Garten-PV - Der Mini-Solarpark fürs Eigenheim
Umwelt | Klima, 19.07.2021

Das Versagen beim Hochwasserschutz begann im Jahr 2002

Bundesländer verweigerten Orientierung an "Zweihundertjährigem Hochwasser"

Als stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender war Michael Müller nach dem Elbe-Hochwasser 2002 Vorsitzender der Arbeitsgruppe im Vermittlungsausschuss zwischen Bundesregierung und Bundesrat, um zu einem besseren Hochwasserschutz zu kommen. Damals lehnten sowohl CDU/CSU und FDP als auch einige Bundesländer einen weitreichenden Hochwasserschutz ab, wobei sowohl Kosten als auch die Verharmlosung der Klimagefahren eine Rolle spielten, erinnert sich Michael Müller. Der heutige Bundesvorsitzende der NaturFreunde Deutschlands empfiehlt neben der uneingeschränkten Hilfe für die von der Flutkatastrophe betroffenen Menschen auch die Aufarbeitung der Ursachen und macht dazu zwei Feststellungen: 
 
Das Versagen beim Hochwasserschutz begann bereits im Jahr 2002. © lifeof4sErstens reagierte die rot-grüne Bundesregierung 2002 auf das Elbe-Hochwasser mit einem Fünf-Punkte-Konzept. Das Gesetz gegen einen besseren Hochwasserschutz traf im Bundestag jedoch auf den Widerstand der damaligen Opposition aus CDU/CSU und FDP: Frau Merkel und Herr Westerwelle lehnten das Gesetz als zu weitgehend ab. Aber auch im Bundesrat wollte eine Mehrheit der Länder das Hochwasserschutzgesetz "entschärfen". Es kam in den Vermittlungsausschuss und ich wurde als Vorsitzender der Arbeitsgruppe damit beauftragt, möglichst einen gemeinsamen Vorschlag zu finden. Das ist nicht gelungen.
 
Die herausgehobene Grundlage des Gesetzes war eine Studie des Bundesamtes für Gewässerschutz, in der die möglichen Auswirkungen der Erderwärmung auf die Flussregime beschrieben wurden. Der Vorschlag war, den Hochwasserschutz mindestens auf ein "Zweihundertjähriges Hochwasser" festzulegen. Das lehnten gerade die Bundesländer in den Mittelgebirgen ab, die die erheblichen Investitionen in Bebauung und Vorsorge scheuten. Sie setzten vor allem auf Zeit und versuchten die Klimagefahren zu verharmlosen. Nach mehreren Beratungen bis tief in die Nacht musste ein Scheitern festgestellt werden.
 
Wenn heute behauptet wird, die aktuellen Hochwasser seien nicht vorherzusehen gewesen, zeugt das entweder von Ignoranz oder von einer bewussten Verdrängung der Fakten. Die Wahrheit ist, dass die wissenschaftlichen Fakten nicht zur Kenntnis genommen wurden. Natürlich konnte niemand vorhersagen, wann genau ein solches Ereignis eintritt, sehr wohl aber, dass ein derartiges Hochwasser möglich wird. Und natürlich hätte auch nicht alles verhindert werden können, aber doch einiges. Das war eindeutig ein politisches Versagen aus kurzfristiger Interessenpolitik.
 
Zweitens werden heute nach wie vor wissenschaftliche Warnungen verdrängt, wenn immer noch bezweifelt wird, dass es bei dem Hochwasser einen Zusammenhang mit der Erderwärmung gebe. Natürlich ist das Wetter nicht gleichzusetzen mit dem Klima, aber die Zunahme der Wetterextreme ist ein Alarmsignal für die Klimakrise.
 
Klimakrise bedeutet nicht, dass es nur wärmer wird. Vielmehr ist die Instabilität des Klimasystems entscheidend. Heute liegt die CO2-Belastung in der Troposphäre bei 420 ppm. Die Erwärmung beträgt bereits 1,2 Grad Celsius. Wird die zeitliche Anpassung des Klimasystems von rund vier Jahrzehnten einbezogen, so ist eine Erwärmung um 1,5 Grad Celsius nicht mehr zu verhindern. Das bedeutet auch, dass das Klimasystem immer schneller auf Kipppunkte zusteuert.
 
Wesentliche Funktionen geraten ins Rutschen. Die Korallenriffe sterben ab, die Regenwälder trocknen aus, die Permafrostgebiete tauen auf und die thermohaline Strömung im Atlantik schwächt sich ab. Dass es verstärkt zu Starkregen vor allem in den Mittelgebirgen kommt, hat viel mit der Veränderung der Wettermaschine im Atlantik und der Verschiebung der Hoch- und Tiefdruckgebiete zu tun. Gerade vor dem Hintergrund, dass diese Veränderungen in den nächsten Jahrzehnten noch zunehmen werden, müssen die Warnsignale endlich ernst genommen werden.
 
Die Klimadebatte begann Anfang der 1980er-Jahre und wurde in Deutschland 1987 zu einem politischen und öffentlichen Thema. Doch bis heute werden die Zusammenhänge zu wenig verstanden. Bis heute wird in erster Linie reagiert, statt die Verhältnisse zu gestalten. Dadurch vergrößert sich auch die Gefahr, dass durch die Klimakrise die soziale Spaltung größer wird. Das nächste Drama ist vorprogrammiert.
 
Kontakt: NaturFreunde Deutschlands | mueller@naturfreunde.dewww.presse.naturfreunde.de


     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
10
JUN
2026
Climate Transformation Summit (#CTS2026)
Making Scope 3 Action Our Business - Ticketrabatt für forum-Leser*innen!
12053 Berlin
16
JUN
2026
BootCamp Impact Business Design
Zertifizierter Impact Business Design Master
Hamburg
20
JUN
2026
Woche des Wasserstoffs 2026 (#WDW2026)
Wasserstoff verbindet
deutschlandweit
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Digitalisierung

Neues "Mental Operating System" für Social Media und Ki-Systeme
Christoph Quarch plädiert für die Programmierung einer europäischen, humanistischen KI zur Erreichung digitaler Souveränität
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

“Mehr ist nicht weniger“

Welttag der Ozeane 2026 (UN World Oceans Day) am 8. Juni

Pflichtkammern in der Verantwortung

Confiance en Europe – Zuversicht in Europa. Risiken meistern, Chancen nutzen

RESOURCICA 2026, 24. - 26. September in Dresden

WM-Zeit muss keine Junkfood-Zeit sein: Anpfiff für gesunde Snacks

Magnifica Humanitas - Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz

Europa redet über Recycling – aber weiß es, was danach wirklich passiert?

  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • WWF Deutschland
  • 66 seconds for the future
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • ZamWirken e.V.
  • TÜV SÜD Akademie
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • SUSTAYNR GmbH
  • NOW Partners Foundation
  • circulee GmbH
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften