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Die normative Kraft des Faktischen

Mainstreaming und Qualität im nachhaltigen Finanzwesen

Mit der Veröffentlichung seiner Marktstatistik läutete der Branchenverband Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) am vergangenen Montag in Berlin eine für die Bank- und Versicherungswirtschaft bedeutsame Woche ein. Die überbuchte Jahreskonferenz des Rats für Nachhaltige Entwicklung (RNE) folgte am Dienstag. Auch hier fand sich die Finanzwirtschaft an prominenter Stelle. Schließlich stand die erste Sitzung des Beirats für nachhaltige Finanzen der Bundesregierung am Donnerstag auf der Agenda. Zeichen eines Wandels in der Branche? In der Tat! Verantwortliches bzw. nachhaltiges Investieren ist ein Boomthema.
 
Ein Bericht aus Berlin von forum-Autor Markus Scholand

Ein Plädoyer für nachhaltiges Handeln durch Angela Merkel . © RNE (2019)Im Jahr 2018 explodierte das Volumen bei nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten in Deutschland auf € 133,5 Mrd. Gerade der institutionelle Bereich ist mit 93 % der Investments die Triebfeder des Marktes. Institutionelle Investoren stellen sich bereits auf eine erwartete stärkere Regulierung von Finanzanlagen ein. Doch nicht alles ist Gold, was glänzt. Im europäischen Vergleich gerät der deutsche Finanzmarkt immer mehr ins Hintertreffen, wenn es um die Nachhaltigkeit im Finanzsektor geht. Auch die Qualität mancher Anlageprodukte lässt zu wünschen übrig. Das FNG versucht, hier gegenzusteuern. Bereits im Herbst 2018 erhielten 65 Investmentfonds das Gütezeichen des Verbandes. Aktuell sind Fondsanbieter noch bis zum 7. Juli 2019 aufgerufen, die Qualität ihrer Produkte und die Einhaltung von Mindeststandards in einem Audit nachzuweisen.
 
Neue Impulse für die Märkte
Marktbeobachter erkennen seit wenigen Jahren an den deutschsprachigen Finanzmärkten eine Entwicklung, die noch kurzer Zeit unwahrscheinlich erschien. Etablierte Fachverbände wie das FNG oder der Verein für Umweltmanagement und Nachhaltigkeit in Finanzinstituten (VfU) arbeiteten zwar schon seit etwa zwei Dekaden daran, das Bank- und Versicherungswesen verantwortlicher, ökologischer oder nachhaltiger zu gestalten. Die Erfolge ihrer Aktivitäten strahlten jedoch noch nicht in die Breite der Branche aus. Und genau das ändert sich aktuell! Das Geldwesen nachhaltig auszurichten, neudeutsch gerne als "Sustainable Finance" bezeichnet, ist nicht nur als Trendthema in Mode gekommen. Dass Fragen nachhaltiger Entwicklung ganz originär das Kerngeschäft der Finanzinstitute, vor allem ihr Risikomanagement, betreffen, spricht sich in der Breite des Sektors nun langsam herum. Matthias Kopp vom WWF Deutschland formuliert diesen Sinneswandel ganz richtig, wenn er feststellt, "... es werden Diskussionen geführt, die noch vor drei Jahren undenkbar gewesen wären."
 
Impulsgeber für diesen Sinneswandel waren allerdings weniger neue Initiativen oder Verbände der Bank- und Versicherungswirtschaft, die seit 2017 am Markt beobachtet werden konnten. Vielmehr zeigte sich ein Auslöser, der bereits bei anderen Themen Bewegung in die Finanzwelt brachte: Faktische oder tatsächliche Regulierung. Auch die Nachhaltigkeit erhielt so durch politische Aktivitäten neuen Schub, u.a. in Form eines EU-Aktionsplans ab März 2018. Erkennbar ist dieser Schub nicht nur an vielen internen Diskussionen über Strategien und Geschäftsmodelle, die bei Banken oder Verbänden geführt wurden. Erkennbar wird dieser Schub vor allem und ganz konkret am Markt für Finanz- und Kapitalanlagen.
 
