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Reine Luft – wichtiger als je zuvor?

Verbesserung der Luftqualität durch digitale Technologien

COVID-19 belastet die Menschen – Luftverschmutzung die Lungen. Wie Forscher der Harvard-Universität kürzlich herausfanden, besteht ein direkter Zusammenhang zwischen schlechter Luft und schweren Krankheitsverläufen von COVID-19. Eine Verbesserung der Luftqualität kann eine Stellschraube in der Pandemie-Bekämpfung sein.

Reine Luft ist wichtiger als je zuvor. ©free-photos, pixabay.comDurch die COVID-19-Pandemie rückt die Luftqualität verstärkt in den Fokus des öffentlichen Interesses. Studien, beispielsweise des Geowissenschaftlers Yaron Ogen von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg oder von Forschern der Harvard-Universität, legen nahe, dass ein Zusammenhang zwischen einer hohen Luftverschmutzung und schweren Krankheitsverläufen von COVID-19 besteht. Eine Stellschraube, um langfristig die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe zu minimieren, kann somit die Verbesserung der Luftqualität sein. Auch unabhängig von der Pandemie hat die Luftqualität massive Auswirkungen auf die Gesundheit der Bevölkerung: So wurden im Jahr 2017 rund fünf Millionen Todesfälle weltweit auf Luftverschmutzung zurückgeführt.

Klare Sicht: Weniger Smog durch den Lockdown?
Wenn Luftverschmutzung ein internationales und langfristiges Problem ist, verbuchen gezielte Maßnahmen bereits kurz- und mittelfristige Erfolge. können durch gezielte Maßnahmen bereits kurz- und mittelfristig Erfolge verbucht werden. Doch wie ist die aktuelle Lage in Städten der Bundesrepublik? Während des Lockdowns gingen vielfach Bilder von klarer Sicht an Orten um die Welt, die normalerweise mit Smog kämpfen. Solche Fotos zeigen eindrucksvoll, wie schnell sich die Luftqualität verbessert, wenn Menschen ihr Verhalten ändern.

Analysen aus Deutschland im Lockdown zeigen, dass die Belastung mit Stickstoffdioxiden in Städten zunächst deutlich abgenommen hat – verständlich, bleiben die Menschen doch häufiger zu Hause und arbeiteten vielfach im Homeoffice. Allerdings war dieser Effekt je nach Standort unterschiedlich stark ausgeprägt und flachte bereits einige Tage nach Beginn des Lockdowns wieder ab. Der Grund dafür? Zahlreiche Bürger nutzten nun lieber das eigene Auto, als sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln einem erhöhten Infektionsrisiko auszusetzen.

Vom Einzelnen bis zur Politik: Maßnahmen durch Fakten
Längerfristige, gesellschaftlich akzeptierte Maßnahmen sind somit gefragt, damit die Menschen dauerhaft von den Vorteilen sauberer Luft profitieren. Jeder Einzelne in der Gesellschaft kann dabei schon einen Unterschied machen, indem unnötige Fahrten vermieden werden, öfter zu Fuß gegangen, das Fahrrad genutzt oder Fahrgemeinschaften gebildet werden. Unternehmen und die Politik können hingegen strukturelle und größer angelegte Maßnahmen ergreifen und etwa durch die Umstellung von Arbeitsprozessen oder durch neue Gesetze flächendeckend gegen Luftverschmutzung vorgehen.

Dies ist letztlich aber nur möglich, wenn Entscheidungsträger der Politik, Stadtplanung und Verkehrsführung über zeitlich und räumlich hochaufgelöste Daten zur Luftqualität verfügen, aus denen sich verwertbare Informationen ableiten lassen. Die Auswertung der Daten sollte dabei letztlich so genau sein, dass sie Fragen beantworten können wie: Welches ist der beste Platz zum Bau eines Krankenhauses? Ist durch die nahe gelegene Straße die Luft zu schlecht für den Betrieb eines Kindergartens? Müssen dort Maßnahmen zum Ausgleich getroffen werden, wie das Anlegen von Baumreihen?

Große Chancen für das Erreichen einer solch umfassenden Datenbasis bieten digitale Technologien, die Hardware und Software intelligent miteinander verknüpfen. Derartige IoTMessgeräte liefern nahezu in Echtzeit Informationen über die Luftqualität und verknüpfen diese auf einer Plattform mit anderen Daten. Somit ergeben Erdbeobachtungsdaten aus Satellitenaufnahmen oder Werte aus öffentlichen Messstationen ein ganzheitliches Bild. Es entsteht ein komplexes Informationsnetzwerk zur Luftverschmutzung, das sich entsprechend wissenschaftlich analysieren und auswerten lässt. Ein Beispiel für eine solch vielversprechende Technologie bietet das Münchner Startup Hawa Dawa, das mit seiner Datenplattform sowie IoT- und Sensortechnologie unter anderem dieses Jahr in den RESPOND-Accelerator, einem Programm der BMW Foundation Herbert Quandt mit Unterstützung von UnternehmerTUM speziell für nachhaltige Startups, aufgenommen wurde.

Erste Erfolge durch die neue Technologie
Die Förderung derartiger neuer Technologien ebnet für zukünftig besser informierte Entscheidungsprozesse in Bezug auf die Luftqualität – sowohl in der Politik als auch bei Unternehmen. Dabei zeigen sich bereits jetzt erste Erfolge der zunehmenden Bemühungen um reine Luft: Schon 2019 wurden Verbesserungen in der Luftqualität festgestellt, unter anderem durch Fahrverbote von Dieselfahrzeugen. So überschritten "nur” 25 deutsche Städte den Stickoxidgrenzwert, statt mehr als doppelt so viele in 2018, wie der Spiegel im Juni dieses Jahres berichtete. Trotzdem sind, neben sauberen Fahrzeugen, weitere, Maßnahmen gefragt, u. a. eine umweltfreundliche Steuerung des Verkehrs, beispielsweise durch eine durchdachte Ampelschaltung und Tempolimits, die nur bei erhöhten Schadstoffwerten in Kraft treten. Solche Maßnahmen zeigen: Die Luftqualität kann durch effektive Maßnahmen bereits verbessert werden.

Und gerade in der heutigen Zeit zeigt sich, dass saubere Luft wichtiger als je zuvor ist: Die Gesundheit der Bevölkerung kann nur geschützt werden, wenn Maßnahmen auf Grundlage sicherer Daten eingeführt werden. Davon profitieren wir alle! Doch gerade ältere Menschen, Asthmatiker oder Personen, die sich von einer Corona-Infektion erholen.
 
Karim Tarraf  ist Co-Founder und CEO von  Hawa Dawa und Teilnehmer des RESPOND-Accelerators. In dem Programm der BMW Foundation Herbert Quandt und UnternehmerTUM wird Entrepreneuren dabei geholfen, ihre Zukunftsvisionen voranzutreiben und den Wandel aktiv mitzugestalten.

Technik | Digitalisierung, 14.12.2020

     
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