Lifestyle | Essen & Trinken, 07.12.2020
Kakao-Barometer 2020
Nur struktureller Wandel in der globalen Kakaolieferkette kann Armut beseitigen
|
Mit dem Beitrag Schokolade - Immer eine Sünde wert? prüft das Nachhaltigkeitsmagazin, ob man die süße Versuchung noch mit gutem Gewissen genießen darf. Mehr dazu lesen Sie in forum Nachhaltig Wirtschaften 3/2019. |
Mit der Veröffentlichung des Kakao-Barometers 2020 schlagen die Herausgeber Alarm: Nach zwei Jahrzehnten fehlgeschlagener Bemühungen gehören Armut und Kinderarbeit noch immer zum Alltag von Kakaobauernfamilien. Die entwicklungspolitischen Organisationen INKOTA-netzwerk, SÜDWIND-Institut und Solidaridad fordern als Mit-Herausgeber des Kakao-Barometers Unternehmen und Regierungen dazu auf, ihre Versprechen zur Beendigung der Entwaldung, von Armut und Menschenrechtsverletzungen im Kakaosektor einzuhalten. Dafür sind die Beteiligung von Bauern und Bäuerinnen sowie Arbeiter*innen an Entscheidungsprozessen und die Zahlung existenzsichernder Preise im Kakaosektor nötig.
Das Kakao-Barometer wird von einem internationalen Konsortium zivilgesellschaftlicher Organisationen herausgegeben und gibt alle zwei Jahre einen Überblick über die Nachhaltigkeitsbemühungen im Kakaosektor. Die diesjährige Publikation belegt, dass die weit verbreitete Armut von Kakaobauern und -bäuerinnen fortbesteht, ausbeuterische Kinderarbeit zugenommen hat und die Entwaldung fortschreitet. Deshalb unterstreichen die Herausgeber, dass ohne gesetzliche Regulierungen zur Einhaltung von menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfaltspflichten die massiven Herausforderungen im Kakaosektor nicht gelöst werden können.Ko-Autor Friedel Hütz-Adams vom SÜDWIND-Institut betont: "Bisherige Regulierungsbemühungen sind nur freiwillig, nicht verpflichtend. Innerhalb der Vielzahl von staatlichen Vereinbarungen, nationalen Multi-Stakeholder-Plattformen und sektorweiten Kooperationen gibt es weder Sanktionen für die Nichteinhaltung noch Durchsetzungsmaßnahmen, um die Ziele zu erreichen. Doch ohne Rechenschaftspflicht, Transparenz und Durchsetzung von Verbesserungen ist ihre Wirkung begrenzt, das haben die letzten 20 Jahre gezeigt."
Evelyn Bahn vom INKOTA-netzwerk betont, dass die strukturellen Probleme im Kakaosektor noch immer nicht angegangen werden: "Solange die Schokoladenindustrie nicht bereit ist, höhere Kakaopreise zu bezahlen, lassen sich Armut und Menschenrechtsverletzungen in der Kakaolieferkette nicht beenden. Fairen Kakao wird es nicht zum Nulltarif geben. Es ist an der Zeit, dass die Akteure im Kakaosektor anerkennen, dass Projekte zur Steigerung von Ernteerträgen und Diversifizierung nicht ausreichen."
"Wir stehen am Scheideweg", unterstreicht auch Isaac Gyamfi, Geschäftsführer von Solidaridad in Westafrika. "Umgehen wir weiterhin das Wohl der Bauern und Bäuerinnen, oder gestalten wir gemeinsam die Verteilung der Einnahmen und die Entscheidungsfindung im Kakaosektor radikal um? Bauern und Bäuerinnen brauchen ein existenzsicherndes Einkommen und einen Platz am Verhandlungstisch."
Sandra Sarkwah von der zivilgesellschaftlichen Organisation SEND-Ghana koordiniert die Ghana Civil-Society Cocoa Platform (GCCP). Das Bündnis aus NGOs und Bauernorganisationen im zweitgrößten Kakaoanbauland der Welt unterstützt die Veröffentlichung des Kakao-Barometers 2020. Sarkwah betont: "Die geringen Einkommen der Kakaobauern- und bäuerinnen stellen eine immense Bedrohung für einen nachhaltigen Kakaoanbau dar. Der Großteil der Wertschöpfung bleibt bei Kakaoverarbeitern, Schokoladenherstellern und Einzelhändlern hängen. Sie sind mitverantwortlich, den Kakaosektor so zu gestalten, dass Kakaobauern und -bäuerinnen über ein existenzsicherndes Ein-kommen verfügen und bessere Ab-Hof-Preise erhalten."
Zum vollständigen Bericht zum Kakao-Barometer 2020 (auf Englisch)
Das Kakao-Barometer:
Das Kakao-Barometer wird alle zwei Jahre von einem globalen Konsortium zivilgesellschaftlicher Akteure veröffentlicht. Es gilt als eine der wichtigsten Veröffentlichungen über die Situation im Kakaosektor. Die Herausgeber sind: ABVV/Horval, Be Slavery Free, European Federation of Food, Agriculture and Tourism Trade Unions (EFFAT), Fair World Project, Fern, Green America, Hivos, INKOTA-netzwerk, International Labor Rights Forum, Mighty Earth, Oxfam America, Oxfam-Wereldwinkels, Rikolto, Soli-daridad, Südwind Institut, Tropenbos International.
Das INKOTA-netzwerk ist eine entwicklungspolitische Organisation, die mit politischen Kampagnen und in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen im globalen Süden Hunger und Armut bekämpft und für eine gerechte Globalisierung eintritt. INKOTA stärkt Menschen im globalen Süden, damit sie sich selbstbestimmt von Hunger und Armut befreien können.
Zukunft braucht Frieden
forum 02/2026
- Militär & Märkte
- Grüner Wasserstoff
- Moorschutz als Invest
- ESG loves KI
Kaufen...
Abonnieren...
20
MÄR
2026
MÄR
2026
Erneuerbare - rund um die Uhr (nutzen)
33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI)
84524 Neuötting
33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI)
84524 Neuötting
21
APR
2026
APR
2026
08
JUN
2026
JUN
2026
SuperReturn Energy Transition - Ticket discount for forum readers!
Powering progress. Investing in the future of energy.
10789 Berlin
Powering progress. Investing in the future of energy.
10789 Berlin
Anzeige
Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht
Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol
Pioniere & Visionen
Innovation und Kreativität brauchen SpielräumeChristoph Quarchs Gedanken zum Frühlingserwachen
Jetzt auf forum:
Auftakt mit Strahlkraft - Let's talk about Cotton
3-phasiges Solar- und Speichersystem der nächsten Generation mit integrierter Ersatzstromfunktion
Warum Recycling allein nicht reicht
Sondervermögen: Das 11 Milliarden-Potenzial des Klima- und Transformationsfonds (KTF)
Klimaziele 2030 und 2040 werden deutlich verfehlt
Vertane Chance für mehr Menschenrechtsschutz in globalen Lieferketten
Gemeinschaftsverpflegung, Handel und Deutsche Gesellschaft für Ernährung in der Pflicht



















