Frisches Obst und Gemüse auch im Winter

Der Anbau in spanischen Solargewächshäusern hat sich bewährt

Rund 14.000 landwirtschaftliche Familienbetriebe in Südspanien versorgen 500 Millionen Konsumenten in Europa auch im Winter mit frischem Obst und Gemüse wie Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen, Zucchini, Melonen oder Wassermelonen. Produziert wird auf einer Fläche von insgesamt rund 350 Quadratkilometern in sogenannten Solargewächshäusern. Und das aus gutem Grund!

Versandfertig in der Genossenschaft CASI: Nachschub für Nordeuropa © Belen Garre LópezMiguel Vargas führt einen kleinen landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Almería an der südspanischen Küste. Zusammen mit 1.450 weiteren Mitgliedern der Genossenschaft CASI – und als deren Präsident – baut der Mitte 50-Jährige verschiedene Schmackhafte Tomatensorten und Zucchini an. Die diesjährige Erntesaison hat im Oktober begonnen und hält seither den Landwirt, seine Familie und 20 Erntehelfer auf Trab. Der Betrieb Vargas – und mit ihm rund 14.000 weitere Familienbetriebe in Südspanien – wirken auf den ersten Blick wie von einer anderen Welt. Die Früchte wachsen auf fast 35.000 Hektar in Foliengewächshäusern; das entspricht einer Fläche von 350 Quadratkilometern. Im ganzen Land wird übrigens auf etwa 70.000 Hektar in Gewächshäusern produziert; damit ist Spanien nach China (rund 82.000 Hektar) der weltweit zweitwichtigste Produzent von Obst und Gemüse unter Glas bzw. Plastik.

Für Miguel Vargas hat der Blick auf die dicht gedrängten Solargewächshäuser einen ganz eigenen Charme © Belen Garre LópezFür Landwirt Miguel Vargas hat der Blick auf die Region, in der sich die mit Plastik überzogenen Solargewächshäuser dicht an dicht drängen, einen ganz eigenen Wert. „Wenn man auf diese Landschaft schaut, dann sollte man einige Fakten kennen. Wir erzeugen in solchen Gewächshäusern in der Region rund 4,5 Millionen Tonnen Obst und Gemüse pro Jahr. In den Wintermonaten versorgen wir so rund 500 Millionen Menschen in Europa mit schmackhaften Vitaminen. Wenn wir diese Menge ohne diese Gewächshäuser produzieren wollten, würden wir fast die 30-fache Fläche benötigen. Und nicht nur das: Wasser ist hier bei uns in Südspanien ein äußerst knappes Gut. Ohne die Gewächshäuser, die höchst effiziente Tröpfchenbewässerung und die Regenwasserrückgewinnung müssten wir viel mehr Wasser für die Bewässerung aufwenden; unter Folie können wir dagegen einen weitgehend geschlossenen Wasserkreislauf erreichen."

Innovative Technologien
Tröpfchenbewässerung sorgt dafür, dass das Wasser direkt an die Pflanzenwurzeln gelangt © Belen Garre LópezSeine Solargewächshäuser stecken voller Hightech und cleverer Details, die Vargas seinen Besuchern gerne zeigt. Das beginnt damit, dass die Sonne fast die komplette Energieversorgung sicherstellt. „Daher stammt auch der Name ,Solargewächshaus‘", berichtet er. Um das kostbare Wasser unter den trocken-heißen Bedingungen Südspaniens so effizient und sparsam wie möglich nutzen zu können, wird das Regenwasser in Auffangbecken gesammelt. Von dort wird es den wachsenden Pflanzen über Tröpfchenbewässerung ganz gezielt und bedarfsgerecht zugeführt. Sensoren im Inneren der Gewächshäuser schlagen Alarm, wenn Wasser fehlt oder die komplett natürliche Lüftung anders eingestellt werden sollte, um optimale Bedingungen bei Temperatur und Luftfeuchte zu schaffen.

„Der Wasser-Fußabdruck unserer Gartenbauprodukte ist dank der Gewächshäuser und der hier genutzten Technik 19-mal kleiner als in der restlichen spanischen Landwirtschaft. Wir können ohne Übertreibung sagen, dass Almeria und die Küste Granadas zu den technologisch am besten und effizientesten bewässerten Gebieten Spaniens gehören", erläutert der Landwirt.

Großteils in Eigenleistung
In Zeiten, in denen der EU-Agrarhaushalt und die damit verbundenen Subventionen an die Landwirtschaft zunehmend in der gesellschaftlichen Kritik stehen, ist dem Chef der Genossenschaft noch eines sehr wichtig: Dass nämlich Almeria und Granada heute eine solche Rolle bei der Versorgung Europas hätten, sei weitestgehend dem Engagement und den Investitionen der beteiligten Familienbetriebe zu verdanken. „Finanzielle Hilfen aus dem EU-Agrarhaushalt machen bei uns nur 1,9 Prozent der betrieblichen Einkünfte aus. Das ist beispielsweise im spanischen Oliven- (33 %) und Getreideanbau (53 %) ganz anders", so Vargas. 

