Eine Welt. Ein Klima. Für globale Entwicklung und Klimaschutz gemeinsam handeln! Engagieren Sie sich jetzt: www.allianz-entwicklung-klima.de

Europäischer Green Deal

CO2-Grenzausgleich kann einige Handelspartner hart treffen

Mit dem Europäischen Green Deal will die EU ehrgeizige klimapolitische Ziele erreichen. Ein CO2-Grenzausgleichsmechanismus für Importe soll verhindern, dass Unternehmen ihre Tätigkeiten in Länder mit weniger ambitionierter Klimapolitik verlagern. Welche Länder sind dadurch wirtschaftlichen Risiken ausgesetzt? Was macht sie besonders anfällig? Und wie kann die EU ihnen beim Klimaschutz helfen? Das analysieren Wissenschaftlerinnen des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in einer neuen Studie
 
© Pexels, pixabayDie EU setzt auf den CO2-Grenzausgleich als Mittel, um gerechte Wettbewerbsbedingungen und wirtschaftliche Anreize zur Dekarbonisierung in besonders emissionsintensiven Branchen zu setzen. Er zielt zunächst auf die emissionsintensiven Güter Zement, Stahl und Aluminium ab. Später soll er nach den Plänen von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen möglicherweise auf weitere importierte Waren angewandt werden. Wie stark die Wirtschaft eines Landes durch den CO2-Grenzausgleich gefährdet ist, hängt laut den Autorinnen vor allem von zwei Faktoren ab: Belastung und Vulnerabilität.

„Die Belastung beschreibt, wie wichtig der Handel mit der EU für die jeweilige Volkswirtschaft ist. Unter Vulnerabilität wiederum versteht man die fehlende Fähigkeit zur Anpassung durch neue Exportstrukturen, Dekarbonisierung oder den Nachweis eines geringen CO2-Fußabdrucks von Produkten", erläutert Leitautorin Laima Eicke. Ein besonders hohes Risiko haben laut der Studie vor allem Länder des Globalen Südens sowie Nicht-EU-Staaten in Osteuropa. Drei Länder, die aus unterschiedlichen Gründen besonders stark betroffen wären, analysierten die Wissenschaftlerinnen genauer: Bosnien und Herzegowina, Marokko und Mosambik.
 
Bosnische Wirtschaft ist wenig diversifiziert
Die bosnische Wirtschaft ist geprägt von einer geringen Diversifizierung der Handelspartner und der Exportgüter: 72 Prozent der Exporte gehen in die EU, der das Land perspektivisch beitreten will. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Stahl und Aluminium. Bosnien und Herzegowina würde daher schon die erste Phase des Grenzausgleichs, die auf diese emissionsintensiven Güter abzielt, hart treffen. „Erfahrungen mit der Dekarbonisierung in energieintensiven Industrien zeigen, dass hier hohe Investitionen über einen längeren Zeitraum notwendig sind. In der EU hat die Mobilisierung und Subventionierung von Investitionen in diesen Industrien schon begonnen. Hersteller in Bosnien und Herzegowina werden Schwierigkeiten haben, in hinreichendem Tempo ‚grün‘ zu werden, um in der EU konkurrenzfähig zu bleiben", sagt Ko-Autorin Silvia Weko.

Marokko ist langfristig an fossile Energien gebunden
Marokko ist ein Schwellenland mit einer rasch steigenden Energienachfrage, die zu einem hohen Anteil mit fossilen Energieträgern gedeckt wird. Diese Energieinfrastruktur sowie langfristige Stromlieferverträge führen zu einer starken Pfadabhängigkeit, die einer raschen Dekarbonisierung im Wege steht.  Ein solch emissionsintensives Energiesystem vergrößert den Kohlenstoff-Fußabdruck der dort hergestellten Produkte. Das würde zu einer hohen Abgabe im Rahmen eines Kohlenstoffgrenzausgleichs führen. 

