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Die kleinteilige Bewirtschaftung und insbesondere kleine und mittlere Betriebe sind für den Biodiversitätsschutz von zentraler Bedeutung.

Anreizsysteme für eine vielfältige und kleinteilige Agrarlandschaft stellen eine sehr effektive Möglichkeit zur Förderung der Artenvielfalt in Agrarlandschaften dar.

Zur Studie für eine kleinteiligere Landwirtschaft erklären Friedrich Ostendorff, Sprecher für Agrarpolitik, und Harald Ebner, Sprecher für Waldpolitik, Gentechnik- und Bioökonomiepolitik:

Friedrich Ostendorff:
Das Artensterben in Deutschlands Landwirtschaft könnte sich einer Studie zufolge mit einer anderen Art der Felderbewirtschaftung stoppen lassen. © TanteTati"Die kleinteilige Bewirtschaftung und insbesondere kleine und mittlere Betriebe sind für den Biodiversitätsschutz von zentraler Bedeutung. Damit wird das ewige neoliberale Mantra widerlegt, groß sei nicht gleich schlecht und klein nicht gleich gut. Wir müssen endlich lernen, die planetaren Grenzen unseres Planeten zu respektieren und zu schützen. Das sollten auch die Teile der Wissenschaft anerkennen, die sich weiterhin gegen gutes Wissen stellen und die agrarstrukturelle Komponente der Biodiversität immer wieder unter den Tisch fallen lassen.

Eine regionale, vielfältige und kleinteilige landwirtschaftliche Erzeugung ist von größter Bedeutung. Dies erreichen wir nur, wenn wir auch unsere bäuerlichen Betriebe erhalten und ihnen eine Zukunftsperspektive bieten. Wir brauchen eine Neuausrichtung der Europäischen Agrarpolitik (GAP) durch eine Gemeinwohlprämie mit einer Honorierung einer kleinteiligen Bewirtschaftung und bäuerlichen Erzeugung.

Bundesagrarministerin Julia Klöckner muss daraus endlich die Konsequenzen ziehen und Agrargelder gerechter verteilen und gezielt kleinere und mittlere Betriebe unterstützen - statt an Agrarholdings und Kapitalinvestoren. Wir brauchen deshalb auch eine Kappung und Degression der Agrarzahlungen und eine Gemeinsamveranlagung verbundener Unternehmen."

Harald Ebner:
"Immer größere landwirtschaftliche Betriebe gehen mit ausgeräumten Landschaften und Riesenäckern einher. Diese bieten nur noch wenigen Arten Lebensraum und Nahrung. Wer das Insektensterben und Vogelsterben vor allem in Agrarlandschaften stoppen will, muss daher auch das Höfesterben und die damit einhergehende Strukturverarmung angehen. Über den Ausbau des Ökolandbaus hinaus braucht es Maßnahmen, um den Verlust an Biodiversität aufzuhalten.

Schutz und Neuentstehung ökologisch wertvoller Landschaftselemente wie Hecken, Feldrainen und Bauminseln erfordern eine umfassende Neuausrichtung der Agrarförderung auf gezielte Unterstützung kleinteiliger Bewirtschaftungsformen und Gemeinwohlleistungen. Damit können gerade kleine Betriebe Wettbewerbs- und Kostennachteile teilweise ausgleichen und bekommen eine echte Zukunftsperspektive jenseits von "Wachsen oder Weichen."

Hintergrund:
Die Studie wertet eine Vielzahl von Studien und Metastudien zur Bedeutung einer vielfältigen und kleinteiligen Agrarstruktur für die Biodiversität aus und umreißt die Möglichkeiten der Förderung im Rahmen der Gemeinsamen Europäischen Agrarpolitik (GAP). Demnach ist die landwirtschaftliche Intensivierung nach wie vor eine der wichtigsten Ursachen für die Abnahme der Biodiversität. Diese Intensivierung ist verbunden mit einer dramatischen Verringerung der Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe, einer stetigen Vergrößerung der Felder und Betriebe sowie einer zunehmende Spezialisierung auf wenige Kulturarten und einer Homogenisierung ehemals vielfältiger Kulturlandschaften.

Kleinteilige Agrarlandschaften mit ihrer geringen Schlaggröße und kleinen landwirtschaftlichen Betrieben beherbergen einen deutlich erhöhten Artenreichtum. Die deutliche Reduzierung der Feldgröße und der Anbau einer großen Kulturarten-Vielfalt sowie andere Maßnahmen zur Förderung einer vielfältigen und kleinteiligen Agrarstruktur können den Artenreichtum vervielfachen, ohne dass es dabei zu einer Verringerung der landwirtschaftlich genutzten Fläche oder zu Ertragseinbußen kommen muss. Die Bewirtschaftung kleiner Felder kostet jedoch mehr Arbeitszeit und bedarf auch einer Umstellung in der Bewirtschaftungstechnik. Die Anbau-Diversifizierung benötigt eine Entwicklung neuer Anbautechniken und auch neuer Vermarktungswege. Sie führt jedoch zu wirtschaftlicher Risikominderung und erhöhten biologischen Leistungen durch Bestäubung und Schädlingskontrolle.

Die Kopplung der Agrarförderung an die Flächengröße benachteiligt kleinteilige Bauernhöfe mit ihrem großen Wert für die Biodiversität. Anreizsysteme für eine vielfältige und kleinteilige Agrarlandschaft stellen eine bisher völlig unterschätzte, sehr effektive Möglichkeit zur Förderung der Artenvielfalt in Agrarlandschaften dar. Die Förderung einer biodiversitätsfreundliche, kleinstrukturierte Agrarlandschaft ist auch eine Maßnahme gegen den Strukturwandel. Anreize für eine vielfältige und kleinteilige Agrarstruktur wären im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EU zu verankern, am besten auch in der ersten Säule. Anreizsystemen und Unterstützungszahlungen im Rahmen der GAP sollten die besondere Situation kleiner Betriebe mit kleinen Feldern berücksichtigen, und Betriebe mit kleinen Feldern sollten deshalb eine deutlich höhere finanzielle Unterstützung pro ha erhalten als Betriebe mit großen Feldern. Bei Unterstützungszahlungen durch eine Gemeinwohlprämie ist zu berücksichtigen, dass der Wert kleiner Felder progressiv (nicht-linear) zunimmt.

Kontakt: Bündnis 90/ Die Grünen Bundesvorstand | presse@gruene.de | www.gruene.de


     
        
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