Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

futurewoman im Portrait

Sie bildet die Designer der Zukunft aus

Karin-Simone Fuhs, Gründerin und Direktorin der ecosign/Akade­mie für Gestaltung im Interview mit Janine Steeger – Moderatorin, Buchautorin, Speakerin und Co-Founder von Futurewoman UG.
 
© Ian Ehm, ecosign/Akademie für GestaltungVor mehr als 25 Jahren beschließt Karin-Simone Fuhs, die erste Hochschule für nachhaltiges Design zu gründen. Und rennt erst mal gegen Wände. Die Banken wollen ihr kein Geld geben, weil sie die Idee nicht verstehen, weil sie eine Frau ist, jung noch dazu. Sie raten ihr, doch einfach erst mal Kinder zu bekommen.
 
„Wenn wir alle so handeln, dass wir mit uns selbst im Reinen sind, werden wir einen Einfluss darauf nehmen können, dass das Richtige und nicht das Falsche in der Zukunft passiert. Die Summe unserer heutigen Handlungen formt die Welt von morgen. Jeder einzelne Mensch steht gleichermaßen in der Pflicht."
 
All diese Unverschämtheiten halten Prof. Karin-Simone Fuhs aber nicht ab, sondern stacheln sie erst richtig an. Heute ist die ecosign in Köln eine der wichtigsten Design-Hochschulen. In Kooperation mit der Hochschule Fresenius bietet sie den einzigen Bachelor und Master in Nachhaltigem Design in Deutschland an. Die Absolventen arbeiten in namhaften Unternehmen oder sind mit eigenen Agenturen gut im Geschäft. Viele von ihnen sind preisgekrönt. Und sie gestalten eine innovative Zukunft. Weil sie an der ecosign gelernt haben, die richtigen Fragen zu stellen. Eine davon: Wie werden und wie müssen wir in Zukunft leben, um den Planeten zu retten?
 
Wie Phönix aus der Asche
Solche Ideen spiegeln genau den Pioniergeist wider, den Prof. Karin-Simone Fuhs sich erträumt hat. Schon als Kind entwickelt sich in ihrem Kopf eine große Vision. Die ersten 11 Jahre ihres Lebens verbringt sie in Kairo. Dann kommt sie mit ihren deutschen Eltern zurück in die Heimat. Das Mädchen kann sich damit nur schwer anfreunden, fällt in ein Stimmungstief. Der Grundstein für die ecosign.
 
„Aus meinem Leiden wurde später Kreativität. Vielleicht wollte ich mit meiner eigenen Schule die Gemeinschaft schaffen, die ich in Deutschland so vermisste. Mir passte es nicht, wie wir hier leben. Mir passte es nicht, wie wir Kinder erziehen in Schulen, wie wir junge Menschen ausbilden."
 
Sie selbst studiert Kommunikationsdesign, aber an allen Hochschulen fehlen ihr die soziale und die ökologische Komponente. In ihrer eigenen Schule soll beides fester Bestandteil sein. Schnell hat sie ein Konzept und den notwendigen Businessplan erarbeitet. Sie benötigt 200.000 DM. Ganze zwei Jahre geht sie Klinken putzen, kassiert viele Absagen, bis eine Frau ihr endlich Vertrauen schenkt.
 
„Ich bekam im Dezember 1993 einen Termin bei einer Bank und dort sagte meine Beraterin zu mir: „Ja, Frau Fuhs, ich finde das interessant, und ich glaube an Ihre Idee."
 
Das Abenteuer ecosign beginnt. Simone Fuhs arbeitet nahezu rund um die Uhr. Sie lehrt selbst Ökologie und Design, arbeitet aber gleichzeitig als Sekretärin, Reinigungskraft, Hausmeisterin und nicht zuletzt als Direktorin.
 
Das Internet als Bedrohung und Chance
Die Zeit ist aufreibend, aber es läuft gut und stetig besser. Bis 2005 ein Tiefschlag kommt. Plötzlich geht die Bewerberzahl zurück. Im Wintersemester gibt es nur 8 neue Studierende. Junge Menschen informieren sich plötzlich im Internet über Studienangebote. Aber da gibt es die ecosign nicht. Simone Fuhs weiß, dass sie die Schule schließen muss, wenn sie jetzt keine Idee hat.
 
„Abends saß ich dann mit meinem Mann zusammen und sagte ihm: Ich mache jetzt eine Website und wir gewinnen damit den Red Dot (ein berühmter Design Award), sie soll die beste Seite der Welt sein! Ich kannte mich überhaupt nicht aus, deshalb habe ich mich dann drei Wochen lang mit diesem neuen Medium Internet auseinandergesetzt und ein Konzept erstellt. Eine ehemalige Studentin setzte es um. Und tatsächlich gewannen wir damit den Red Dot. Seitdem hatten wir so viele Bewerbungen wie nie zuvor."
Die ecosign als Vorbild
 
Nie aufgeben, immer nach neuen Wegen und sinnvollen Möglichkeiten suchen. Das ist es, was Prof. Karin Simone Fuhs in Perfektion beherrscht und so wünscht sie sich, dass der Geist ihrer Hochschule Vorbildcharakter hat.
 
„Ich möchte, dass immer mehr Menschen sehen, dass es doch Alternativen gibt. Ecosign soll eine Modellschule für Ausbildung werden. Ich möchte Unternehmen zeigen, dass es sich lohnt, nachhaltig zu handeln. "
 
Mit freundlicher Genehmigung von futurewoman.de. futurewoman macht Frauen in der Nachhaltigkeit sichtbar.

Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 01.03.2021
Dieser Artikel ist in forum 01/2021 - SOS – Rettet unsere Böden! erschienen.
     
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