Verantwortliches Investieren auf Höhenflügen
Bei der Vorstellung des Marktberichts des FNG konnte dessen Vorsitzender, Volker Weber, am Montag vergangener Woche zunächst abstrakt auf die Impulswirkung verschiedener politischer Rahmensetzungen hinweisen. Sie schaffen Klarheit für die Produkt- und Vertriebsplanung der Finanzinstitute. Eine Klarheit, welche die Branche dringend einfordert. Klarere Regulierung bei der Anlageberatung oder höhere Transparenzanforderungen für Asset Manager gehören dazu. Die Marktstatistik des FNG spricht dazu eine deutliche Zahlensprache. Mit € 219 Mrd. erreichte das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen zum Jahresende 2018 in Deutschland einen neuen Höchststand. Darin sind nachhaltige Investmentfonds oder Mandate mit € 133 Mrd. bereits enthalten. Sie legten um insgesamt € 41 Mrd. zu und erlangten einen Marktanteil von nunmehr 4,5 %. Legt man die schwächeren Umwelt- und Sozialkriterien sogenannter verantwortlicher Investment zu Grunde, dann das Gesamtvolumen aller Investments in Deutschland mit € 1,5 Bio. fast sechsmal so hoch. Ganz ähnlich, wenngleich mit kleineren Volumina, zeigt sich der Markt in Österreich. Verantwortliche Investments wuchsen hier in nur einem Jahr um beachtliche 66 % an. Einen ähnlich hohen Wert (72 %) weist der Zuwachs an nachhaltigen Investmentfonds und Mandaten in der Schweiz auf. Hier wird bereits ein Marktanteil von knapp 20 % erreicht.
 
Während in der Schweiz ein Drittel der nachhaltigen Fonds und Mandate von privaten Anlegern gehalten wird, ist diese Kundengruppe in Österreich und Deutschland zunehmend abgehängt. Denn während Investmentprofis die Bedeutung von ESG-Kriterien in ihren Portfolien immer besser begreifen, vor allem mit Blick auf das Risikomanagement von Kapitalanlagen, stellt sich der Finanzvertrieb in Richtung privater Kunden als Flaschenhals heraus. Zwar erfreut der Absatzzuwachs bei allen Kundengruppen die Produktanbieter. Die Zahlen der ersten Abbildung zeigen jedoch, dass das Geschäft mit "Instis" den Retailmarkt beim nachhaltigen Investment seit langem abgehängt hat. Oder, um es anders zu formulieren, die Branche "verschläft" mögliche Absatzerfolge bei Privatkunden.
 
Anlagevolumina (Mrd. €) und Zuwachsraten (%) bei verschiedenen Anlegergruppen in Deutschland © FNG (2019)Dass - trotz aller Erfolgsmeldungen - für deutsche Finanzinstitute im europäischen Vergleich möglicherweise nur noch die Rücklichter eines abfahrenden Zuges zu erkennen sind, veranschaulichte tags darauf beim RNE Alexander Schindler von der genossenschaftlichen Union Investment. Die Dynamik in Brüssel sei erheblich. Der Aktionsplan der EU setze Standards, andere Staaten seien in der Umsetzung weiter fortgeschritten und deutsche Finanzinstitute faktisch nicht darauf vorbereitet, die Vielzahl neuer Anforderungen bei ESG-Themen zu bedienen. Dies gelte gleichermaßen für spezielle Marktnachfragen wie für Transparenzverpflichtungen oder Anforderungen von Aufsichtsbehörden. 80 % der Banken und Versicherungen, die 2020 einer Berichtspflicht nach dem CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSRUG) unterliegen, sind kleinere und mittlere Institute. Eine Institutsgruppe, für die es sich als herausfordernd bis unmöglich erweisen kann, innerhalb kurzer Zeit zentrale ESG-Themen zu erarbeiten, zu bewerten, im Geschäftsmodell zu berücksichtigen und schließlich auch darüber zu berichten. Die Branche müsse aufpassen, so Schindler, dass es ihr nicht wie dem Automobilsektor gehe: Auch dort habe man die Augen lange vor absehbaren Markttrends wie auch vor existierender Regulierung verschlossen. Mit hinlänglich bekannten Folgen. Das bisherige Zögern der Finanzbranche, wenn es um mehr Nachhaltigkeit im Kerngeschäft gehe, sei damit vergleichbar, so die These. Der Wirtschaftsprofessor Alexander Bassen unterstützt die Aussagen des Bankmanagers. "Wenn Deutschland tatsächlich der Sustainable-Finance-Standort werden soll, dann muss noch Erhebliches passieren" so seine akademische Perspektive.
 
