Die Neuberechnung von Wirtschaftlichkeit
Nachhaltigkeit wird zentrales Motiv der Bundesbeschaffung
Die Bundesregierung macht ernst und bringt die eigene Verwaltung auf Kurs in Richtung Klimaneutralität – mit dem ambitionierten Ziel, bis 2030 eine treibhausgasneutrale Bundesverwaltung zu etablieren. In diesem Zusammenhang erfährt auch das öffentliche Beschaffungswesen in Deutschland einen nie dagewesenen Paradigmenwechsel. Die Zeiten von weichen Kann-Bestimmungen in Bezug auf Umweltaspekte beim Erwerb von Produkten oder der Vergabe von Dienstleistungen scheinen endgültig passé. Bevorzugungspflicht löst Prüfpflicht ab. Wirtschaftlichkeit wird neu berechnet, z.B. durch die Einbeziehung von Lebenszykluskosten, CO2-Schattenpreisen, Gütezeichen oder dem Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme). Der Gesetzgeber flankiert diesen Wechsel mit einem Reigen an Gesetzesänderungen, die sich mittelbar auf die Beschaffung auswirken: Kreislaufwirtschaftsgesetz, Klimaschutzgesetz, Taxonomie- Verordnung, Lieferketten(sorgfaltspflichten)gesetz, um nur einige zu nennen.- Klimaneutrale Bundesverwaltung bis 2030
Einführung des europäischen Umweltmanagement- und Auditierungssystems EMAS in allen Bundesbehörden; zentrales ressortübergreifendes Management durch neu eingerichtete "Koordinierungsstelle Klimaneutrale Bundesverwaltung" (KKB)
- Bau, Sanierung und Betrieb von Bundesliegenschaften
Verwendung des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) sowie des Leitfadens Nachhaltiges Bauen der Bundesregierung bei sämtlichen Neubauten und Sanierungen; Berücksichtigung eines "CO2-Preises" sowie der nicht-monetären Nachteile aus erhöhtem Energieverbrauch; Neudefinition von Mindestanforderungen an Baumaterialien; Einführung eines Energiemanagements
- Mobilität
Reisevermeidung als Planungsgrundsatz; Priorisierung von emissionsarmen Beförderungsoptionen wie Bahnfahrten (werden als klimaneutral eingestuft); Reduzierung von Kfz-Flotten und sukzessive Umstellung auf alternative Antriebe – möglichst elektrisch; Umweltzertifizierung von Vertragshotels als Voraussetzung für Rahmenverträge
- Beschaffung
Umbau der Online-Einkaufsplattform "Kaufhaus des Bundes" und sukzessiver Abschluss von ausschließlich nachhaltigen Rahmenverträgen für dort erhältliche Produkte und Dienstleistungen; Zentralisierung der Beschaffung in den Behörden; Aufnahme von Nachhaltigkeitskriterien in Wirtschaftlichkeitsbetrachtung, Leistungsbeschreibung, Dokumentation und Vergabevermerk; Berücksichtigung von Lebenszykluskosten und Kosten durch Treibhausgasemissionen sowie Gütezeichen
- Veranstaltungen
verbindliche Nutzung des "Leitfadens der Bundesregierung für die nachhaltige Durchführung von Veranstaltungen" mit klaren Vorgaben für Präsenz-, Hybrid- und Onlineveranstaltungen z.B. in Bezug auf Mobilität, Energie, Catering, Gastgeschenke, Barrierefreiheit, Gender-Mainstreaming
- Kantinen/Gemeinschaftsverpflegung
Einführung der Qualitätsstandards der DGE sowie die Empfehlungen der EAT-Lancet-Kommission; mehr Bioprodukte; höherer Anteil pflanzlicher Lebensmittel; vorwiegend saisonaler Einkauf; Reduzierung von Fleisch-/Wurstwaren; Fisch aus nachhaltiger Fischerei/Aquakultur; Vermeidung von Lebensmittelabfällen
- Fortbildungen für nachhaltige Entwicklung
Schulung von Mitarbeitenden zum Thema Nachhaltigkeit; Benennung von Ansprechpersonen für nachhaltige Beschaffung in jeder Behörde
- Gesundheit
Einführung eines professionellen Systems für Betriebliches Wiedereingliederungsmanagement (BEM) bis Ende 2022; Fokussierung auf Erhaltung der Gesundheit und der Leistungsfähigkeit der Beschäftigten
- Gleichberechtigte Teilhabe und Vereinbarkeit von Familien-/Pflegeaufgaben und Beruf
gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen bis Ende 2025; verpflichtende Fortbildung zu Themen der "Gleichstellung von Frauen und Männern" für Führungskräfte; Flexibilisierung der Arbeitszeit zur Vereinbarkeit von Familien-/Pflegeaufgaben und Beruf
- Diversität
Berücksichtigung der Charta der Vielfalt
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Nachhaltigkeit im Büro
Mit biobasierten Produkten im Büro lässt sich viel für den Ressourcen- und Klimaschutz tun. Denn Erzeugnisse aus nachwachsenden Rohstoffen sind auch CO2-Speicher, solange sie sich im Nutzungskreislauf befinden. Das betrifft nicht nur Holz, sondern auch Biokunststoffe, die dank vieler Innovationen in den letzten Jahren im Bürobereich immer mehr an Bedeutung gewinnen. Handlungsfelder bei der nachhaltigen Büroausstattung sind z.B.:
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Quelle: BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2022 ist erschienen. Schwerpunkt: Energiewende - Was wäre, wenn? erschienen.
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