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999 Zeichen für die Zukunft

… der Geschäfte mit Nutztieren

Diana Plange © privatWiederkehrende grauenvolle Bilder von verletzten, leidenden und gequälten Tieren in den Medien zeigen eine Tierhaltung, die kaum ein Mensch akzeptieren will. Die Aufnahmen stammen zudem nicht aus den Ställen einzelner schwarzer Schafe, sondern aus den Ställen selbst hochrangiger Funktionäre und belegen damit eindrücklich die Notwendigkeit eines kompletten Paradigmenwechsels hin zu einer gesellschaftlich akzeptierten, nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft. Ich wünsche mir, dass in den Medien, parallel zur notwendigen Dokumentation der Missstände, auch solche Betriebe gezeigt werden, die Tiere wertschätzend, verantwortungsvoll und mit Respekt halten. Mir ist die Unterstützung und Aufklärung der Menschen im Bereich Tierschutz wichtig, aber vorrangig die Ausbildung und Förderung der Empathie von Kindern zu Tieren ein besonderes Anliegen. Dazu werde ich, in Zusammenarbeit mit Tierschutzorganisationen und Lehrern, Berliner Schulen Tierschutz-Unterrichtsmodule anbieten und fördern.
 
Diana Plange, Fachtierärztin für Tierschutz und Tierschutzethik, Tierschutzbeauftragte des Landes Berlin
 
Jan Bock © Lidl Über eine Haltungskennzeichnung wurde ergebnislos diskutiert. Mit dem Haltungskompass haben wir gehandelt und treiben die Debatte weiter voran. Wir zeigen transparent, wie Tiere gehalten werden. Kunden können erkennen, dass vor allem Schweinefleisch aus Stufe 1 „Stallhaltung" stammt. Und sie sehen, dass mehr Tierwohl – die Stufen drei und vier – deutlich mehr kosten. Wir wollen: transparent zeigen, aus welcher Haltung die Tiere stammen; eine bewusste Kaufentscheidung für Fleisch aus tierwohlgerechterer Haltung ermöglichen und langfristig eine Anhebung der Tierwohlstandards. Am letzten Punkt muss die Branche mit den Partnern der Landwirtschaft arbeiten. Es geht nicht um Schuldzuweisungen. Die konventionelle Tierhaltung wird oft zu Unrecht kritisiert. Wir fordern verbindliche Vorgaben für Handel, Gastronomie und verarbeitende Industrie. Wir sehen den Staat in der Pflicht, sinnvolle Kriterien für eine tierwohlgerechtere Haltung zu definieren und zu unterstützten. Wir brauchen Maßnahmen mit Breitenwirkung. 
 
Jan Bock, Geschäftsleiter Einkauf, Lidl Deutschland
 
Inga Günther © ÖTZDie Zucht von Hühnern zur Eier- und Fleisch-Erzeugung liegt heute in der Hand von vier weltweit operierenden Unternehmen. Diese „Big4" kontrollieren die Kette von Zucht, Elterntierherden, Brütereien und Aufzucht. Was in den Zuchtzentralen entschieden wird, ist oft weit weg von Verbraucher-Erwartungen vor Ort sowie von den Anforderungen ökologisch wirtschaftender Betriebe.
Das Kupieren von Ferkelschwänzen und Hühnerschnäbeln sowie das Töten männlicher Küken lehnen Verbraucher ab. Auch die Aufzucht männlicher Rinder wirft Fragen auf. Die ökologische Branche setzt darum auf eigene Qualitätsmaßstäbe, die Umweltaspekte, Tiergerechtheit, Ressourcenschonung und nicht zuletzt auch die Ethik mit berücksichtigen. Kurzfristige Scheinlösungen wie die Geschlechtsbestimmung im Ei können darum keine Antwort für uns sein. Die Aufzucht und sinnvolle Verwertung männlicher Tiere sowie die Züchtung von robusten, vitalen Zweinutzungstieren müssen zum Standard für ökologische Betriebe werden.
 
Inga Günther, Geschäftsführerin der Ökologischen Tierzucht gGmbH

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2018 - Digital in die Zukunft? Tierische Geschäfte! erschienen.



     
        
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