#VerantwortungJetzt! - Die Krise als Chance für den Wandel

Zeichen setzen und Verantwortung übernehmen

Herausforderungen für die Veranstaltungsbranche

Veranstaltungen verursachen zahlreiche Belastungen für Umwelt und Klima. Deshalb stehen ihre Akteure vor großen Herausforderungen. Carina Bauer, eine engagierte Messeveranstalterin der globalen Meeting- und Eventbranche möchte hier Zeichen setzen. Durch konkrete Aktionen geht sie mutig voran.
 
Carina Bauer, die engagierte Messeveranstalterin der globalen Meeting- und Eventbranche möchte Zeichen setzen. © ImexDie IMEX Group veranstaltet jährlich die IMEX in Frankfurt sowie die IMEX America in Las Vegas als B2B Messen für Incentive Travel, Meetings und Events. Mehr als 3.500 Aussteller wie Hotelgruppen, Destinationen, Fluggesellschaften, Länder und Städte präsentieren auf den Veranstaltungen ihre Angebote. Was uns auf das Unternehmen aufmerksam gemacht hat: Die Gruppe vergibt jährlich den „IMEX-EIC Innovation in Sustainability Award". Damit werden die herausragenden Projekte der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit aus der globalen Veranstaltungsbranche ausgezeichnet. Auch sonst ist das Thema Nachhaltigkeit durch verschiedene Initiativen fest in der Strategie des Unternehmens verankert. Hinter diesen Aktivitäten steckt eine starke Frau: Carina Bauer. Sie ist CEO der Gruppe und eine treibende Kraft für mehr Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche. forum will wissen, was die Powerfrau bewegt und was sie bewegen möchte.
 
Frau Bauer, Reisemesse, Events und Nachhaltigkeit – wie passt das zusammen?
Der Erhalt und Schutz unserer Erde ist für uns als Messe, die das Reisen bzw. das Bewegen von Menschen zu Veranstaltungen in weltweite Destinationen zum Unternehmenszweck hat, eine Selbstverpflichtung. Wir tun alles, was in unseren Möglichkeiten liegt, die Vereinbarkeit von Reisen bzw. Events im ökologischen wie auch im sozialen Sinn zu fördern. Nachhaltigkeit ist dabei für uns kein Lippenbekenntnis, sondern seit Firmengründung fest in unserer Geschäftsstrategie verankert. Wir wollen aufklären, vernetzen und der Branche gute Beispiele, die zum Nachmachen anregen, zugänglich machen. Dabei möchten wir selbst mit gutem Beispiel vorangehen und unsere Aussteller dazu anregen, eigene Projekte der ökologischen wie auch der sozialen Nachhaltigkeit zu entwickeln. Nur, wenn wir alle gemeinsam anpacken, können wir etwas bewegen.
 
Das hätten wir gerne etwas konkreter…
Auf den 'Legacy Walls' in Frankfurt und Las Vegas präsentieren die Aussteller, wie sie Verantwortung übernehmen und teilen Anregungen und Ideen zu ihren Projekten. © ImexUnser Nachhaltigkeits-Programm umfasst viele Punkte und Bereiche. Ziel für unsere Veranstaltungen ist eine Zero Waste-Strategie – d.h., dass idealerweise sämtliche Materialien und Abfälle der Messe wiederverwertet werden und möglichst wenig Essen weggeworfen wird. Auch die Reduktion von Plastikmüll steht ganz oben auf der Agenda. Wir sind hier gut unterwegs: So haben wir bereits 90,2 Prozent aller auf der IMEX in Frankfurt erzeugten Abfälle recycelt und alle Hosted Buyer Flüge mit einem Wiederaufforstungsprojekt kompensiert. Uns geht es um die Übernahme von Verantwortung. Das wollen wir positiv vorleben und anregen, auf ökologischer wie auch auf sozialer Ebene. Deshalb stellen wir auch unsere Messen seit 4 Jahren unter ein jährliches Fokusthema, welches sich wie ein roter Faden durch das gesamte Jahr zieht und sämtliche Kommunikationsaktivitäten umfasst. Im letzten Jahr war dies „Legacy – Zeichen setzen und Verantwortung übernehmen". Auf unseren „Legacy Walls" in Frankfurt und Las Vegas konnten Aussteller präsentieren, wie sie Verantwortung übernehmen und Anregungen und Ideen zu ihren Projekten teilen. In diesem Jahr ist dies „Imagination". Mit dem diesjährigen Fokusthema wollen wir die globale Veranstaltungsbranche dazu aufrufen, groß – über die Grenzen ihrer Komfortzone – zu denken und entschieden in den Bereichen Diversität & Inklusion, Nachhaltigkeit und Kollaboration & Transformation zu handeln. Und auch in diesem Jahr wollen wir Best Practise Beispiele unserer Aussteller präsentieren – denn so können wir alle voneinander lernen und uns vernetzen.
 
