Deutsche Großunternehmen berichten zu wenig über Korruptionsbekämpfung und Lobbyismus

Studie von Transparency Deutschland stellt Defizite bei Nachhaltigkeitsberichten fest

Der Wirecard-Skandal hat die Debatte über die Rolle von Wirtschaftsprüfern angefacht. Eine neue Studie von Transparency Deutschland zeigt: Bei Nachhaltigkeitsberichten erhalten Großunternehmen das Siegel der Wirtschaftsprüfer, auch wenn diese tatsächlich nur äußerst wenige Unternehmensangaben geprüft haben.
 
Studie von Transparency Deutschland stellt Defizite bei Nachhaltigkeitsberichten fest © geralt, pixabay.comTransparency Deutschland hat zum vierten Mal die nach den GRI-Standards erstellten Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen mit Blick auf die Themen Korruption und politische Einflussnahme untersucht. Das Ergebnis: Insgesamt sind die Nachhaltigkeitsberichte zu unvollständig, uneinheitlich und nicht ausreichend transparent. Dadurch ist keine Vergleichbarkeit der ethischen Bemühungen der Unternehmen gegeben.
 
Bei der Berichterstattung zur Korruptionsbekämpfung geben die Unternehmen im Durchschnitt weniger als 50 Prozent der von den GRI-Standards geforderten Informationen an – und die Auslassungen werden überwiegend nicht begründet. Damit liegt eine bemerkenswert hohe Zahl an Verstößen gegen den GRI-Berichtsrahmen vor. Darüber hinaus erteilen einige Unternehmen nach wie vor keine Auskünfte zu Lobbying und Parteispenden.
 
Dazu Manfred zur Nieden, Projektleiter und Autor der Studie: „Dass die Unternehmen gerade über Korruptionsbekämpfung so wenig berichten, belegt leider wieder einmal, dass Freiwilligkeit auch über viele Jahre nicht zum Ziel führt. Dasselbe gilt für Lobbyaktivitäten und Parteispenden: Angesichts ihrer Bedeutung für unsere Demokratie und Rechtstaatlichkeit sollte die Berichterstattung darüber verpflichtend sein."
 
Generell zeigt sich eine Tendenz, dass sich die Unternehmen weniger nach den GRI-Standards richten. Einige haben die Anzahl der GRI-Angaben so stark reduziert, dass die Aussage „der Bericht ist in Übereinstimmung mit den GRI-Standards erstellt worden" fragwürdig erscheint. Daher sollte ein Mindestniveau eingeführt werden, um diese Aussage treffen zu dürfen.
 
Fragwürdige Rolle der Wirtschaftsprüfer
Die meisten der 19 untersuchten Berichte wurden durch Wirtschaftsprüfungsgesellschaften geprüft. Problematisch ist, dass die Unternehmen die Auswahl der zu prüfenden Themen vorgeben. Berichte können daher den Bestätigungsvermerk eines Wirtschaftsprüfers erhalten, selbst wenn äußerst wenige Informationen tatsächlich geprüft wurden. Die GRI sollte für einen solchen Bestätigungsvermerk ein Minimum von geprüften Angaben fordern.
 
„Es scheint an einem kritischen Blick der externen Prüfer zu mangeln, denn: Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben in allen Fällen die Übereinstimmung mit den GRI-Standards bestätigt. Dies steht in einem krassen Gegensatz zu unseren Ergebnissen mit vielen Verstößen gegen die korruptionsbezogenen GRI-Vorgaben", so Helena Peltonen-Gassmann, Stellvertretende Vorsitzende von Transparency Deutschland. Transparency Deutschland empfiehlt daher unter anderem stringentere Regelungen zur Verbesserung der Transparenz und Validität der externen Prüfurteile.
 
Hintergrund
Transparency Deutschland hat zum vierten Mal die Nachhaltigkeitsberichte deutscher Großunternehmen auf Übereinstimmung mit den Standards der Global Reporting Initiative (GRI) untersucht. Die GRI ist eine unabhängige internationale Organisation mit Sitz in Amsterdam. Die GRI-Standards sind die weltweit am weitesten verbreiteten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung. Transparency Deutschland hat bereits in den Jahren 2012, 2014 und 2016 entsprechende Untersuchungen veröffentlicht.
 
Weiterführende Informationen
 
Kontakt: Transparency International Deutschland e.V. | presse@transparency.dewww.transparency.de

Wirtschaft | CSR & Strategie, 30.07.2020
     
Cover des aktuellen Hefts

Systemwandel - wie wird die große Transformation zur Realität?

forum Nachhaltig 04/2021 stellt sich grundlegenden Fragen zur Veränderung

  • Bildung & SDG
  • Gesellschaft & Politik
  • Finanzen & Klimaschutz
  • Kreislaufwirtschaft & Lieferketten
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
01
DEZ
2021
Geldanlage 2022
Nachhaltig und clever investieren, Vermögen aufbauen und absichern
online
02
DEZ
2021
14. Deutscher Nachhaltig­keitspreis
Zwei Kongresstage, zwei Preisverleihungen.
40474 Düsseldorf und digital
06
DEZ
2021
Bundespreis Ecodesign 2021
Preisverleihung
online
22
JAN
2022
Wir haben es satt!-Demo - Neustart Agrarpolitik jetzt!
#WHES22: Auf die Straße für Bauernhöfe, Tiere und das Klima
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...

Gemeinsam ist es Klimaschutz

natureOffice nimmt Sie mit auf die Reise durch den Klimakosmos - gleich YouTube-Kanal abonnieren und Baum pflanzen!

Energie

Die „Energiekommune des Jahrzehnts“ setzt immer noch eins drauf
Wie Strukturwandel und Klimaschutz gelingen, das zeigen die Menschen im Rhein-Hunsrück-Kreis
B.A.U.M. Insights
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Carglass®-Stiftung GIVING BACK legt sich für „RTL-Spendenmarathon“ ins Zeug

Nicht nur an Weihnachten: PERÚ PURO rettet mit Schokolade Regenwald

Systemwandel - wie wird die große Transformation zur Realität?

#AlarmstufeGrün - Ein Bündnis für den Wandel

Klimaneutrale Brennstoffe als Teil der Verkehrswende

Wie künstliche Intelligenz der Umwelt zugutekommt

Wachsende Netzwerke fördern die Kreislaufwirtschaft

Mit gutem Beispiel voran

  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • TourCert gGmbH
  • PEFC Deutschland e. V.
  • Global Nature Fund (GNF)
  • VDMA Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Verka VK Kirchliche Vorsorge VVaG
  • Telefónica Germany GmbH & Co. OHG