Mosambik fehlen Kapazitäten zur Überprüfung des CO2-Fußabdrucks
Die Komplexität und die Kosten der Berichterstattung über den Kohlenstoffgehalt von Exportprodukten stellen eine besondere Herausforderung für Entwicklungsländer wie Mosambik dar. Angesichts dieser Hindernisse könnte ein CO2-Grenzausgleich die Handelsoptionen einschränken, anstatt einen Anreiz zur Dekarbonisierung zu bieten. Mosambiks Endenergieverbrauch ist 64 Prozent weniger kohlenstoffintensiv als der EU-Durchschnitt. Dieser Wert ist wahrscheinlich für emissionsintensive und handelsorientierte Branchen deutlich höher, es fehlt jedoch an verlässlichen Daten. Die Anpassungsfähigkeit Mosambiks hängt hauptsächlich von der Fähigkeit ab, ein transparentes Informationssystem aufzubauen, um die vergleichsweise geringe Emissionsintensität seiner Produkte zu überwachen, zu melden und zu überprüfen.

EU sollte Handelspartner bei Dekarbonisierung unterstützen
Die Studie macht deutlich, dass die EU die internationalen Auswirkungen berücksichtigen muss, um neue globale Trennlinien zu vermeiden. „Wenn der CO2-Grenzausgleichsmechanismus zum Klimaschutz beitragen soll, sollte die EU jene Länder finanziell und technisch unterstützen, für die diese Abgabe ein hohes Risiko darstellt. Allein können sie die umfangreichen Investitionen nicht leisten, die für die Dekarbonisierung erforderlich sind", sagt Laima Eicke. Eine mögliche Maßnahme sei die Vermittlung von Kenntnissen über bewährte Verfahren zur Emissionsreduzierung in den emissionsintensiven und handelsorientierten Industrien. Zudem könnten die Europäer Schulungen in der Emissionsüberwachung, Berichterstattung und Überprüfung anbieten.

Weitere Informationen 
Eicke, L., Weko, S., Apergi, M., & Marian, A. (2021). Pulling up the carbon ladder? Decar-bonization, dependence, and third-country risks from the European carbon border ad-justment mechanism. Energy Research and Social Science, 80: 102240.
 
Kontakt: Dr. Bianca Schröder, Institute for Advanced Sustainability Studies e.V. (IASS) | bianca.schroeder@iass-potsdam.de | www.iass-potsdam.de

Gesellschaft | Globalisierung, 23.09.2021
     
Cover des aktuellen Hefts

Zeit, die Stimme zu erheben und endlich zu handeln?

forum Nachhaltig Wirtschaften 04/2022 mit dem Schwerpunkt: Globale Ziele und Klimaschutz

  • Ukrainekrieg und Hunger auf der Welt
  • Doppelte Dividende durch Nachhaltigkeit
  • Green Chefs
  • Die Brücke zur Natur
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
08
DEZ
2022
Die Klimashow mit neun Promis
Promis fragen - SPIEGEL-Bestsellerautoren antworten
online
12
DEZ
2022
Nachhaltigkeitskongress
Der Zukunftskongress für Wirtschaft mit Weitsicht
40217 Düsseldorf
21
JAN
2023
Wir haben es satt!
Gutes Essen für alle – statt Profite für wenige!
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Text

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Green Building

Nachhaltig Wohnen zu bezahlbaren Kosten:
Im Bad Kreuznacher Solar-Quartier entsteht ein Zukunftsmodell
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

„Meilensteine“ bringen Weilerbach voran

Österreichischer Umweltjournalismus-Preis 2022: Die Preisträger stehen fest

Wir gratulieren:

Macht die Reform des Einwanderungsrechts die deutsche Staatsangehörigkeit zum Ramschartikel?

ICG vergibt den "Real Estate Social Impact Investing Award 2022"

Porsche tritt UN Global Compact bei

And the winner will be...

CarSharing für Unternehmen: Einfach mobil und die Kosten im Blick

  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG
  • Frankfurt University of Applied Sciences
  • Nespresso Deutschland GmbH
  • TourCert gGmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • Verka VK Kirchliche Vorsorge VVaG
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Global Nature Fund (GNF)
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH