Besonders prekäre Situation von HeimarbeiterInnen in Indonesien

NGO fordert eine Stärkung der Arbeitsrechte von HeimarbeiterInnen in der Lederschuhproduktion

Sie stehen oft ganz am Anfang globaler Lieferketten, zählen aber zu den größten VerliererInnen der globalisierten Wirtschaft: HeimarbeiterInnen. Die Frauen und Männer, die häufig in nicht-registrierten und nicht-vertraglich abgesicherten Arbeitsverhältnissen in der Textil-, Bekleidungs- und Schuhproduktionsowie in der Herstellung von Handwerkskunst tätig sind, stellen einen großen Anteil unter den Beschäftigten in der informellen Wirtschaft weltweit dar. Zum heutigen Tag der Unabhängigkeit Indonesiens weist SÜDWIND daher auf die besonders prekäre Situation von HeimarbeiterInnen in Indonesien hin.
 
Die Arbeitsrechte von HeimarbeiterInnen in der Lederschuhproduktion müssen mehr gestärkt werden. © SÜDWIND e.V.Die neue SÜDWIND-Studie „Arbeitsrechte in der Informalität. HeimarbeiterInnen und die Internationale Arbeitsorganisation" belegt am Beispiel von HeimarbeiterInnen in der indonesischen Lederschuhproduktion, dass Heimarbeit meist mit prekären, schlecht bezahlten Tätigkeiten einhergeht, oftmals unter Inanspruchnahme von Kinderarbeit und fehlender sozialer Sicherung. „HeimarbeiterInnen in der indonesischen Lederschuh­industrie sind vielfältigen Arbeitsrechtsverletzungen aus­gesetzt", so Anton Pieper, Autor der Studie. „Sie verfügen über keine Arbeitsverträge, sind nicht sozialversichert und arbeiten zu Löhnen, die sich nur auf einen Bruchteil des lokalen Mindestlohns belaufen."
 
Im Jahr 2016 wurden in Indonesien 1,1 Mrd. Paar Schuhe produziert. Mit einem Weltmarktanteil von 4,8 % landete das südostasiatische Land damit auf dem vierten Platz der weltweit führenden schuhproduzierenden Länder (nach China, Indien und Vietnam). Die Schuhindustrie ist ein bedeutender Bestandteil der indonesischen Wirtschaft. Viele internationale Markenunternehmen investieren in Indonesien und stellen hiermit viele Arbeitsmöglichkeiten für IndonesierInnen bereit. Jedoch ist es nicht möglich, zu sagen, wie viele der insgesamt 1,1 Mio. Beschäftigten in der Schuh- und Lederindustrie HeimarbeiterInnen sind, bzw. wie viele noch hinzu zu zählen sind. In Indonesien ist Heimarbeit kein neues Phänomen, trotzdem sind HeimarbeiterInnen bis heute weitestgehend unsichtbar. Sie tauchen in den offiziellen indonesischen Arbeitsstatistiken nicht auf und besitzen somit auch keinen Rechtsstatus.
 
„Es kann nicht darum gehen, den Schaden, den andere Politikbereiche wie Handels- oder Agrarpolitik in Afrika anrichten, durch Kompensationszahlungen in Form von mehr Entwicklungshilfe zu mildern", meint Dr. Pedro Morazán, Handelsexperte bei SÜDWIND. „Vielmehr müssten gerade die harten Themen wie Handels- und Investitionsfragen jetzt ganz neu gedacht werden. Wenn die Regierungschefs das Ziel der Zukunftschancen für die Jugend in Afrika ernst nehmen, braucht Afrika jetzt vor allem eine strategische Partnerschaft, die die eigene Industrialisierung und die dynamischen kleinen und mittleren Unternehmen in der Region fördert. Sie sind es, die das größte Potential zur Schaffung von Arbeitsplätzen haben."
 
Dabei gibt es internationale Konventionen, die auch informell Beschäftigte vor Ausbeutung schützen und Arbeitsrechtsverletzungen verhindern sollen. Eine zentrale Organisation zur Durchsetzung der Interessen von Beschäftigten ist die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine Unterorganisation der Vereinten Nationen.Diese widmet sich seit langem auch der Situation von ArbeiterInnen in der informellen Wirtschaft. Nun analysiert SÜDWIND anlässlich ihres 100. Geburtstags, wie die ILO-Standards zum Schutz der Rechte von ArbeiterInnen insbesondere in der in­formellen Wirtschaft beitragen und wie die Rechte von HeimarbeiterInnen bes­ser geschützt werden können.
 
Das ILO Übereinkommen zu Heimarbeit weist einen extrem niedrigen Ratifizierungsstand auf. Die Studie belegt die Notwendigkeit, dass die ILO-Mitgliedstaaten das Übereinkommen über Heimarbeit endlich ratifizieren und in nationales Arbeitsrecht integrieren müssen. „Darüber hinaus müssen Unternehmen im Rahmen der Umsetzung unternehmerischer Sorgfaltspflichten die Rechte von HeimarbeiterIn­nen genauso achten wie die aller anderen Beschäftig­ten", fordert Pieper. „So sollten Unternehmen HeimarbeiterInnen, die für sie produzieren, formelle Arbeitsverträge anbieten und angemessen entlohnen."
 
Die Studie, die von Engagement Global im Auftrag des BMZ und von der Stiftung Umwelt und Entwicklung Nordrhein-Westfalen gefördert wurde, ist Teil von insgesamt sechs Studien zur Internationalen Arbeitsorganisation, die SÜDWIND in diesem und im vergangenen Jahr veröffentlicht hat.

Quelle: SÜDWIND e.V. - Institut für Ökonomie und Ökumene

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