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Was, Warum und Wie bei der WWW

forum-Interview mit Initiator Martin Rohla

Fragen zur Wiener Woche der Würde an den Initiator, für den WÜRDE das ist, was selbstverständlich sein sollte, nur nicht ist – unverzichtbar. 

Herr Rohla, müssen wir wieder daran erinnert werden, was WÜRDE ist?
Mag. Martin Rohla, hat mit seiner Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft diverse Unternehmen aus der Taufe gehoben – sein neuestes Projekt ist die Wiener Woche der Würde. © RohlaWürde kann das Geheimnis eines konfliktfreien Miteinanders sein, wenn man denn genau wüsste, was „Würde" eigentlich bedeutet. Die Aufnahme in alle Grundgesetze und das schöne Wort, sie sei „unantastbar", entstanden 1948, noch unter dem Eindruck des zweiten Weltkrieges, erklärt noch nicht, wie wir mit ihr umgehen sollten. Wie sehr die „Würde" des Menschen noch immer angetastet wird, sehen wir ganz einfach, wenn wir die Zeitung aufmachen: Mobbing, Altersarmut, herzloser Umgang miteinander, Kriege. Die WWW, die erste Wiener Woche der Würde, soll nun dazu beitragen, das Thema ins Blickfeld der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken, sowie den Begriff so zu schärfen, dass er praktikabler wird. Ergebnis soll das erste „Manifest der Würde" sein, in dem wir Haltegriffe finden, wie wir uns zu- und miteinander besser verhalten können. Für mich als Katholik hat Würde auch sehr mit Nächstenliebe zu tun.

Wie kommt man auf die Idee, eine Woche der Würde zu veranstalten?
Bei einem Kongress zum Thema Integration waren Katha Schinkinger und ich als Betreiber unseres orientalisch-österreichischen Restaurants Habibi & Hawara eingeladen, einen Vortrag zu halten, und haben dabei Dr. Zuzana Luckay Mihalinová kennen gelernt. Sie hat an den Human Dignity & Humiliation Studies mitgearbeitet, die 2015, 2016 und 2017 für den Friedensnobelpreis nominiert waren, und sie setzt sich als Linguistin und Autorin intensiv mit Würde als Begriff und Thema auseinander. Mehrere Stunden spannender Diskussion und ein paar Flaschen Wein führten zur gemeinsamen Idee einer Wiener Woche der Würde.

Im Deutschen Grundgesetz steht, die Würde des Menschen ist unantastbar. Damit sollte doch alles gesagt sein, möchte man meinen.
In fast allen Verfassungen, und vor allem auch in der UNO-Deklaration der Menschenrechte heißt es: „Alle Menschen sind gleich an Würde und Rechten geboren." Eigentlich fast ein Scherz… Würde kann – und sollte – die Spielregeln des respektvollen und daher dann friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen definieren. Und weil wir in der Stromschnelle der Zeit, in der wir uns gerade befinden, feste Ankerpunkte gut brauchen können, nehmen wir auch den Begriff und die Unantastbarkeit unter die Lupe.

Wie steht es denn um die Würde von Unternehmen und UnternehmerInnen?
Die Würde von UnternehmerInnen lässt sich am leichtesten mit dem Ruhen auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit finden: soziale Verantwortung = sei ein netter Mensch und tu andren nicht bewusst etwas Böses; ökologische Verantwortung = tu nichts, was die nächste Generation bereuen könnte; ökonomische Verantwortung = mache Gewinn damit, denn sonst bist du in einem kapitalistischen System nicht nachhaltig existent. „Würdenträger" oder „würdevoll" hat mit „Würde", wie wir sie definieren wollen, aber schon einmal gar nichts zu tun.

Wo wird aus Ihrer Sicht die Würde in der Wirtschaft angetastet?
Hier entwickelt sich gerade sehr viel zum Besseren – in vielen Branchen hat es der Konsument in die Hand genommen, produzierende und dienstleistende Unternehmen durch Kaufentscheidungen in Richtung Nachhaltigkeit zu motivieren. Und die Unternehmen, die hier nur fadenscheinig so tun, als ob sie erkannt hätten, dass nur mit wahrhaftiger Konzentration auf die soziale, ökologische und ökonomische Verantwortung noch ein nachhaltiges Geschäft zu machen ist, fallen immer öfter kräftig auf die Nase. Hier habe ich übrigens schon seit Jahren die Domain www.greenwashing.com geparkt und warte auf die Erleuchtung, was denn damit Gutes getan werden könnte... Vielleicht hat ja ein forum-Leser eine gute Idee!

Wie haben denn die Wiener, auch die „Würdenträger", auf Ihre Idee zur WWW reagiert?
Sensationell positiv! Unterstützung von allen Seiten: Wirtschaft, Politik und Kultur. Bundespräsident Alexander Van der Bellen übernahm den Ehrenschutz, der Bürgermeister von Wien, Michael Häupl, eröffnet die Veranstaltung, der zukünftige Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer und Ashoka Europa Chefin Marie Ringler diskutieren miteinander, Laura Himmelreich spricht über Würde in Sozialen Medien, aus Genf kommt Melissa Fleming von der UNHCR, etc. etc. ...

Wie kann man Sie bei der Realisierung noch unterstützen?
Wir könnten sehr gut noch ein paar Sponsoren brauchen, die uns helfen, die Kosten zu decken. Außerdem wünschen wir uns viele viele BesucherInnen und lebendige Diskussio­nen! Wir wollen das Thema in den Blickpunkt der öffentlichen Wahrnehmung rücken! Und wer gute Ideen fürs nächste Jahr hat, möge sich bitte melden – denn es wird auch in den nächsten Jahren eine WWW geben – eventuell auch in anderen Städten und Ländern. Deshalb: Ideas very welcome!

Was steht nach der WWW an? Was treibt Martin Rohla als nächstes?
Die Stadt Wien hat mir einen ihrer schönsten Plätze für die nächsten 30 Jahre zu treuen Händen anvertraut, das Schloss Cobenzl mit unglaublichem Blick auf ganz Wien. Da entsteht bis 2020 etwas ganz Tolles. Mit viel Weitsicht.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass wir den Begriff „Würde" alle so verinnerlicht haben, dass wir nicht mehr danach fragen müssen, was er eigentlich heißt.

Wie erreichen wir das?
Indem wir alle zur WWW kommen!

Herr Rohla, danke für das Gespräch. Und eine erfolgreiche WWW!
 
Mag. Martin Rohla, geboren 1963, verheiratet, drei Kinder, lebt in Kronberg und Wien. Er studierte BWL an der Johannes Kepler Universität Linz und war während des Studiums Trainee bei der Creditanstalt in New York. Als „serial entrepreneur" und konzessionierter Unternehmensberater arbeitete er von Anfang an selbstständig. Mit seiner Beteiligungs- und Beratungsgesellschaft hat er diverse Unternehmen aus der Taufe gehoben. Mit seinem Projekt Saint Charles Apotheke war er 2008 Finalist beim Entrepreneur of the Year. Seit 2011 ist er zudem Bio-Landwirt auf Gut Bergmühle.

Gesellschaft | Pioniere & Visionen, 10.04.2018
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2018 - Digital in die Zukunft? Tierische Geschäfte! erschienen.
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