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Das Fahrrad als Treiber der öko-sozialen Transformation
Fahrradfahren bedient alle drei Säulen der Nachhaltigkeit und kann damit Treiber für eine kulturelle Veränderung werden, die für unsere Städte und Länder, aber vielleicht auch unsere Gesellschaft längst notwendig ist. In idealer Weise verbindet es ökonomisch positive Effekte mit den Kriterien der Gesundheit und der sozialen Gerechtigkeit. Grund genug, sich auf den Sattel zu schwingen, um auf eine nachhaltige Entdeckungstour zu gehen.
Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrrad (inklusive E- Bikes) lag in 2020 bei stolzen 1.279 Euro – und wird laut ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) von dem hohen E-Bike-Anteil dominiert. Der Export von Fahrrädern und E-Bikes wuchs 2020 gegenüber dem Vorjahr um 7,9 Prozent auf 1,57 Millionen Einheiten. Auch im Tourismus zeigt sich die ökonomische Bedeutung des Fahrrads. In der EU werden etwa 2,3 Milliarden Radreisen pro Jahr gezählt, was einem wirtschaftlichen Gesamtwert von 44 Milliarden Euro und 525.000 Arbeitsplätzen entspricht.
Für die Anschaffung eines (einfachen) Fahrrades braucht es nur einen Bruchteil dessen, was für den Kauf sonstiger Verkehrsmittel, also beispielsweise eines Motorrades oder eines Pkws, aufgewendet werden müsste. Und sofern es zu keinem Diebstahl, Vandalismus oder Defekt kommt, fallen in der Zeit nach der Anschaffung nur mehr geringe Wartungskosten an. Dies führt zu großen Entlastungen des (Haushalts-)Budgets, wodurch Konsum und Investitionen in anderen Lebensbereichen möglich werden. Zum Thema Sozialinklusion ist anzumerken, dass Radfahren die Sichtbarkeit von Klassenunterschieden tendenziell verringert und somit als „Gleichheitsstifter" zu betrachten ist. Radfahrer*innen sind im öffentlichen Raum „tangibel", daher kann ein steigendes Radverkehrsaufkommen die Dichte an sozialer Interaktion und im Endeffekt ein sicheres Zusammenleben begünstigen.
Die Antwort: Wir müssen die Entstehung einer neuen Kultur beschleunigen. Einige großartige Beispiele sind in München, Wien und Bozen zu sehen. In diesen Städten haben die Kom- munen und Regierungen erfolgreiche Initiativen finanziert, um eine fahrradfreundliche Mobilitätskultur zu fördern und zu schaffen. Initiativen, die von Veranstaltungen im öffentlichen Raum, wie der „Radlnacht" und dem „Radlstar"-Wettbewerb in München, über Image-Werbekampagnen bis hin zur Unterstützung von Projekten wie dem Fahrrad-Reparatur-Café reichen, rücken die Vorteile des Fahrrads in den Vordergrund. Die Berichterstattung in den lokalen Medien sowie die Zusammenarbeit von Akteur*innen aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft erhöhen die Wirksamkeit solcher Initiativen. Dem ganzheitlichen System des Radfahrens einen Wert zu geben, ist der Hauptzweck einer Fahrradförderungskampagne. Diese Intention hatte auch die glamouröse Radl&Fashion-Show in München, die elegante Outfits auf Fahrrädern zeigt.Günther Innerebner und Patrick Kofler entwickeln und kommunizieren nachhaltige Mobilitäts- und Tourismuskonzepte. Sie wollen das Fahrrad zum coolsten Ding auf Erden machen und betreuen Rad-Projekte von den Abruzzen bis nach Berlin. In Deutschland haben sie unter anderem das Land Baden-Württemberg sowie die Städte München, Hannover und Berlin begleitet.
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 03/2021 mit Heft im Heft zur IAA Mobility - KRISE... die größte Chance aller Zeiten erschienen.
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