Zufrieden geht der Blick des Landwirts von den vollen Erntekisten auf dem Hof seines Betriebs zu den umstehenden Solargewächshäusern und zurück. „Natürlich ist unsere „Plastiklandschaft" gewöhnungsbedürftig. Allerdings nutzen wir nur 3,4 Prozent des Territoriums von Almeria auf diese Weise. Und weil wir dies so effizient tun, können wir 40 Prozent der Provinz als vollständig geschützten Naturraum so belassen, wie er ist. So nachhaltig und umweltschonend einen maßgeblichen Beitrag zu der gesunden Ernährung in Europa leisten zu können, macht uns schon stolz" sagt der Landwirt – und nickt seiner Tochter Claudia zu, die gerade die nächste volle Erntekiste versandfertig macht.


Steckbrief: 
  • Die nächste Generation ist schon an Bord – Miguel und seine Töchter Claudia (links) und Martina (rechts) © Belen Garre LópezMiguel Vargas, Mitte 50, verheiratet, zwei Töchter, eine Enkeltochter
  • Miguel ist auf dem Betrieb seiner Eltern aufgewachsen und fest in der Landwirtschaft verwurzelt.
  • Die Familie besitzt und bewirtschaftet rund zehn Hektar.
  • Für Miguel bieten Solargewächshäuser die perfekte Möglichkeit, in dieser trockenen Region Früchte und Gemüse ebenso effizient wie nachhaltig anzubauen.
  • So wie Miguel seinen Eltern gefolgt ist, folgen seine Töchter ihm – beide arbeiten auf dem Betrieb und in der Genossenschaft CASI mit.
  • Die und 1,450 Mitglieder von CASI bewirtschaften insgesamt etwa 2.000 Hektar mit Solargewächshäusern – und produzieren jährlich mehr als 230 Millionen Kilogramm Obst und Gemüse. 
„Wenn es uns nicht gäbe, könnten Millionen europäischer Bürgerinnen und Bürger den größten Teil des Herbstes, Winters und Frühlings kein frisches und gesundes Gemüse essen", sagt Miguel Vargas nicht ohne Stolz.


Obst und Gemüse aus Südspanien im Überblick:
  • Frisches Gemüse vom Betrieb Vargas, einem von etwa 14.000 Familienbetrieben in der Region © Belen Garre LópezHauptlieferzeit: Oktober bis Mai
  • Angebaute Kulturen: Hauptsächlich Tomaten, Paprika, Gurken, Auberginen, Zucchini, Melonen und Wassermelonen
  • Jahresproduktion: 4,5 Millionen Tonnen
  • Hauptabnehmer: Die wichtigsten Abnehmerländer sind Deutschland (28 %), Frankreich (16 %), Großbritannien (15 %) und die Niederlande (10 %).
  • Qualitätssicherung: Die Landwirte nutzen zum Teil unterschiedliche Zertifizierungssysteme. Durchschnittlich zwei Standards pro Betrieb kommen zur Anwendung. Dabei ist GlobalGap der gebräuchlichste Standard, der u. a. auch von Aldi, Edeka, Lidl und Spar nachgefragt wird.
  • Bioprodukte: In Almeria und Granada liegt der Anteil der ökologischen Gemüseproduktion inzwischen bei knapp 15 Prozent.
Über CuTE SOLAR:
CuTE Solar (Cultivating the Taste of Europe in Solar Greenhouses) ist eine von der Europäischen Union (EU) mitfinanzierte Informations- und Förderkampagne, die vom Dachverband andalusischer Obst- und Gemüseanbauverbände APROA-Spanien, dem branchenübergreifenden spanischen Obst- und Gemüseverband HORTIESPAÑA und dem europäischen Obst- und Gemüseproduktions- und Handelsverband EUCOFEL getragen wird. Ziel der Informations- und Förderkampagne ist es, Verbraucher über die nachhaltigen und umweltfreundlichen Produktionsmethoden in den Solargewächshäusern zu informieren. Insbesondere geht es dabei um die Produktqualität und die Anbaumethoden für Obst und Gemüse aus der EU, basierend auf dem Respekt vor Mensch und Umwelt. Die Kampagne läuft bis 2022 in den Zielländern Belgien, Deutschland und Spanien.
 
Kontakt: CuTE SOLAR, Álvaro de Mingo | ademingo@admmr.com | cutesolar.eu
Text: Andreas Frangenberg | andreas.frangenberg@factum-est.de 

Lifestyle | LOHAS & Ethischer Konsum, 27.01.2021
     
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