Politische Unterstützung für Sustainable Finance
Dabei sind die zu Grunde liegenden Ideen und Konzepte, die sich hinter dem Oberbegriff der Sustainable Finance verbergen, alles andere als neu. Wissenschaftler diskutierten sie bereits vor vier Dekaden und in der Geschäftspraxis internationaler Institute hielten sie vor gut zwei Jahrzehnten Einzug. Neu ist allerdings das bereits beschriebene Zusammentreffen verschiedener begünstigender Rahmenbedingungen ab dem Jahr 2017. Sie konnten einer verstärkten Öffnung der Bank- und Versicherungsbrache in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung den Boden bereiten. Branchenkenner bezeichnen dies als "Window of Opportunity" für den Finanzsektor. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel wie auch der Bundesminister der Finanzen, Olaf Scholz, sprachen daher auf der Jahreskonferenz des RNE unisono davon, dass eine nachhaltige Finanzwirtschaft nunmehr nicht nur ein Thema sei, über das man reden könne. Es sei ein Thema, bei dem jetzt aktives Handeln gefragt ist! Während die Bundeskanzlerin eher allgemein auf Erreichtes sowie nachhaltigen Handlungsbedarf der Zukunft einging, skizzierte der Minister konkreter die Sustainable Finance Strategie des Bundes.
 
Eine Vielzahl von Maßnahmen von der Umsetzung der Vorgaben der EU über einige legislative Aktivitäten, die Haushalts- oder Ausgabenpolitik bis hin zu Marktmechanismen spielen hier zusammen. Diese Maßnahmen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zusammenzuführen, das erfordere eine klare Strategie und finanzielle Ressourcen für den Transformationsprozess. Mit Blick auf die Strategie sei ein erster Schritt gegangen, denn, so Scholz, am Donnerstag der Woche treffe sich erstmals der Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung. Ziel dieses neu geschaffenen Gremiums sei, die europäische Diskussion zu begleiten, Wissensgrundlagen zu verbessern und die Basis einer nachhaltigen Finanzwirtschaft in Deutschland auszubauen, indem Impulse gesetzt und bestehende Kräfte gebündelt werden. Brancheninsider sehen gerade diesen Impuls der Bundesregierung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits ist zu begrüßen, dass die Regierung über eine zentrale Kompetenz- und Beratungsinstanz eine gerade in Nachhaltigkeitsfragen so wichtige Integration der Sichtweisen unterschiedlicher Anspruchsgruppen erreichen möchte. Andererseits wird davon ausgegangen, dass die erforderlichen Konsultationsprozesse einen Zeitrahmen erfordern, die eine deutsche Führungsposition in der Diskussion um Sustainable Finance immer unwahrscheinlicher werden lässt. Und, last but not least, ein neues politiknahes Beratungsgremium könne sowohl im Anspruch, inhaltlich oder auch personell mit den Zielen anderer Akteure oder Verbände, die bereits am Markt aktiv sind, kollidieren. Ob der Sustainable Finance Beirat daher ein Katalysator oder ein Bremsklotz für eine schleppend in Fahrt kommende nachhaltige deutsche Finanzwirtschaft wird, das wird sich zeigen müssen.
 
Markt mit eigenen Regeln
Unbenommen der politischen und konzeptionellen Diskurse im Hintergrund geht der Markt inzwischen seinen eigenen Weg. Er schafft gewissermaßen seine eigenen Tatsachen. Denn das stete und auch hartnäckige Engagement vieler Protagonisten einer verantwortlichen Wirtschaftsweise hat über die Jahre dazu geführt, dass Fragen nachhaltiger Entwicklung im Finanzwesen bereits an vielen Punkten so präsent sind, dass sich aus dem Sein eine Norm entwickelt. Inhalte und Verständnisweisen haben sich mithin so weit etabliert, dass sie die Basis für zukünftiges Handeln bilden. Dies geschah, ohne dass der Aktionsplan der EU bisher zur Gänze umgesetzt ist, die Bundesregierung ihre Sustainable Finance Policy lanciert hat oder die tradierten Branchenverbände zu Vorreitern des ESG-Denkens wurden. Diese normative Kraft des Faktischen lässt es usus werden, das Banken bei Kreditentscheidungen alleine schon mit Blick auf ihre eigene Risikopolitik an Umweltgesichtspunkte denken. Oder dass Asset Manager bei ihren Investments wie selbstverständlich prüfen, ob eine Anlage auf Grund möglicher Klimarisiken wirklich dauerhaft ertragreich sein kann. Der aus dem juristischen Umfeld stammende Begriff der normativen Kraft des Faktischen - er wird dem Staatsrechtler Georg Jellinek zugeschrieben - kennzeichnet damit eine Tatsache, die immer mehr zum Selbstverständnis des Alltagsgeschehens wird. Was juristisch den Rechtssetzungsprozess durch die soziale Wirklichkeit beschreibt, bedeutet für die Finanzwirtschaft einen steten Systemwandel durch wachsendes Bewusstsein für gesamtgesellschaftliche Verantwortung in breiten Verkehrskreisen.
 
