BIOFACH 2023 into organic - Paving the path - Nürnberg, 14.-17.02.2023

Gemischte Gefühle auf der COP27

Der aktuelle Kommentar von Fritz Lietsch

Fritz Lietsch in Sharm el-Sheikh © David Quirchmayr
Nach neun Tagen auf der COP bin ich voller Eindrücke. Gemischte Gefühle überwiegen. Einerseits gibt es zurecht jede Menge Punkte zu kritisieren. Ist es sinnvoll, dass sich 40.000 Menschen in der Kunstwelt von Sharm el-Sheik zu einer Klimakonferenz treffen, um dort in endlosen Diskussionen über die Rettung des Klimas zu diskutieren? Sicherlich nicht! Und noch viel deprimierender ist es, dass nun schon 27 COPs stattgefunden haben, und noch immer steigt der weltweite Ausstoß an klimaschädlichen Gasen.
 
Es ist zu kritisieren, dass auf der Konferenz selbst weder Wasser noch Energie gespart, sondern vielmehr verschwendet wird. Es ist traurig, dass an den Essensständen keine Spur von Biolebensmitteln zu finden ist. Und die vorherrschenden Getränke stammen aus dem Hause Coca-Cola und Nestlé. Die Verkehrsmittel sind chaotisch, die Hotelpreise sind ein Nepp und Demonstrationen sind nur eingeschränkt möglich. Aktivisten, die mit dem Fahrrad anreisen wollten, wurden gestoppt und mussten auf Busse umsteigen. Und es gäbe noch viel mehr zu kritisieren. Schlechte Organisation, geplatzte Abwasserleitungen, Partys in feudalen Luxusressorts und vieles mehr. Endlose UN-Delegationen und Politiker in schwarzen Limousinen und hunderte von Privatjets, die VIPs einfliegen.
 
Allianzen
Walter Link und Maja Groff im Gespräch mit Mary Robinson © David QuirchmayrDoch neben all diesen Kritikpunkten ist es von einer wundervollen Qualität, dass sich sowohl in der Blue Zone wie auch in der Green Zone der COP zeigt, dass sich immer mehr Menschen und Organisationen für den Schutz des Klimas einsetzen. Kontakte werden geknüpft und weltweite Allianzen geschlossen. Das ist es, was die COP zu einem wichtigen Event macht. Trotz allem. SDG 17 (Kooperationen zur Erreichung der UN-Entwicklungsziele) wird hier gelebt und gepflegt. Und die weltweite Community wächst. Firmen, für die vor wenigen Jahren das Wort Klimaschutz noch ein Fremdwort war, stellen ihr Engagement vor und immer mehr Entscheider erkennen: Jetzt ist es Zeit zu handeln.
 
Solutions Dialogues – Lösungsgespräche
Treffen am Rande der Solutions Dialoge u.a. mit Luisa Neubauer, Fridays for Future, und Florian Pachaly, RECUP © David QuirchmayrUnd dann waren da noch unsere Abende des Future Economy Forums, die wir abseits der COP am Rande der Solutions Dialoge u.a. mit Luisa Neubauer, Fridays for Future und Florian Pachaly von RECUP gemeinsam mit vielen engagierten Gästen durchgeführt haben. Hier wurden und werden auch heute wieder konkrete Lösungen vorgestellt und in die Welt getragen. PolitikerInnen, UnternehmerInnen, AktivistInnen und MedienvertreterInnen geben sich hier bei uns ein Stelldichein. Und ihre eindeutige Meinung: Nach dem COP-Wahnsinn tagsüber ist es wohltuend, in entspanntem Kreis führende Persönlichkeiten wie etwa Mary Robinson, die ehemalige Präsidentin von Irland und UN-Hochkommisarin für Menschenrechte und Klimagerechtigkeit, Sandrine Dixson-Declève, Co-Präsidentin des Club of Rome oder die renommierte Buchautorin und Beraterin (natural capitalism) Hunter Lovins ganz entspannt beim leckeren Abendessen kennenzulernen – natürlich in Demeter Bio-Qualität von SEKEM, dem Wunder in der Wüste.
 
Auch Luisa Neubauer und Florian Pachaly waren begeistert von der Lösungsorientierung der Dialoge. Alleine das Agendasetting, das von hier auf die COP getragen wurde, war von großer Wichtigkeit, ganz zu Schweigen von den Projekten, die hier angestoßen oder vorgestellt wurden, wie etwa die Economy of Love (s.u.) und deren Kompensationszertifikate, die direkt dem Humusaufbau und der Förderung von Kleinbauern in Ägypten dienen.
 
