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Warum Menschen wirklich fliehen

Ein Kommentar von Felix Finkbeiner

Mohammed ist neun, er kommt aus Syrien. Nun lebt er weit von zu Hause entfernt, in einem Flüchtlingslager in Deutschland. Fremdes Land, fremde Sprache. Wie Mohammed mussten viele Mädchen und Jungen fliehen, manche sogar ohne ihre Eltern und Geschwister.
 
Felix Finkbeiner, Botschafter für Klimagerechtigkeit © David Bolley, Plant-for-the-PlanetIn Europa diskutieren Menschen seit Monaten: Wer nimmt wie viele Flüchtlinge auf? Wie viel Geld kostet das? Was niemand sagt: Der Bürgerkrieg in Syrien wurde auch von der Klimakrise ausgelöst. Bevor der Krieg ausbrach, litten die Menschen in Syrien unter einer besonders schweren Dürre, die sehr wahrscheinlich mit der Klimakrise zusammenhängt – dafür sprechen zumindest viele Zahlen und Fakten.

Für die Menschen bedeutete die monatelange Trockenheit: Getreide war plötzlich doppelt so teuer wie sonst, Viehherden verdursteten und starben, Kinder bekamen zu wenig zu essen. Die Menschen zogen in die Städte, in der Hoffnung auf Arbeit und dadurch mehr Geld. Der Herrscher Assad unternahm aber nichts gegen das Chaos – auch deshalb wollten ihn die Bürger stürzen. Daraus ist ein Bürgerkrieg geworden, dreihunderttausend Menschen sind gestorben, fast fünf Millionen mussten aus dem Land fliehen.
 
Warum redet man bei uns nicht darüber? Menschen hungern wegen der Klimakrise.
Menschen dursten wegen der Klimakrise. Menschen bekämpfen sich untereinander wegen der Klimakrise. Menschen verlieren ihre Heimat wegen der Klimakrise. Mehr als jeder dritte Mensch lebt an einer Küste. Wenn der Meeresspiegel steigt, ist der Lebensraum dieser Menschen direkt bedroht.
 
Die Erwachsenen heute in Europa und auch anderswo tun so, als wären die Flüchtlinge ein lästiges Problem. Aber Flüchtlinge sind Menschen! Ein echtes Problem ist, dass Bürger der westlichen Welt, also zum Beispiel hier in Deutschland, mit ihrem Lebensstil jeden Tag die Klimakrise anheizen. Sie verbrennen Kohle und Gas, um Strom zu erzeugen. Sie verbrauchen Benzin, um Auto zu fahren. Sie betreiben intensive Landwirtschaft, die große Mengen Treibhausgase freisetzt. Sie essen Fleisch, obwohl die Herstellung sehr viel CO2 verursacht. Unter den Folgen dieser Lebensweise, nämlich unter der Klimakrise, leiden aktuell aber vor allem Menschen in ärmeren Ländern. Denn es entwickeln sich, wie in Syrien zum Beispiel, Bürgerkriege und die Menschen müssen aus ihrer Heimat fliehen. Gleichzeitig sind die Folgen der Klimakrise nicht als Grund anerkannt, diesen Menschen die Erlaubnis zu geben, sicher in Deutschland zu leben.
 

Felix Finkbeiner

Botschafter für Klimagerechtigkeit

Der heute 19-Jährige hielt mit neun Jahren ein Referat über die Klimakrise. Am Ende sagte er zu seinen Mitschülern: „Lasst uns in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen!" Kinder aus über 100 Ländern gründeten die Kinder- und Jugendinitiative Plant-for-the-Planet. In eintägigen Akademien bilden Kinder andere Kinder zu „Botschaftern für Klimagerechtigkeit" aus. Ziele bis 2020 sind: eine Million Botschafter und 1.000 Milliarden neue Bäume, also 150 je Mensch.

Die UNEP übergab den Kindern die Verantwortung für den Welt-Baumzähler, der schon 14 Milliarden Bäume umfasst. Mehr dazu erfährst du auf www.plant-for-the-planet.org

Wir müssen jetzt handeln! Wir müssen den CO2-Ausstoß senken. Wir müssen Bäume pflanzen, denn sie binden CO2 und helfen so gegen die Klimakrise.
Gemeinsam mit vielen Erwachsenen, Regierungen und Unternehmen konnten wir Kinder und Jugendliche von Plant-for-the-Planet schon 14 Milliarden Bäume pflanzen. Aber das ist viel zu wenig. Wir brauchen 1.000 Milliarden weitere Bäume. Wir brauchen jede Hilfe, um dieses Ziel zu erreichen.
 
Jeder Baum bedeutet Hoffnung für die Menschen, die am meisten unter der Klimakrise leiden werden. Hoffnung, dass ihr Land nicht im Meer versinkt, nicht austrocknet und nicht in einen grausamen Krieg stürzt. Hoffnung, zu überleben.
Felix Finkbeiner

Umwelt | Klima, 01.05.2017
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 02/2017 - Wie ernähren wir uns in Zukunft? erschienen.
     
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