Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 10.06.2020
Von Pionieren lernen
forum-Interview mit Jan-Peter Bauck, dessen Bauckhof als Pionier immer wieder Geschichte schreibt.
Gerade die Bio-Lebensmittelbranche kann in Zeiten der Krise als positive Anregung für andere Wirtschaftsbereiche dienen, denn sie ist angetreten, neue Wege nicht nur in der Nahrungsmittelprodukion sondern auch im nachhaltigen Wirtschaften zu gehen. Im Interview mit Geschäftsführer Jan-Peter Bauck stellen wir den Bauckhof vor, der als Pionier immer wieder Geschichte schreibt.
Herr Bauck, in welchen Bereichen hat der Bauckhof Pionierleistungen vollbracht?Bereits 1932 stellte Eduard Bauck seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf biologisch-dynamischen Landbau um. Damit gehört der Bauckhof zu den ersten Biobetrieben überhaupt. Er prägte und prägt die Entwicklung des Biolandbaus bis heute. Mit der Übertragung des Eigentums an den Betrieb 1969 verzichteten die Erben auf ihre Ansprüche. Im selben Jahr wurde in die Verarbeitung investiert, um die Verfügbarkeit von Bio-Lebensmitteln zu erweitern und die eigene Vermarktung zu verbessern. Dazu gehörten zwischenzeitlich eine Bäckerei, drei Hofläden, ein Paketversand und weitere Initiativen. Geblieben ist neben der Landwirtschaft die Bauck GmbH als Verarbeiter für Getreideprodukte mit einem Schwerpunkt auf glutenfreie Mühlenprodukte.
Was ist dabei das Besondere am Bauckhof?
Es gibt gleich mehrere Besonderheiten, die den Bauckhof ausmachen. Da ist die Tatsache, dass es eigentlich drei landwirtschaftliche Betriebe mit ganz unterschiedlicher Ausrichtung sind. Dazu sind diese drei Betriebe in eine gemeinnützige GmbH überführt worden. Drei selbständige Pächter entwickeln und führen diese landwirtschaftlichen Betriebe eigenverantwortlich und haben gemeinsam einen
Verarbeitungsbetrieb, die Bauck GmbH, gegründet. Alle Betriebe haben die biologisch dynamische Landwirtschaft (Demeter) fest in ihrem Selbstverständnis verankert.
Kann Bauckhof anderen Landwirten und Erzeugern Vorbild sein, Anregung geben?
Jeder landwirtschaftliche Betrieb ist einzigartig, deshalb ist das schwierig, aber ihre Erfahrungen geben die Betriebsleiter der Bauckhöfe gerne weiter, soweit das hilfreich sein kann.
Wie können Betriebe aus dem „System" der industriellen Landwirtschaft aussteigen?
Industrielle Landwirtschaft ist ein Schlagwort, das sehr unterschiedlich interpretiert wird. Demeter-Landbau hat den Grundgedanken, dass es einen in sich geschlossenen Betriebsorganismus geben soll. Der landwirtschaftliche Betrieb ist quasi aus sich selbst heraus fruchtbar. Er ist nicht auf große Zukäufe an z. Bsp. Futtermitteln oder Dünger angewiesen. Dieses Ziel ist in meiner Sicht die beste Richtschnur für eine nachhaltige „nicht industrielle" Landwirtschaft.
Auf welche besondere Leistung, Projekte oder Lösungen sind Sie im Moment besonders stolz?
Wir werden als Betrieb in diesem Jahr klimaneutral werden. Seit einigen Jahren sind wir EMAS-zertifiziert und arbeiten kontinuierlich an unserer Umweltbilanz. Große Schritte in dieser Richtung sind die eigene Fotovoltaikanlage sowie die Verkompostierung von Dinkelspelz. Dieser fällt bei uns als Nebenprodukt an und wird auf dem Bauckhof Stütensen zu wertvollem Kompost umgewandelt.
Was planen Sie mit Ihrem Betrieb für die Zukunft?
Wir wollen weiter wachsen und gemeinsam mit den landwirtschaftlichen Betrieben daran arbeiten, den biologisch-dynamischen Landbau erfolgreich zu machen und zu entwickeln. Dies ist die effektivste und einfachste Art, Landwirtschaft und Lebensmittelwirtschaft in Deutschland in eine umweltverträgliche Richtung zu lenken.
Wie muss sich die Wirtschaft verändern, um zukunftsfähig zu sein?
Das ist ein großes Thema. Die bereits in Angriff genommene CO2-Besteuerung scheint mir schlüssig zu sein. Wenn dies ohne Schlupflöcher realisiert wird, haben wir vielleicht die Chance, die Wirtschaft auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Mein Appell: Seien Sie dabei, seien Sie offen für neue Ideen und alte Impulse und lassen Sie uns gemeinsam für eine zukunftsfähige Landwirtschaft wirken.
Herr Bauck, wir danken für das Gespräch.
Jan-Peter Bauck will als Geschäftsführer und Gesellschafter der Bauck GmbH eine Vorreiterrolle bei der Verbreitung des Demeter-Impulses und der biologisch-dynamischen Landwirtschaft spielen. „Wir sehen dies als die konsequenteste und nachhaltigste Form der Bodenbewirtschaftung an". Seit mehr als 50 Jahren steht die Marke Bauckhof für Bio- und Demeter-Produkte, hergestellt im traditionellen Müllerhandwerk in den Bauckhof-Mühlen. Das Sortiment des familien- und mitarbeitergeführten Unternehmens reicht von hochwertigen Mehlen über Mischungen für Kuchen, Brot und Müslis bis hin zu Burger und Falafel. Die meisten der über 140 Mühlen-Produkte sind glutenfrei, weizenfrei und vegan.
Dieser Artikel ist in forum 02/2020 - die Corona-Sonderausgabe - Einfach zum Nachdenken... und Handeln erschienen.
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