66 seconds for the future - forum zeigt Zukunftsgestalter:innen und Nachhaltigkeitspionier:innen

Bierbrauen:

Grenzüberschreitendes Projekt befasst sich mit der Verwendung von Braurückständen

Foto: Tomasz Mikolajczyk, pixabay.comUm die 106 Liter Bier hat 2015 im Schnitt jeder Deutsche getrunken. Beim Brauen des Gerstensafts fallen viele Rückstände an, europaweit sind das rund 400.000 Tonnen im Jahr. Nur ein Teil davon wird als Tierfutter wiederverwertet. Wie dieser Abfall nachhaltig genutzt werden kann, etwa als Rohstoff für die Chemie-Industrie oder als Quelle für pharmakologische Wirkstoffe, damit beschäftigt sich ein Projekt an der TU Kaiserslautern, der Saar-Uni sowie den Universitäten in Lothringen, Luxemburg und Lüttich und dem belgischen Unternehmen Celabor. Der Europäische Strukturfond zur regionalen Entwicklung (EFRE) fördert es mit 1,84 Millionen Euro. Das Gesamtbudget liegt bei über drei Millionen Euro. 

Beim Bierbrauen setzen Hefen die im Malz enthaltenen Zucker während der Gärung zu Alkohol und Kohlendioxid um. Weitere Bestandteile aus dem Getreidemalz benötigen die Mikroorganismen, um zu wachsen und sich zu vermehren. Trotzdem fällt beim Brauen viel Abfall an. „In diesen Rückständen, in Fachkreisen auch Treber genannt, stecken noch viele wertvolle Inhaltstoffe", sagt Professorin Dr. Elke Richling, die an der Technischen Universität Kaiserslautern zur Lebensmittelchemie und Toxikologie forscht. Gemeinsam mit ihren Kaiserslauterer Kollegen Professor Dr. Werner Thiel und Professor Dr. Roland Ulber wird sie untersuchen, wie diese Abfälle künftig nachhaltig und ressourcenschonend genutzt werden können.

Professor Thiel beschäftigt sich mit den Fetten, die im Treber enthalten sind und die letztendlich aus den Gerstenkeimen stammen. „In ihnen sind zum Beispiel viele ungesättigte Fettsäuren enthalten, die die Hefen bei der Gärung nicht brauchen", sagt Thiel, der den Lehrstuhl für Anorganische Chemie innehat. Diese Stoffe möchte das Team um den Chemiker zunächst genauer identifizieren. In einem nächsten Schritt möchte es daraus Produkte für die Industrie aufbereiten. „Zum Beispiel lässt sich daraus Glyzerin gewinnen, das in der chemischen Industrie vielseitig einsetzbar ist; aus den ungesättigten Fettsäuren kann man Vorprodukte für die Kunststoffherstellung erhalten", fährt der Professor fort. „Für diese Fragestellungen werden wir die nötigen Katalysatoren entwickeln."

Professor Ulber vom Lehrgebiet Bioverfahrenstechnik wird beispielsweise untersuchen, welche Substanzen anfallen, wenn die Rückstände weiter fermentiert werden. „Wir nutzen dazu verschiedene Mikroorganismen wie Pilze und Bakterien", sagt der Professor, der sich an der TU Kaiserslautern auch in der Brau AG engagiert. „Die dabei anfallenden Stoffe wird im Anschluss Professorin Richling genauer unter die Lupe nehmen."

Zunächst wird die Professorin für Lebensmittelchemie und Toxikologie alle Substanzen oder Extrakte, die ihre Kollegen aus den Rückständen gewinnen, toxikologisch untersuchen. „Wir müssen uns rückversichern, dass von den Stoffen keinerlei Gefahr für die Gesundheit ausgeht", sagt sie. Außerdem wird sich die Forscherin näher damit beschäftigen, wie die Substanzen den Zuckerstoffwechsel des Menschen beeinflussen. „Es gibt einige Hinweise darauf, dass verschiedene Stoffe aus dem Treber die Aufnahme von Zucker ins Blut unterbinden", so Richling weiter. „Das werden wir überprüfen und uns anschauen, welchen Einfluss sie haben."

Am Forschungsvorhaben sind auch Professor Claus Jacob von der Universität des Saarlandes sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Luxemburg, Lothringen und Lüttich beteiligt.

Das Projekt wird von Lüttich aus koordiniert. EFRE fördert das Vorhaben im Rahmen seiner Interreg-Initiative. Wichtig hierbei ist, dass es für kleine und mittlere Unternehmen der Region, wie etwa für viele kleine Brauereien in Belgien, einen wirtschaftlichen Nutzen liefern kann. Aber auch lokale Brauereien aus der Region können davon profitieren. So bekundeten die Brauereien Karlsberg aus dem saarländischen Homburg sowie die beiden pfälzischen Brauereien Bischoff aus Winnweiler und Park&Bellheimer aus Bellheim bereits ihr Interesse an dem Projekt.

Das Projekt „Bioval" geht im April an den Start und hat insgesamt ein Budget von über drei Millionen Euro, EFRE fördert es mit rund 1,84 Millionen Euro, davon gehen über 817.000 Euro an die TU. Derzeit gibt es an der TU Kaiserslautern fünf Projekte, die durch EFRE mit insgesamt über 2,6 Millionen Euro gefördert werden.

Kontakt:  presse@uni-kl.de | https://idw-online.de/de/news667839



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Zukunft braucht Frieden

forum 02/2026

  • Militär & Märkte
  • Grüner Wasserstoff
  • Moorschutz als Invest
  • ESG loves KI
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
MÄR
2026
Erneuerbare - rund um die Uhr (nutzen)
33. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Solar-Initiativen (ABSI)
84524 Neuötting
21
APR
2026
Sustainable Economy Summit
Rückenwind für die Wirtschaft der Zukunft
10117 Berlin
08
JUN
2026
SuperReturn Energy Transition - Ticket discount for forum readers!
Powering progress. Investing in the future of energy.
10789 Berlin
Alle Veranstaltungen...
forum goes international! Download the international edition for forum free of charge.
Anzeige

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Das Recht des Stärkeren
Christoph Quarchs philosophische Analyse zum US-Angriff auf Venezuela
B.A.U.M. Insights
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.

Jetzt auf forum:

Auftakt mit Strahlkraft - Let's talk about Cotton

3-phasiges Solar- und Speichersystem der nächsten Generation mit integrierter Ersatzstromfunktion

Warum Recycling allein nicht reicht

Sondervermögen: Das 11 Milliarden-Potenzial des Klima- und Transformationsfonds (KTF)

Nachhaltig Ostern feiern

Klimaziele 2030 und 2040 werden deutlich verfehlt

Vertane Chance für mehr Menschenrechtsschutz in globalen Lieferketten

Gemeinschaftsverpflegung, Handel und Deutsche Gesellschaft für Ernährung in der Pflicht

  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • SUSTAYNR GmbH
  • WWF Deutschland
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • ZamWirken e.V.
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • NOW Partners Foundation
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Engagement Global gGmbH
  • circulee GmbH
  • TÜV SÜD Akademie
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG