Für ein neues Zeitalter von Unternehmertum?! - Wege in ein Resonanz-Unternehmertum. 11. bis 13. Juni 2024

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Innovative Effizienznetzwerke Schreiben Zukunft

Klimawandel, Ressourcenknappheit und CSR-Berichtspflicht: Kleine und mittelständische Unternehmen stehen stetig wachsenden Herausforderungen gegenüber. Um diese zu meistern, bieten zahlreiche Initiativen und Projekte Unterstützung an – dabei lässt sich neben Ressourcen und Energie auch bares Geld sparen.

Von der Abwärmenutzung über die Beleuchtung bis hin zur Druckluft: In einem Unternehmen gibt es zahlreiche Quellen, um Ressourcen und Geld zu sparen. Effizienznetzwerke helfen dabei. © Continental
Der Mittelstand ist die tragende Säule der Volkswirtschaften weltweit. So auch in Deutschland: Hierzulande umfassen laut dem Institut für Mittelstandsforschung die kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) 99,6 Prozent aller umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, haben knapp 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten angestellt und erwirtschaften etwa 36 Prozent aller Umsätze. Beeindruckende Zahlen, die darlegen, wie wichtig die etwa 3,6 Millionen deutschen KMU für unser aller Wohlstand und das Angebot an attraktiven Arbeitsplätzen sind. Es wundert daher nicht, dass die Bundesregierung sie intensiv unterstützt und fördert.
 
So hat das Bundeswirtschaftsministerium speziell für diese Unternehmensgruppe ein Programm entwickelt, um ihnen bei Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Energiekosten unter die Arme zu greifen. Es fördert 80 Prozent der entstehenden Beratungskosten sowie die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen. Damit winken den Unternehmen immense Kosteneinsparungen – die Deutsche Energieagentur (dena) berichtet über Einsparpotenziale von bis zu 70 Prozent der Stromkosten, beispielsweise bei der Beleuchtung, und immerhin 30 Prozent bei Wärme. In Kombination mit den genannten Fördergeldern werden Energieeffizienzmaßnahmen so zum profit-center für KMU. Gregor Weber beschäftigt sich mit seinem Beratungs- und Forschungsinstituts schon seit Jahren mit dieser Thematik und sieht in innovativen Effizienznetzwerken die Zukunft betriebswirtschaftlicher Wertschöpfung. Sein Projekt ecoistics EffNaNet eignet sich für alle Branchen und wurde mehrfach ausgezeichnet; unter anderem vom Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung (RNE) als „Projekt Nachhaltigkeit 2017" sowie zuletzt mit dem „Deutschen Industriepreis 2017".

Gemeinsam sind Unternehmen stärker
Verschiedene Initiativen und Projekte haben sich bislang das Ziel gesetzt, Unternehmen besser über die Möglichkeiten der Effizienzmaßnahmen und deren Förderung aufzuklären. Lernende Energieeffizienz-Netzwerke (LEEN) sind ein solches Werkzeug. Entwickelt in der Schweiz und vom Fraunhofer-Institut in Deutschland salonfähig gemacht, organisieren sich in solchen Netzwerken Unternehmen, um ihre Herausforderungen gemeinsam anzupacken – getreu dem Motto „gemeinsam sind wir stärker". Vorausschauende Unternehmer nutzen dies als Chance zur Innovation und steigern ihre Wettbewerbssituation durch Steigerung ihrer Energieeffizienz und andere nachhaltige Maßnahmen. Im Durchschnitt führt beim LEEN-Konzept jedes Unternehmen zehn Energieeffizienzmaßnahmen durch, wobei Anregungen aus dem Netzwerk einen sehr großen Anteil haben – viele der Maßnahmen hätten die Teilnehmer ohne das Netzwerk gar nicht erst erkannt. Die erfolgreiche Reduzierung der Energiekosten in den ersten Jahren stellt oft Investitionsmittel für weitere Energieeffizienzmaßnahmen bereit, denn sinkende Energiekosten erhöhen den Gewinn.

Die bisherigen Teilnehmer bestätigen: Der finanzielle Aufwand lohnt sich, da die Energiekosteneinsparungen die anfallenden Kosten in der Regel signifikant übersteigen. Für 94 Prozent der bisher am Netzwerk teilgenommenen Unternehmen haben sich die Erwartungen damit mehr als erfüllt. Diese Erfolge sind auch bei KMU möglich. In einem deutschen Autohaus mit Stromkosten von etwa 30.000 Euro im Jahr hat sich beispielsweise nach Umsetzung weniger Effizienzmaßnahmen eine Einsparung bei den Energiekosten von 30 Prozent, also 9.000 Euro im Jahr, eingestellt. (Siehe Infokasten).

Gesellschaftliche Verantwortung wird auch für KMU immer wichtiger
Neben dem Thema Energieeffizienz entsteht aktuell jedoch noch eine weitere Herausforderung für Unternehmen: der Umgang mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Berichterstattung. Mit den aktuellen Skandalen um Bio-Eier, die keine sind, um Autos, die mehr Schadstoffe ausstoßen als erlaubt, und um katastrophale Arbeitsbedingungen in der Herstellung unserer Bekleidung rücken Unternehmen zunehmend in den Fokus der kritischen Gesellschaft. Die Verbraucher sind mündig geworden und über die sozialen Medien bestens informiert.