Außerdem berät unser Team die Aussteller, wie sie einen nachhaltigeren Messeauftritt gestalten und auch eigene Veranstaltungen nach ökologischen Gesichtspunkten organisieren und pro-aktiv ihren Kunden anbieten können. Zusätzlich unterstützen wir durch Workshops und Seminare den Wissenstransfer in diesem Thema.
 
Sie sprachen eingangs auch von sozialer Nachhaltigkeit. Wie setzen Sie diese um?
Das Challenge Team baut ein Bienenhaus für ein Wohnheim für geistig Behinderte, die das Bienenhaus nun nachhaltig bewirtschaften und dort Bio-Honig produzieren. © ImexWir haben eine ganze Reihe von Initiativen gestartet, die wir im Rahmen der beiden Messen aber auch unterjährig durchführen. Alle Projekte vereint, dass wir gemeinsam mit freiwilligen Helfern unseres Teams sowie Besuchern und Ausstellern soziale Projekte und Initiativen vor Ort unterstützen. In Las Vegas haben wir beispielsweise u.a. ein Mutter-Kind-Heim unterstützt und dessen Garten sowie einen Spielplatz renoviert.
 
Unsere Besucher und Aussteller können die Organisation „Clean the World" unterstützen, die angebrochene Shampoo- und Duschgel-Fläschchen aus Hotels neu abpackt und an 3. Welt-Länder spendet. Unsere „IMEX Challenges" unterstützen nachhaltige Projekte weltweit. Ein Beispiel hierfür war die Challenge in Slowenien, wo wir mit einer internationalen Gruppe von Besuchern und Ausstellern nach Slowenien gereist sind und dort gemeinsam ein Bienenhaus für ein Wohnheim für geistig Behinderte erbaut haben, die das Bienenhaus nun nachhaltig bewirtschaften und dort Bio-Honig produzieren. Ein anderes unserer Projekte war das „IMEX Charity Cooking". Hier haben wir im „Haus Lichtblick" – einem Wohnheim, das ehemals Obdachlosen eine neue Lebensperspektive bietet – mit einer Gruppe von IMEX Besuchern und Ausstellern für die Bewohner gekocht und mit ihnen zu Mittag gegessen. Solche Begegnungen öffnen Perspektiven und erweitern Horizonte für alle Beteiligten! All dies sind „Mitmach-Projekte", für die wir Menschen begeistern und die den Samen dafür legen, dass die Teilnehmer ihrerseits aktiv werden. Außerdem unterstützen wir alle genannten Projekte finanziell bzw. mittels Fundraising. Als Event-Organisatoren glauben wir fest daran: Menschen für eine gemeinsame „gute Sache" zusammenzubringen und zu begeistern macht in der Summe den großen Unterschied! Und wir tun damit auch das, was unserem Kerngeschäft entspricht: Menschen weltweit vernetzen, inspirieren und begeistern!
 
