Katharina Weiss-Tuider

Gesunde Menschen gibt es nur auf einer gesunden Erde

Eckart von Hirschhausen zeigt: Klimaschutz hängt stärker mit unserer Gesundheit zusammen, als gemeinhin angenommen…

Kennen Sie das größte umweltbedingte Risiko für unsere Gesundheit hier in Europa? Es ist die Luftverschmutzung. Jedes Jahr sterben 300.000 bis 800.000 Menschen an den Folgen von Dreck aus Schloten, Kaminen und Auspuffen. Auch in Deutschland atmet sich’s alles andere als gesund. Zwar hat sich die Luftqualität hierzulande dank gesetzlicher Regulierung der Schadstoffemissionen aus Verkehr und Industrie in den letzten Jahrzehnten verbessert. Doch: Die deutsche Industrie ist die dreckigste in Europa.

Das Stiftungsteam setzt ganz auf Kommunikation, die Herz und Hirn erreicht und so verständlich macht. © Dominik ButzmannJüngst sorgte ein Bericht des Recherchenetzwerks Correctiv für Schlagzeilen, der neben den gesundheitlichen und ökologischen Folgen der Luftverschmutzung auch den ökonomischen Schäden eine Zahl verleiht: Rund 60 Milliarden Euro verlor die deutsche Wirtschaft im Beispieljahr 2017 durch vorzeitige Todesfälle, Umweltverschmutzung und Kosten im Gesundheitssystem. Vor allem die emissionsstarken Energie- und Rohstoffkonzerne tragen dazu bei.

Luftverschmutzung ist eine oft unsichtbare, unriechbare und dementsprechend weithin unterschätzte Gefahr. Vor allem Feinstaub und Stickstoffdioxid sind die Übeltäter, die mit jedem Atemzug in unsere Lungen geraten. Die WHO empfiehlt zwar Grenzwerte. Doch Analysen zeigen zum Beispiel, dass 97 Prozent aller Menschen in Europa feinstaubschwangere Luft über diesen Grenzwerten atmen. Die winzigen Feinstaub-Partikel, gegen die sogar ein menschliches Haar dick wie ein Baumstamm erscheint, entstehen vor allem beim Verbrennen von Öl, Kohle, Gas oder Holz. Und weil sie so winzig sind, schweben sie nicht nur eine ganze Weile in der Atmosphäre, sondern können auch tief in unseren Körper, sogar in unser Gehirn eindringen. Studien zeigen, dass nach Anstieg von Feinstaubbelastung in den folgenden 24 Stunden auch die Zahl von Herzinfarkten und Schlaganfällen steigt; dass ein Mehr an Feinstaub regional zu mehr Demenzfällen führt; und auch dass Menschen, die in Städten mit viel Feinstaub leben, stärker und häufiger unter einer Pollenallergie leiden.

Kommunikation für Herz und Hirn
Energie- und Mobilitätswende dienen also nicht nur dem Klima: Klimaschutz ist gleichzeitig Gesundheitsschutz. Gesundheit beginnt mit sauberer Luft zu Atmen, genug Wasser zum Trinken, gesunden Pflanzen zum Essen, erträglichen Temperaturen und einem guten Miteinander. Um dieses Bewusstsein zu fördern, hat Eckart von Hirschhausen im Jahr 2020 die Stiftung "Gesunde Erde – Gesunde Menschen" (GEGM) gegründet. Das interdisziplinäre Stiftungsteam setzt ganz auf Kommunikation, die Herz und Hirn erreicht und so verständlich macht: Gesunde Menschen gibt es nur auf einem gesunden Planeten. Wir müssen nicht das Klima retten, sondern uns.

Was können wir also tun? Das Wichtigste ist, kein Einzelner zu bleiben, wichtige Informationen weiterzuerzählen, Aha-Momente zu teilen. Um auch in der öffentlichen Debatte und in den Medien mehr Raum dafür zu schaffen, wie unsere Gesundheit mit der planetaren Gesundheit zusammenhängt, hat die Stiftung GEGM den Medienservice "Klima & Gesundheit" ins Leben gerufen. Die kostenlose Plattform bietet für Medienschaffende, aber auch für Interessierte einen zugänglichen Überblick über die aktuelle Forschungslage, weiterführende Infos zu Hintergründen sowie zu Lösungsansätzen und wertvolle Recherchehinweise zu Themen wie „Klima und mentale Gesundheit" oder eben „Klima, Luft & Mobilität".


Katharina Weiss-Tuider koordiniert die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen" (GEGM) und forum sowie den Meinungsaustausch der beiden Sprecher Eckart von Hirschhausen und Fritz Lietsch.

Dieser Artikel ist in forum 02/2024 - Jede Menge gute Nachrichten erschienen.



     
        
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