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Christian Wessels

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...und das Entwicklungshilfeparadigma überwinden

Der afrikanische Kontinent steht vornehmlich im Kontext von Krisen und fehlenden Zukunftsperspektiven. Traditionell wird Afrika deshalb häufig nur in Form von Entwicklungshilfe adressiert und kaum auf Augenhöhe wahrgenommen. Dabei sind viele dieser Länder Märkte mit wachsenden Volkswirtschaften und Bevölkerungen, welche auch interessante Investmentchancen bieten können.

 Frauenpower in Afrika – Vorbild für Europa! Beim Aufbruch ins 21. Jahrhundert haben afrikanische Frauen immer häufiger das Sagen. © Fritz Lietsch / DERtoursEin Problem für die Entwicklung der afrikanischen Wirtschaft ist das fehlende Kapital. Bislang war China der maßgebende Investor im afrikanischen Raum. Dabei brachten die Chinesen neben dem Kapital in der Regel auch die Arbeitskräfte aus Fernost mit, wodurch den Einheimischen häufig nur Handlangerjobs übrigblieben. Zudem lag der Fokus der Chinesen in der Regel auf prestigeträchtigen Großprojekten, deren unmittelbarer Nutzen nicht immer klar ersichtlich und deren gewaltige Schuldenlast umso offensichtlicher waren. Dies verändert sich nun sowohl aufgrund des Handelskonfliktes mit den USA als auch aufgrund einer nachhaltiger ausgerichteten und weniger expansiven Wirtschaftspolitik Chinas. Dadurch entstehen in Afrika zusätzliche Anlagechancen für ausländische Investoren.

Fehlendes Kapital raubt Chancen
Die deutsche Politik unternahm bereits erste Schritte, indem sie das Finanzierungsproblem Afrikas in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten rückte. So sprach sich der deutsche Entwicklungsminister Gerd Müller im ZDF explizit für mehr Investitionen in Afrika aus und sensibilisierte deutsche Unternehmen für die dortigen Marktchancen. Außerdem richtete das Bundeswirtschaftsministerium unlängst das „Wirtschaftsnetzwerk Afrika" ein, mit dessen Hilfe deutsche Unternehmen einen Berater für den Markteintritt zu Seite gestellt bekommen.
 
Energieversorgung als Schlüsselindustrie
Ein Investitionshemmnis für ausländische Investoren stellt häufig die fehlende, flächendeckende Energieversorgung dar. In großen Teilen Afrikas existiert kein zuverlässiges Stromnetz, was der wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents grundsätzlich entgegensteht. Ohne eine belastbare Energieversorgung ist es Unternehmen nicht möglich, dringend benötigte Produktions-, Logistik- und Fertigungseinrichtungen zu betreiben oder auch Krankenhäuser und Schulen mit der nötigen Energie zu versorgen. Bislang werden in Afrika zur Energieerzeugung hauptsächlich Dieselgeneratoren verwendet, die sowohl aus ökonomischer als auch ökologischer Perspektive verheerend sind. Eine auf regenerativen Energien basierende, nachhaltige Stromversorgung stellt deshalb eine Schlüsseltechnologie für das Wirtschaftswachstum der afrikanischen Länder dar: Arbeitsplätze, soziale Sicherheit, Bildung und der Gesundheitssektor Afrikas sind unmittelbar mit der Energiefrage verknüpft, weshalb alle Bemühungen Europas sich zunächst auf Förderung der Energieversorgung konzentrieren sollten.
 
Nicht nur investieren sondern gründen
Dies ist das erklärte Ziel von Venture Buildern. Diese kennen den heimischen Markt und nutzen ihre Kompetenz, um Unternehmen vor Ort selbst aufzubauen, statt in bestehende Firmen zu investieren. Damit wird auf die Entwicklungskraft und Einbeziehung lokaler Netzwerke gesetzt, wodurch Arbeitsplätze für die afrikanische Bevölkerung entstehen und Synergien genutzt werden. Zudem verfügen Venture Builder über die nötige ökonomische und politische Expertise, um den Fehlentwicklungen wie Korruption und Misswirtschaft schon im Vorfeld begegnen zu können. Zwar ist Afrika noch immer ein Niedriglohnkontinent, dennoch sollten Mindeststandards wie Arbeitsschutz, Weiterbildung und Krankenversicherung nach europäischem Vorbild von Beginn an eingehalten werden. Doch findet man in Afrika auch Aspekte der Unternehmensführung, in denen der Kontinent sogar Vorreiter ist: In Punkto Gender Diversity beispielsweise ist Westafrika zum Teil sogar schon weiter entwickelt als Deutschland. Insgesamt sollte die Idee eines symbiotischen wirtschaftlichen Netzwerkes verfolgt werden, sodass beide Seiten voneinander profitieren.
 
Neben den offensichtlichen ökologischen Vorteilen von erneuerbaren Energien im Vergleich zu den Dieselgeneratoren sind es ökonomische Gründe, die lokale Unternehmer zu überzeugen vermögen: Der technologische Fortschritt ermöglicht immer höhere Skalierungsnutzen – mit Photovoltaik-Anlagen etwa erzielen Unternehmen in Afrika Stromkosteneinsparungen bis zu 20 Prozent. Frühere Projekte mit großflächigen Solarfeldern wie Desertec in Marokko waren in der Vergangenheit gescheitert und zeigen auf, dass die Versorgung nur dezentral erfolgen kann. Europäische Modelle lassen sich nicht auf die Herausforderungen fremder Märkte übertragen. Unter anderem sind die Wege zu den Verbrauchern zu groß und die Anschaffungskosten der Anlagen zu hoch. Besser geeignet sind deshalb dezentrale Off-Grid-Modelle, wobei die Installation und Instandhaltung der Anlagen aus einer Hand kommen sollten. Dies ist zu überschaubaren Kosten möglich. Das Prinzip dahinter lautet „Power as a service".
 
Nachhaltige Investments, um Marktchancen zu nutzen
Bislang waren Investitionen in erneuerbare Energien, insbesondere in ausländischen Märkten, vor allem institutionellen Investoren vorbehalten. Finanzierungsplattformen wie die schwedische Crowdinvesting-Plattform Trine eröffnen mittlerweile auch Privatinvestoren die Anlagemöglichkeit in den Wachstumsmarkt. Sie ermöglichen es, bereits mit kleinen Beträgen ab 25 Euro in Solarenergieprojekte im Ausland zu investieren. Neben Nigeria sind auch weitere westafrikanische Länder wie Ghana oder Togo als Standorte attraktiv, da diese ähnliche ökonomische Rahmenbedingungen aufweisen.

Fazit: Es muss ein Paradigmenwechsel von der Entwicklungshilfe zur Projektfinanzierung stattfinden. Afrika bietet interessante Investmentchancen, welche jedoch politische und ökonomische Expertise erfordern und die aktive Einbeziehung der lokalen Wirtschaft notwendig machen. Den größten Bedarf gibt es auf dem afrikanischen Energiemarkt. Anleger, die in die afrikanische Energiebranche investieren können den Klimaschutz nachhaltig unterstützen.

Christian Wessels ist Gründer und Geschäftsführer des Solarenergielösungsanbieters Daystar Power in Lagos (Nigeria), Gründungsdirektor der European Business Organisation (EBO) in Nigeria und Young Global Leader (YGL) des Weltwirtschaftsforums.

Gut zu Wissen: Hilfreiche Links für Investments in Afrika

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2022 mit dem Schwerpunkt: Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft - Ist die Party vorbei? erschienen.



     
        
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