Landwirtschaft der Zukunft muss Synergien nutzen

Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis diskutieren aktuelle Herausforderungen und Lösungen für die Landwirtschaft

Auf Gut Sonnenhausen bei Glonn trafen sich am Mittwoch, den 25.5.2022 auf Einladung der Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern über 100 landwirtschaftliche Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Praxis und Verbänden zu einer Fachtagung. Thema war, wie die Nahrungsmittelproduktion in Bayern, aber auch global, nachhaltig gesichert werden kann. 

Nachhaltig Nahrungsmittel produzieren
© kirahoffmann, pixabay.comDie Herausforderungen für die Landwirtschaft sind zahlreich: Ernährung sichern, Ressourcen schonen, Artenvielfalt schützen. „Wenn auch künftige Generationen auf diesem Planeten gut leben sollen, ist es dringend notwendig, die Landwirtschaft so weiterzuentwickeln, dass sie zur Lösung der multiplen Krisen beiträgt", sagt Hubert Heigl, Erster Vorsitzender der LVÖ Bayern. Die Expertinnen und Experten bei der Fachtagung in Glonn waren sich einig, dass man diese Herausforderungen nicht losgelöst voneinander angehen kann. „Wir brauchen eine Landwirtschaft, die ausreichend und qualitativ hochwertige Nahrungsmittel erzeugt und gleichzeitig die Biodiversität, die Böden, das Wasser und das Klima schützt und Bäuerinnen und Bauern einen sicheren Lebensunterhalt bietet. Genau diesen Systemansatz verfolgt der Ökolandbau seit Jahrzehnten erfolgreich und ist deswegen gerade jetzt als Leitbild unerlässlich", so Hubert Heigl weiter. 

Ernährung sichern mit System
Das System Ökolandbau nutzt vielfältige Synergieeffekte. Einer davon ist die Nährstoffversorgung der Kulturpflanzen. In der konventionellen Landwirtschaft wird diese unter anderem mit mineralischem Stickstoffdünger sichergestellt. Dieser muss mit sehr viel Energieaufwand produziert werden. Der Ökolandbau verzichtet auf mineralischen Stickstoff und setzt stattdessen auf den Anbau von Leguminosen und den Einsatz von organischen Düngemitteln wie Mist oder Gülle aus der Tierhaltung. Die Menge ist beschränkt. Das zahlt sich aus für Klima, Grundwasser, Bodenfruchtbarkeit, die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und die Artenvielfalt des Bodenlebens. Auch eine größere Unabhängigkeit vom globalen Düngemittelmarkt und Energiepreisen erreichen die Ökolandwirte so. Darüber hinaus verzichten sie auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel. Vielmehr erbringen die Nutzung widerstandfähiger Sorten, vielfältige Fruchtfolgen und mechanische Verfahren stabile Erträge. Diese agrarökologischen Prinzipien funktionieren nicht nur in Bayern, sondern auch in Brasilien oder auf den Philippinen. Kleinbäuerinnen und Kleinbauern im globalen Süden werden durch sie in die Lage versetzt, unabhängig und selbständig zu wirtschaften und ausreichend Nahrungsmittel zu produzieren. 

Nachhaltig produzieren – nachhaltig ernähren
Von links nach rechts: Franz-Theo Gottwald, Felix Prinz zu Löwenstein, Marlene Alkofer-Gruber, Hubert Heigl im Gespräch auf der Fachtagung System Ökolandbau: Lösung für die Herausforderung von heute und morgen. © Nicolas Martin-BeaumontZur nachhaltigen Produktion unserer Nahrungsmittel passen die gegenwärtig weit verbreiteten Ernährungsgewohnheiten jedoch nicht. Diese sind nicht nur schlecht für das Klima, sondern auch für unsere Gesundheit. Die gute Nachricht ist: eine moderne, gesunde Ernährung mit weniger, aber dafür nachhaltig erzeugtem Fleisch, mehr Getreide, regionalem und saisonalem Obst, Gemüse und Hülsenfrüchten passt auch zum ökologischen Landbau. Zusammen mit weniger Lebensmittelverschwendung und einer gesünderen Ernährung kann die ökologische Landwirtschaft die Welt ernähren. Am besten in regionalen Wertschöpfungsketten für lebendige ländliche Räume.

System Ökolandbau optimal unterstützen
Das System Ökolandbau zeigt auf, wie unsere Landwirtschaft in Zukunft praktiziert werden muss, um unsere Lebensgrundlagen dauerhaft zu sichern. „Die Verfolgung und Weiterentwicklung des ganzheitlichen und systemischen Ansatzes des Ökolandbaus ist notwendig wie nie zuvor. Die Chancen, die der Ökolandbau bietet, müssen wir nutzen. In Bayern haben wir uns deshalb zum Ziel gesetzt bis 2030 mindestens 30 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch zu bewirtschaften. Ein ehrgeiziges, sinnvolles Ziel, dass nur mit gezielter Unterstützung erreicht werden wird. Die bayerische Staatsregierung muss deshalb jetzt ein klares Zeichen für den Ökolandbau setzen: Ab 2023 läuft die neue Förderperiode der EU-Agrarzahlungen. Damit werden neue Kulturlandschaftsprogramme aufgelegt und alte nachjustiert. Wir brauchen dort jetzt die optimale Förderung der ökologischen Landwirtschaft, um die Zukunft der Ernährungsgrundlagen dauerhaft zu sichern", fordert Hubert Heigl.
 
Kontakt: Landesvereinigung für den  ökologischen Landbau in Bayern e.V. (LVÖ), Heidi Kelbetz | heidi.kelbetz@lvoe.de | www.lvoe.de

Umwelt | Wasser & Boden, 29.05.2022

     
Cover des aktuellen Hefts

Jede Menge gute Nachrichten

forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2024 mit dem Schwerpunkt "Der Weg zum Mehrweg – Transport und Logistik"

  • Circular Cities
  • Kllimagerecht bauen
  • Kreislaufwirtschaft für Batterien
  • ToGo-Mehrwegverpackungen
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
25
APR
2024
Lunch & Learn: Begeisterung für die Erde!
Wie gelingt der ökologische Wandel?
online
26
APR
2024
ChefTreff Gipfel 2024
Get Inspired by Brave Leaders
20457 Hamburg
24
SEP
2024
Climate-Neutral Strategies and Resource Management 2024
Sharing Corporate Climate-Neutral Best Practices for a Sustainable Future
60598 Frankfurt
Alle Veranstaltungen...
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Warum nimmt die Radikalisierung beim Thema Abtreibung wieder zu?
Christoph Quarch ist der Ampel dankbar für ihre Gesetzesinitiative
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

„Der Earth Day erinnert uns daran, wie wichtig es ist, sich gemeinsam für den Schutz unserer Umwelt einzusetzen.”

„Das Beste an meinem Beruf ist, Menschen zu helfen und passgenaue, individuelle Lösungen für sie zu finden!“

Die Zukunft nachhaltiger Ernährung in Städten

toom zum sechsten Mal für Nachhaltigkeit ausgezeichnet

Nachhaltig, zusammen, laut:

Nachhaltige Proteinquellen

Es tut sich was ...

FH Münster startet Master Nachhaltige Transformationsgestaltung

  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Engagement Global gGmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • toom Baumarkt GmbH
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Kärnten Standortmarketing
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen