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Zertifizierungssystem für nachhaltige Lieferketten erweitert

Sorgfaltspflichten gelten im Kleinbergbau der DR Kongo jetzt auch für Kobalt – einem Schlüsselrohstoff für die E-Mobilität

Die Demokratische Republik Kongo hat ihr Zertifizierungssystem für mehr Nachhaltigkeit in den Rohstofflieferketten aus dem Kleinbergbau erweitert. Das von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) initiierte und mit der kongolesischen Regierung weiterentwickelte CTC-System (Certified Trading Chains) wird in dem zentralafrikanischen Land jetzt auch auf Kobalt ausgedehnt – einem Schlüsselrohstoff für die Elektromobilität. Ebenso wie schon bei den sogenannten Konfliktmineralen Zinn, Tantal, Wolfram und Gold soll künftig auch die artisanale Kobaltförderung die international geforderten Sorgfaltspflichten eines verantwortungsvollen Bergbaus erfüllen.
 
Kobaltmine Bibatama in Nord-Kivu © BGR HannoverWeltweit arbeiten in Entwicklungsländern etwa 40 Millionen Menschen im Kleinbergbau. Der Bergbau ist für diese Menschen und ihre Familien die Lebensgrundlage. Im Gegensatz zum industriellen Bergbau ist Kleinbergbau häufig verbunden mit prekären Arbeitsbedingungen, Risiken der Kinderarbeit, der Finanzierung von militärischen Konflikten und großen Umweltrisiken. Nirgendwo wird dies deutlicher als in der DR Kongo. Hier fördern bis zu eine Million Kleinbergleute wichtige Rohstoffe wie Kobalt, Tantal, Zinn, Gold oder Diamanten, die weltweit u.a. in der Elektronik- und Schmuckindustrie eingesetzt werden. In vielen Regionen ist der Kleinbergbau der einzige bedeutende Wirtschaftsfaktor für die arme Bevölkerung. Internationale Anforderungen nach verantwortungsvoll produzierten Rohstoffen sollten daher auch einen adäquaten Marktzugang für den Kleinbergbau berücksichtigen.
 
Im Jahre 2011 wurde das ursprünglich von der BGR entwickelte CTC-System von der DR Kongo offiziell übernommen. Seither unterstützt die BGR im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Prüfung von Bergbaustandorten in dem zentralafrikanischen Land. Ein wichtiges Ziel der dabei stattfindenden Audits auf den Minen ist es, verantwortungsvolle und transparente Rohstofflieferketten im Kleinbergbau zu fördern, damit auch in diesem Bereich die international eingeforderten Sorgfaltspflichten, wie sie etwa eine EU-Verordnung vorschreibt, erfüllt werden. Unabhängige Auditoren prüfen u.a. vor Ort, ob Auflagen zur Arbeitssicherheit und zum Umweltschutz eingehalten werden oder ein wirtschaftlicher Beitrag zur Entwicklung der Region im Umfeld der Bergbaubetriebe geleistet wird. Bisher haben sieben Betriebe mit insgesamt 67 einzelnen Abbaustandorten den Nachweis erbracht, dass dort verantwortungsvoller Bergbau auf Tantal (Coltan) oder Zinn betrieben wird.
 
Um das CTC-System an die internationalen gesetzlichen Entwicklungen anzugleichen, wurde jetzt von der DR Kongo eine Aktualisierung ihres Zertifizierungssystems beschlossen. Sie sieht als eine wichtige Änderung die Ausweitung der Zertifizierungsmaßnahmen auch auf den Kobaltsektor vor. Bis Ende des Jahres sollen 10 artisanale Betriebe in der DR Kongo nach dem aktualisierten und erweiterten System auditiert und im Erfolgsfall vom Bergbauministerium zertifiziert werden, darunter auch eine Kobaltmine. Die Minenaudits werden von einem gemeinsamen Team von kongolesischen und internationalen Auditoren vorgenommen.
 
Die neuen inhaltlichen Aspekte des aktualisierten CTC-Systems umfassen u.a. eine vollständige Integration der Anforderungen der OECD-Leitlinie zur Sorgfaltspflicht sowie einen erhöhten Fokus auf den Umweltschutz. Die BGR hat diesen Prozess im Rahmen ihrer Beratung des kongolesischen Bergbauministeriums und weiterer Partner flankiert. „Damit wollen wir die artisanalen Bergbaukooperativen bei einer längerfristigen nachhaltigen Bergbaupraxis und bei der Formalisierung des Sektors unterstützen", erklärt Uwe Näher, Projektleiter der BGR in der DR Kongo. Die BGR erhofft sich besonders von der Ausweitung des Zertifizierungssystems auf die artisanalen Kobaltminen, in denen auch Kupfer gefördert wird, positive Effekte. „Da die CTC-Standards eine rechtliche Basis für die in diesem Sektor bekannten Probleme wie Kinderarbeit, Arbeitssicherheit und Umweltschutz schaffen, könnte dies den Druck auf internationale Akteure verringern, sich aus dem Kleinbergbausektor der DR Kongo zurückzuziehen", erklärt BGR-Projektgeologe Sebastian Vetter.
 
Kobalt ist ein wesentlicher Rohstoff für die Herstellung von wieder aufladbaren Lithium-Ionen-Batterien, die für den Ausbau der Elektromobilität benötigt werden. Der Rohstoff wird zu mehr als 60 % in der DR Kongo gewonnen. Dort wird er vorwiegend im industriellen Abbau gefördert, aber auch im Kleinbergbau gewonnen. Dabei wird das Erz mit einfachsten Mitteln von Hand abgebaut. Mit einem Weltmarktanteil von durchschnittlich 10 % spielt der kongolesische Kleinbergbau für die globale Kobaltversorgung eine signifikante Rolle.
 
Das neue CTC-Zertifizierungshandbuch ist seit kurzem in Französisch und Englisch erhältlich.
Kontakt: Andreas Beuge, Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe


     
        
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