Du bist hier der Chef!
Verbraucher entscheiden gemeinsam, was ihnen wichtig ist
Nicolas Barthelmé gründete 2019 im hessischen Eltville die Verbraucherinitiative „Du bist hier der Chef! Die Verbrauchermarke" e.V. Erstmals darf der/die Verbraucher*in dabei selbst entscheiden, was ihm/ihr bei einem Produkt wichtig ist und zu welchem Preis er/sie bereit ist, es zu kaufen. Das Ergebnis soll eine gerechte Vergütung für die Landwirte und mehr Transparenz für die Verbraucher*innen sein. In Frankreich hat sich das Konzept bereits bewährt. Dort ist die Verbrauchermarke „C‘est qui le patron?!" mit mehr als 30 Produkten seit 2016 in den Regalen des Lebensmittelhandels zu finden.
2016 startete die Milch unter der neu gegründeten Marke „C’est qui le patron?!" (Wer ist hier der Chef?) in den ersten Geschäften. Der Erfolg überraschte alle. Die abpackende Molkerei musste sogar am Wochenende arbeiten und neue Mitarbeiter einstellen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Die liefernden Bauernhöfe ließen die Milchkrise hinter sich. Endlich konnten die Bauern von ihrer Arbeit wieder leben und sogar in die Zukunft des Hofes investieren. Mittlerweile liefern über 350 Milchbetriebe in das Projekt. Jetzt hat auch der/die deutsche Verbraucher*in in seiner/ihrer Chefrolle über ein „custom designed"-Produkt entschieden: Per Online-Fragebogen haben in nur drei Monaten mehr als 9.300 Verbraucher*innen mit ihrer Stimme unter anderem über Qualität, Regionalität, Tierwohl, Vergütung für die Landwirte und Verpackungsart entschieden und damit die unverbindliche Preisempfehlung mitbestimmt. Ihre Wünsche wurden nun in die Tat umgesetzt – die erste Verbraucher-Milch steht seit 20. Juli 2020 in 400 Rewe-Märkten in Hessen – vor allem im Rhein-Main-Gebiet – im Regal.
Auf der Internetplattform www.dubisthierderchef.de wählen die Verbraucher*innen ein Produkt aus, beantworten den entsprechenden Fragebogen, entscheiden über relevante Produktmerkmale wie Herkunft, Produktionsprozess, Vergütung für die Landwirte, Qualität und Verpackung und bestimmen den Verkaufspreis mit. Jedes der gewählten Merkmale erhöht den Preis. „Alle Antworten werden dann ausgewertet und in einem Pflichtenheft zusammengefasst", erklärt der Betriebswirt Barthelmé weiter. „Die Verbraucher*innen schaffen sich ihr Lieblingsprodukt gewissermaßen selbst, und damit es dann auch den Weg in die Supermarktregale findet, suchen wir parallel Landwirte, Hersteller und Händler als Partner." Milch war – wie in Frankreich – das erste Produkt, das auf diese Weise im Markt eingeführt wurde. In Kürze sollen Eier, Kartoffeln und Butter folgen. Über die Wichtigkeit in der Reihenfolge haben ebenfalls die Verbraucher*innen bereits abgestimmt. In Kürze werden die Online-Formulare für die Abstimmung der nächsten Produkt-Designs veröffentlicht. Auf diese Weise sollen alle wichtigen Lebensmittel nach und nach in die neue Marke integriert werden.Dieser Artikel ist in forum 03/2020 - Digitalisierung und Marketing 4 Future erschienen.
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