Nachhaltigkeitsmanager in Banken und Versicherungen haben dabei die Statistik auf ihrer Seite. Folgt man dem "Paradigma der kritischen Masse", so befindet sich die Branche gerade an einem zentralen Umbruchpunkt. Um das neue Denken einer nachhaltigen Finanzwirtschaft zu etablieren, sind, schenkt man dem Stand soziologischer Forschung sowie der Spieltheorie Glauben, nur 5 bis 10 % engagierter Protagonisten notwendig. Das einfache Prinzip der Kooperation von Akteuren, die eine kritische Masse bilden, kann so einen selbsttragenden Transformationsprozess auslösen, ein neues Paradigma etablieren und soziale Gruppen oder auch Märkte in eine neue Richtung lenken ... und zwar in einer sehr dynamischen Form. Diese "Schwellwerte" sind, so zeigen es etwa die Zahlen des Marktberichts des FNG, in den DACH-Staaten bereits seit einigen Jahren erreicht. Auch in anderen Handlungsfeldern von Finanzinstituten, etwa im Kreditrisikomanagement, in der eigenen Betriebsführung oder in der Personalwirtschaft, haben relevante ESG-Indikatoren die erforderlichen Schwellenwerte längst überschritten. Die These sollte daher nicht sein, ob eine nachhaltige Finanzwirtschaft kommen wird, sondern eher, wie schnell. Strategien in den Finanzhäusern erwarten daher auch zu Recht ein weiterhin rasantes Wachstum mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten über alle Geschäftsfelder der Häuser. Die neuen Initiativen bis hin zum Beraterkreis der Bundesregierung können damit eigentlich nur noch eines tun: Die Entwicklung zusätzlich beschleunigen.
 
Dynamik und Qualität
Je dynamischer ein Prozess abläuft und je höher die Ertragserwartungen sind, desto näher liegt es, dass Trittbrettfahrer profitieren wollen. Welcher Anbieter möchte nicht teilhaben, wenn das durchschnittliche jährliche Wachstum bei den nachhaltigen Investments institutioneller Investoren seit 2012 bei 35 % lag? In einem sonst oft stagnierenden und von Vertrauensverlust geprägten Markt winken hier Absatzerfolge und Provisionen. Damit vor diesem Hintergrund die Glaubwürdigkeit der Anbieter und die nachhaltige Produktqualität nicht erodiert, finden sich verschiedene Gütezeichen für Anlageprodukte. Dass sich ihre Gesamtzahl inzwischen um 20 bewegt, ist der Transparenz am Markt nicht unbedingt zuträglich. Allerdings konnten sich einige Gütezeichen hervorheben, im Bereich der auditierten Zeichen etwa das FNG-Siegel der in Berlin ansässigen Gesellschaft für Qualitätssicherung Nachhaltiger Geldanlagen (GNG).
 
Bereits im November 2018 konnte die GNG das Siegel an 65 Investmentfonds vergeben. 30 Fondshäuser hatten sich um die Auszeichnung beworben, ein Zuwachs von 40 % gegenüber 2017 und eine nochmalige Beschleunigung des Wachstums, das gegenüber 2016 schon bei 25 % lag. Etwa 10 % aller nachhaltigen Fondsprodukte am Markt sind damit durch das FNG-Siegel ausgezeichnet. Bezieht man andere Gütezeichen mit ein, so dürfte der Anteil Produkte mit einem ausgewiesenen externen Qualitätsnachweis bis zu 20 % betragen. Ein Wert, der die weiter oben angesprochene "kritische Masse" in Erinnerung ruft. Nur ein Bewerber fiel 2018 im Bewertungsprozess der GNG durch. Es gab Schwächen im Bereich der Governance. In der Gesamtschau ist das ein positives Zeichen, denn die Bewerber arbeiten an der Qualität ihrer Produkte und wissen, was sie im Audit erwartet. Sie sind damit gleichermaßen Vorreiter und Vorbilder für den Rest der Branche. Wenn dort immer noch und häufig argumentiert wird, Nachhaltigkeitsthemen seien zu komplex und teuer, um in Investmentprozessen berücksichtigt zu werden, dann ist dies mit Blick auf das Gesagte eine mittelfristig zum Aussterben verurteilte Argumentation. Denn genau anders herum wird ein Schuh daraus: Traditionell arbeitende Finanzhäuser müssen sich inzwischen dafür rechtfertigen, warum sie keinen stärkeren Wert auf Fragen unternehmerischer Verantwortung bei ihren Produkten legen, deren Impacts nicht ausweisen können oder in der Kundenberatung nicht darauf eingehen. Und dies bereits, ohne dass bislang regulatorische Vorgaben solche Erklärungen einfordern würden.
 