Aufbruchstimmung
v.l.n.r.: Walter Link von NOW Partners im Gespräch mit Markus Raschke und Martin Köppel von Protect the Planet © David QuirchmayrDas Positive an dieser COP ist es, dass sie zum ersten Mal und in diesem Ausmaß Sektoren und Akteure zusammengebracht hat, die nicht "Klima verhandeln",  sondern Klimaschutz praktisch umsetzen. Egal, ob es um Finanzierung, Landwirtschaft, Wassersicherheit oder anderes geht. Die COP entwickelt sich damit zu einem Marktplatz nicht nur der Ideen, sondern der konkreten Handlungen. Neben allen Kritikpunkten sehe ich eine COP, die so viele spannende, engagierte Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringt, die Stimmen hörbar macht, die sonst ungehört verhallen würden. Ich verspüre hier eine Aufbruchstimmung, die Hoffnung gibt, dass die Akteure die Verhandlungen an Wucht bei weitem übertreffen werden. Alleine die Allianz der Klimaklagen bekommt hier einen unglaublichen Vorschub.
 
Alles in allem: Es gibt sie, die Lösungen. Wir wollen sie skalieren und in die Welt tragen. Mehr dazu im kommenden Heft und in den folgenden Newslettern von forum. Heute Abend freuen wir uns unter anderem auf Bertrand Piccard, der als Erster in einem Solarflugzeug die Welt umrundet hat. Er stellt seine 1.000 solutions to change the world vor, wir berichteten in forum.
 
Salam Aleikum aus Sharm el-Sheik.


Die Economy of Love hilft Kleinbauern - Ihre Kompensation kann Wunder bewirken

Die weitreichenden Auswirkungen des Klimawandels beeinträchtigen Millionen von Kleinbauern auf der ganzen Welt, wobei die Landwirte in Afrika am stärksten unter diesen Folgen leiden. Temperaturanstieg und extreme Wetterereignisse in Verbindung mit einer starken Zunahme von Schädlingen und Krankheiten gefährden die Existenzgrundlage dieser Landwirte.

© SEKEM
Es sind wesentlich mehr Investitionen erforderlich, um den Landwirten die Fähigkeiten und Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, die sie für die Anpassung an den Klimawandel benötigen.

Die Egyptian Biodynamic Association hat den "Economy of Love (EoL)-Standard und das Kohlenstoffsystem" entwickelt, um einen aktiven Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel und dessen Abschwächung zu leisten. Dieser Standard verwendet eine international anerkannte UNFCCC-Methode, um zu messen, wie viel CO2 auf EoL-zertifizierten Betrieben emittiert und wie viel Kohlenstoff gebunden wird. 

Bis heute hat das EoL-Kohlenstoffprogramm dazu beigetragen, 2100 Landwirte in Ägypten zu motivieren, mehr Bäume zu pflanzen, die Kompostproduktion zu steigern, die Bodenfruchtbarkeit durch regenerative Landwirtschaft zu verbessern und die Einführung erneuerbarer Energien in Kleinbetrieben zu fördern.
Reduzieren auch Sie Ihre Emissionen maximal und kompensieren Sie den verbleibenden Rest mit Zertifikaten der Economy of Love.

The wide-ranging impacts of climate change are adversely affecting millions of smallholder farmers around the globe, with farmers in Africa suffering the worst of these impacts. Rise in temperatures and extreme weather events, combined with a sharp increase in pests and diseases, are putting the very livelihoods of these farmers at risk.

Much more investment will be needed to provide farmers with the skills and finance they need to adapt to the changing climate. The Egyptian Biodynamic Association developed the ‘Economy of Love (EoL) standard and carbon scheme’ to help actively contribute to climate change adaptation and mitigation. This standard uses an internationally recognized UNFCCC methodology to measure how much CO2 is emitted on EoL-certified farms and how much carbon is sequestered. 

To date, the EoL carbon scheme has helped motivate 2100 farmers in Egypt to plant more trees, increase compost production, improve soil fertility through regenerative agriculture, and promote the introduction of renewable energy on small-scale farms. 

 Fritz Lietsch ist Diplom-Kaufmann, hat BWL und Werbepsychologie studiert und ist Chefredakteur von forum Nachhaltig Wirtschaften.

Unter "Der aktuelle Kommentar" stellen wir die Meinung engagierter Zeitgenossen vor und möchten damit unserer Rolle als forum zur gewaltfreien Begegnung unterschiedlicher Meinungen gerecht werden. Die Kommentare spiegeln deshalb nicht zwingend die Meinung der Redaktion wider, sondern laden ein zur Diskussion, Meinungsbildung und persönlichem Engagement. Wenn auch Sie einen Kommentar einbringen oder erwidern wollen, schreiben Sie an Alrun Vogt: a.vogt@forum-csr.net

Gesellschaft | Politik, 15.11.2022
     
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