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Sind deutsche Firmen nachhaltig?

Kommentare zu Susanne Bergius

Susanne Bergius sieht bei vielen deutschen Unternehmen immer noch einen großen Nachholbedarf beim Thema CSR: "... die Flut von Hochglanz-Broschüren darf nicht darüber hinweg täuschen, dass deutsche Firmen "Nachhaltigkeit" immer noch nicht selbstverständlich strategisch anpacken, obwohl sie wettbewerbsrelevant ist," schreibt sie in einem Beitrag für Forum Nachhaltig Wirtschaften und weiter: "Corporate (Social) Responsibility" ist ein beliebtes Schlagwort, doch Kindergärten, Kultursponsoring und Naturerlebnispfade sind keine Belege für "C(S)R", für unternehmerische Verantwortung, sondern für bürgerschaftliches Engagement, "Corporate Citizenship". Dies gibt es schon lange, hat aber Klimawandel und soziale Missstände nicht verhindert.




Für viele Unternehmen liegen Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility noch mehr oder weniger im Nebel.
Foto: Mathias Prange




Nur wenige Unternehmen verfügen über Managementbewusstsein und unternehmensweite Kontroll- und Reportingstrukturen, die internationalen Standards gerecht werden. Zudem sind die meisten Unternehmen in ihren Kerngeschäftsfeldern nicht nachhaltig.

Link zum Beitrag von Susanne Bergius

Wir haben Kollegen von Susanne Bergius um eine Stellungnahme und ihre Sicht der Dinge gebeten:

Martin Reim, Süddeutsche Zeitung

Den Bemerkungen von Kollegin Bergius ist kaum etwas hinzuzufügen. Wie mir scheint, ist es in der Tat weitgehend üblich, Corporate (Social) Resposibility als Instrument der Public Relations zu betrachten. Das zeigt sich an der wachsenden Zahl von spezialisierten Agenturen, die - so hat man den Eindruck - ihren Job als erfüllt ansehen, wenn sie bestimmte Schlüsselwörter in Publikationen unterbringen. Das soll keine Kritik an den Kollegen in den Agenturen sein; vermutlich liefern sie genau das, was ihre Auftraggeber verlangen. Eine glaubwürdige CSR/CR-Implementierung sieht jedoch anders aus (siehe Kollegin Bergius).

Noch an einem weiteren Punkt zeigt sich, dass in der CSR/CR-Diskussion oft zu flach geschürft wird. Es droht eine Verrechtlichung der Systeme, anstatt sie ethisch zu beeinflussen - Gesetze legen sich wie Mehltau auf die Inhalte. Exemplarisch zeigt sich dies am Widerstreit, ob Firmen einen Code of Conduct und einen Code of Ethics einführen sollten. Oftmals kommt ein Code of Conduct mit einem einklagbaren Regelwerk heraus, und kein Code of Ethics, der moralische Standards setzt und weit über die Juristerei hinausgeht.

Weiteres Beispiel für eine Schieflage in der Diskussion ist der Umgang mit Compliance. Natürlich muss es hier einen Kodex einklagbarer Regeln geben. Doch kann man Korruption nur dann nachhaltig bekämpfen, wenn man den potenziellen Tätern klarmacht: Sie handeln unmoralisch - eine intrinsische Motivation ist wirkungsvoller im Kampf gegen Bestechung als das äußerliche Aufdrücken von Regeln, die innerlich abgelehnt werden. Deshalb ist es ein schlechtes Zeichen, dass im "Netzwerk Compliance (e.V. in Gründung)" nur Anwälte und Unternehmensjuristen zusammengeschlossen sind. Hier gehört Expertise auch aus anderen Disziplinen hinein.

Allerdings zeigt solch eine Gründung auch etwas Positives: CR/CSR ist ein Thema mit wachsender Bedeutung - in den Führungsetagen von Unternehmen, in der Wissenschaft, bei Beratern und Prüfern, in den Medien. Darauf lässt sich bauen. Die Probleme von Korruption bis zum Klimawandel sind groß genug, die Mitglieder der Eliten müssen reagieren. Und immer mehr tun es schon.

Hannes Koch, Parlamentskorrespondent der Tageszeitung taz
www.hanneskoch.de, mail@hanneskoch.de

Susanne Bergius hat Recht, wenn sie schreibt, dass CSR in vielen Unternehmen noch eher eine Randerscheinung ist und nicht im Zentrum der Geschäftstätigkeit angekommen ist. Soziale und ökologische Nachhaltigkeit muss mehr bedeuten, als einen Kindergarten zu unterstützen oder ein Opernhaus zu subventionieren. Es geht darum, die gesamte Geschäftspolitik am Ziel der Nachhaltigkeit auszurichten. Dies würde etwa für Automobilhersteller wie Daimler oder BMW bedeuten, den Flottenausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid zu reduzieren, und nicht nur die Abgase einzelner Modelle. Heute dagegen fressen die zunehmende Zahl der hergestellten Kraftfahrzeuge und ihr insgesamt wachsender Schadstoffausstoß die Effiziengewinne beim einzelnen Modell wieder auf. Das Wachstum der Produktion darf keine Entschuldigung dafür sein, dass das Ziel der Nachhaltigkeit insgesamt verfehlt wird.

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