Kennen Sie die Sustainable Development Goals der UN?
Sicher – und seit Verabschiedung der 17 Nachhaltigkeitsziele durch die UN richten wir unsere Strategie auch an ihnen aus. SDG5 lautet „Gender Equality". Deshalb haben wir mit dem Fachmagazin tw tagungswirtschaft eine weltweite Umfrage durchgeführt, die uns Aufschluss darüber geben sollte, wo die globale Meetingbranche, die zu 80 Prozent eine weiblich besetzte Branche ist, im Thema Gleichberechtigung wirklich steht. Die Ergebnisse haben uns ehrlich gesagt etwas erschreckt – denn es besteht großer Nachholbedarf in puncto Gender Equality, insbesondere im Thema Gehalt und Karrierechancen. Und es hat uns angeregt – gemeinsam mit unseren Partnern für das SDG5 einzustehen. Ergebnis war die erste Konferenz, die sich um Frauen in der Veranstaltungsbranche dreht: die She Means Business, die im Rahmen der IMEX 2018 in Frankfurt erstmals stattgefunden hat. Unser Ziel war es, Menschen aus der ganzen Welt zu vernetzten und darin zu bestärken, an sich und ihre Potenziale zu glauben. Hierfür hatten wir eine ganze Reihe an starken Frauen aus unserer Branche und anderen Branchen eingeladen, über ihren Werdegang aber auch über ihre Herausforderungen zu berichten. Dass wir damit einem wichtigen Thema eine Diskussionsplattform geben, hatten wir gehofft, aber mit diesem überwältigend positiven Zuspruch haben wir ehrlich gesagt dann doch nicht gerechnet: Die Konferenz war bis auf den letzten Platz besetzt und uns erreichen seitdem viele Zuschriften und Anrufe, die uns darin bestärken, Netzwerke und Formate für diesen wichtigen Dialog zwischen Männern und Frauen und auch zwischen Arbeitsgebern und Arbeitnehmern zu entwickeln. Angesichts des riesigen Erfolgs der ersten She Means Business war es nur logisch, diese Konferenz auch im Rahmen der IMEX in Frankfurt 2019 zu veranstalten und damit langfristig zu etablieren.
 
Und wie sieht es bei Ihnen im Team aus mit der Gleichberechtigung?
Gute Frage! Bei uns im Team sind fast alle Direktorenstellen weiblich besetzt. Aber weniger weil wir Frauen bevorzugen wollten, sondern einfach, weil die Frauen, die sich beworben haben, am besten geeignet waren. Viele unserer Mitarbeiterinnen und Führungskräfte sind auch Mütter. Für mich als Unternehmerin bedeutet dies, einen Weg zu gestalten, wie diese top-qualifizierten Kräfte ihrer Mutterrolle wie auch ihrer Rolle bei uns gerecht werden können. Ich selbst habe ja auch zwei Kinder und weiß, was es bedeutet, beide Rollen unter einen Hut zu bringen. Deshalb hat dies für mich auch viel mit einer Kultur des Vertrauens und der Flexibilität zu tun: Wir sind technisch doch schon lange so weit, dass wir von überall aus mobil arbeiten können. Gerade in unserer Branche, die von vielen Reisen geprägt ist, funktioniert dies unter Voraussetzung einer offenen und gleichzeitig ergebnisorientierten Denke hervorragend. Viele unserer Mitarbeiterinnen, auch in Führungsfunktion, arbeiten in Teilzeit und sind dennoch perfekt in der Branche vernetzt. Dieses Potenzial ist unsere Basis – darauf können und wollen wir nicht verzichten. Und dieses Potenzial an Frauenpower darf auch unsere Branche nicht verlieren!
 
Was wollen Sie Unternehmerinnen und Unternehmern anderer Branchen mitgeben?
Mutig zu sein, Dinge stets zu hinterfragen, im Vertrauen zu führen und so eine werte-orientierte Kultur aufzubauen. Und stets zu versuchen, jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter in ihr Potenzial zu bringen und individuell zu fördern. Gerade im Thema Nachhaltigkeit funktioniert das ganz hervorragend bei uns. Kollegen tun sich zusammen und unterstützen bestehende Formate – oder entwickeln eigene Initiativen. Jede Branche hat ihre ganz eigenen Regeln und Besonderheiten – aber ich denke, es gibt stets Möglichkeiten, neu zu denken und offen zu sein!
 
Frau Bauer, wir danken für das Gespräch und sind jederzeit bereit, Ihre Projekte durch unsere Nachhaltigkeitsexpertise, also mit Ideen, Rat und Tat zu unterstützen.
 
 Von Tanja Knecht
 

Wirtschaft | CSR & Strategie, 01.06.2019
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2019 - Afrika – Kontinent der Entscheidung erschienen.
     
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