Unterstützt wird dieser Trend durch den Gesetzgeber und die CSR-Berichtspflicht: Seit 2017 sind bestimmte Unternehmen in Deutschland dazu verpflichtet, sogenannte nichtfinanzielle Informationen zu Themen wie Achtung der Menschenrechte, Umweltstrategie oder soziale Belange öffentlich zu machen. Dies hat zur Folge, dass sich künftig auch alle KMU, die eine Geschäftsverbindung zu einem Großunternehmen unterhalten, inhaltlich mit dieser gesellschaftlichen Verantwortung und den berichtspflichtigen Themen beschäftigen müssen.

Hier fühlen sich die meisten KMU, bedingt durch die steigende Komplexität dieser externen Rahmenbedingungen, nicht ausreichend informiert und somit nicht gerüstet. Sie suchen nach Lösungen, die sie beim Bewältigen dieser zusätzlichen Herausforderungen unterstützen, ohne dafür viel Zeit und Geld aufwenden zu müssen.

Ein Autohersteller handelt
Die Ford-Werke GmbH, die sustainable natives eG, der Senat der Wirtschaft, das ecoistics.institute und der Ford Partner Verband haben gemeinsam die Umsetzung des „EffNaNet"-Konzeptes für den gesamten Ford Handel in die Wege geleitet. Grundlage dafür war die aktive Unterstützung der Ford Geschäftsführung. Bis Ende des Jahres sollen so bundesweit EffNaNet-Netzwerke im Ford Handel umgesetzt werden.

„Ford ist von Anfang an mit Herzblut und Pragmatismus dabei. Es freut mich ganz besonders, dass wir so schnell und unkompliziert in die Umsetzung gehen", so EffNaNet-Initiator Weber.
  • Die Handlungsmöglichkeiten zeigen sich an nachfolgendem exemplarischen Autohaus mit folgenden Ausgangsdaten:
  • 30 MitarbeiterInnen, Büros, Verkaufsraum, Lager, Werkstatt, Waschstraße, Showroom
  • Leistungen: Verkauf, Inspektion, Wartung, Unfallinstandsetzung
  • Stromkosten:30.000 Euro/Jahr
  • Kosteneinsparung: 8.990 Euro/Jahr = Senkung der Energiekosten um 30 Prozent pro Jahr

Maßnahme Invest in € Kosteneinsparung in € Amortisation
Beleuchtung 2.250 1.100 2 Jahre
Druckluftsystem 500 5.590 < 1 Monat
E-Motor Lastenaufzug 18.000 1.500 12 Jahre
Neues Rolltor 4.500 800 5,6 Jahre
Quelle: Effcheck Rheinland-Pfalz
Auf den Mittelstand zugeschnittenes Beratungskonzept
Hier setzt das Projektecoistics EffNaNet (Effizienz- und Nachhaltigkeits-Netzwerke) an. Das bundesweite Beratungs- und Forschungsprojekt ist so konzipiert, dass der Zeit- und Geldaufwand seitens der teilnehmenden Unternehmen minimal ist. Die Erfolgsstory der vorgenannten LEEN-Netzwerke aufgreifend wurde das Konzept auf die Bedürfnisse und Voraussetzungen der KMU zugeschnitten. In einem ersten Schritt werden die Energieeinsparpotenziale der teilnehmenden Unternehmen identifiziert. Diese staatlich geförderten Audits führen staatlich akkreditierte Energieexperten durch. Auch Audits nach dem EDL-G (EnergieDienstLeistungs-Gesetz, für Nicht-KMU seit 2015 gesetzlich verpflichtend) sind Bestandteil des Konzepts. Anschließend werden Maßnahmen geplant, budgetiert und durchgeführt, die helfen Schwachstellen zu beseitigen und Einsparpotenziale zu nutzen.
 
Darüber hinaus unterstützt das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) die Berichterstattung des Nachhaltigkeitsmanagements. Um die interne Fachkompetenz der teilnehmenden Unternehmen zu stärken, bietet „EffNaNet" zusätzlich die Möglichkeit, in speziell entwickelten Zertifikatslehrgängen eigene Energie-und Nachhaltigkeitsexperten auszubilden. So können sich speziell auch kleine Unternehmen „virtuell" zusammenschließen, um die MitarbeiterInnen gezielt und kostensparend weiterzubilden. Insgesamt kann das Projekt Wertschöpfung Image des Unternehmens und Zufriedenheit und Loyalität der Mitarbeiter steigern. Grund genug selbst ein Knotenpunkt im Effizienz- und Nachhaltigkeits-Netzwerk zu werden.

forum Nachhaltig Wirtschaften, BAUM e.V., der Verband für Wirtschaft und Umwelt (VWU e.V.) und der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW e.V.) unterstützen deshalb EffNaNet als Partner und empfehlen ihren Mitgliedern und Lesern eine aktive Teilnahme für mehr Wertschöpfung und Effizienz.
 
Von Fritz Lietsch


Umwelt | Umweltschutz, 01.09.2018
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/03 2018 - Wasser - Grundlage des Lebens | Bildung erschienen.
     
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