FNG-Siegel als Zeichen für Produktqualität . © FNG (2018)Inwieweit die Erfolgsgeschichte des FNG-Siegels in die Zukunft fortzuschreiben ist, lässt sich nicht vorhersagen. Zu dynamisch ist derzeit der Markt. Und tradierte Akteure suchen nach Partnern mit ausgewiesener ESG-Kompetenz. Auch die drei einst unabhängigen Nachhaltigkeitsberater in Deutschland haben zwischenzeitlich ihre Eigenständigkeit aufgegeben. Die GNG strebt allerdings weiter an, ihr Gütezeichen unbenommen der Konkurrenz oder der Bestrebungen der EU nach einem europäischen Label als führenden Qualitätsmaßstab für nachhaltiges Investment in den DACH-Staaten zu positionieren. Die Chancen dafür stehen nicht zu schlecht, denn auch bei Aufsichtsbehörden und Regulatoren steht die Nachhaltigkeit von Finanzprodukten stärker im Fokus - allein schon aus den bereits genannten Gründen des Risikomanagements und der Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle von Banken und Versicherungen. Die GNG hat dazu ihre Auditsystematik mit ESG-Mindestanforderungen sowie Bewertungen und in den Bereichen der institutionellen Glaubwürdigkeit, zu Produktstandards sowie bei Auswahl- und Dialogstrategien angepasst und erweitert. Auch Emittentenanalysen mit Ausschlusslisten runden die Beurteilung der GNG ab. Damit haben Produktanbieter die Chance, ihre Produktstandards extern beurteilen zu lassen und das aggregierte Ergebnis auch in der Kommunikation zu verwenden. Denn es muss gesagt sein: Nachhaltigkeit ist kein einfaches Thema und jedes Instrument, das die Komplexität reduziert, sollte willkommen sein. Die aktuelle Bewerbungsphase für das FNG-Siegel läuft noch bis zum 7. Juli dieses Jahres. Die Vergabe der Auszeichnungen erfolgt dann am 28. November in Frankfurt am Main.
 
Nicht "ob" sondern "wie schnell"
Drei Termine zeigten in dieser Woche in Berlin, dass die nachhaltige Finanzwirtschaft an Fahrt gewinnt. Die ist noch kein Mainstream, aber auf einem guten Weg dorthin. Im Bereich der Investments konnte das FNG mit harten Zahlen unterlegen, dass sämtliche nachhaltige Anlagestrategien stark zulegten, vor allem getrieben durch institutionelle Investoren. Bereits 14 Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus legen die gesamten Kundeneinlagen unter ESG-Kriterien an. Auch die Referenten auf der Jahrestagung des RNE machten deutlich, dass die deutsche Finanzwirtschaft über kurz oder lang eine eigene Nachhaltigkeitsstrategie erhalten wird. Ob regulativ gesteuert oder aus der Branche heraus, das bleibt noch der Zukunft überlassen. Ebenso die Frage, ob das hehre Ziel, Deutschland zu einem "Leader" in Sachen Sustainable Finance zu machen, erreicht wird. Eine gesunde Skepsis ist hier geboten, denn derzeit braucht es eher weniger der Diskussion als vielmehr des konkreten Handelns. Oder, wie es Marlehn Thieme als Vorsitzende des RNE auf dessen Jahrestagung formulierte, es bedürfe nun einer Strategie, die "hart und eckig" sei. Vieles sei bisher unterlassen worden und schnelles Handeln nun mehr als geboten. Ein wahres Wort!
 
Dr. Markus Scholand ist im ecofin Verbund als Wissensmanager und Fachautor tätig.

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