Da es aktuell keine allgemeingültigen gesetzlichen Regeln für menschenrechtsbezogene Sorgfaltspflichten im Investment Sektor gibt, sollten diese gemäß den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte ebenfalls als verpflichtende Anlagekriterien ins Gesetz aufgenommen werden.

Tilman Massa sagt dazu: "Zukünftige Renten dürfen nicht mit Profiten aus Kinderarbeit, Zwangsarbeit oder der Missachtung indigener Rechte finanziert werden. Bereits beim Lieferkettengesetz haben es die Verantwortlichen versäumt, die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten des Finanzsektors verbindlich zu regeln. Entsprechende Vorgaben müssen somit zwingend in das 'Generationenkapitalgesetz' aufgenommen werden."

Weiterhin kritisieren die NGOs, dass es keinerlei Vorgaben für eine regelmäßige Veröffentlichung des Portfolios gibt, was eine öffentliche Kontrolle in diesem sensiblen Bereich unmöglich macht. Auch ist eine Beteiligung durch den Bundestag in keiner Weise vorgesehen dabei wäre sie unter anderem für die Festlegung von ESG Kriterien der Geldanlage notwendig.

Dazu kommentiert Anna Lena Samborski: "Hier heißt es 'Achtung' für die Abgeordneten im Bundestag bei den weiteren Verhandlungen zum  'Generationenkapital'. Das Parlament muss sich dringend die Hoheit sichern, um bei Fragen wie zur Ausformulierung der Anlagerichtlinie und ESG Kriterien mitreden zu können."

Kontakt: urgewald e.V., Anna Lena Samborski | anna_lena.samborski@urgewald.org | www.urgewald.org



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
15
SEP
2026
Zukunft Personal Europe
Europas Leitmesse für die Welt der Arbeit
50679 Köln
Alle Veranstaltungen...
POWTECH TECHNOPHARM 2026
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Digitalisierung

Magnifica Humanitas - Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
Christoph Quarch begrüßt die Enzyklika von Papst Leo XIV. als wertvollen Debatten-Beitrag
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Regen sammeln, wo er gebraucht wird

Klimarisiken für Energieanlagen

Ten Years of Impact

Start der Bewerbungsphase für den ESG Transparency Award 2026

Böden, Wasser, Waldbrand- und Lebensgefahr – forum zeigt Lösungen

Mehr Kreislaufwirtschaft im Textilsektor

In Kraft getretenes Vernichtungsverbot für Textilien und Schuhe

Neue Regeln für Textilbranche

  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • SUSTAYNR GmbH
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • 66 seconds for the future
  • WWF Deutschland
  • TÜV SÜD Akademie
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Engagement Global gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • NOW Partners Foundation