Zertifizierter ESG Reporting Professional. Fit für CSRS & Co. - ESG-Reporting souverän meistern.

Anarchie meets Carsharing

Startups punkten mit Gesetzesbrüchen

Manche Startups der Sharing Economy kommen mit dem Gesetz in Konflikt. Das hebt ihr Image bei den Kunden, zeigt eine Studie an der Universität Hohenheim. 

Kunden lieben Anarchie bei Unternehmen der Sharing Economy – besonders wenn sie das übertretene Gesetz für illegitim halten. Das ergab eine Studie von Prof. Dr. Marion Büttgen und Matthias Steinert von der Universität Hohenheim. Die Wissenschaftler legten in einem Online-Experiment Probanden verschiedene Szenarien zu einem fiktiven Carsharing-Unternehmen vor. Die Ergebnisse können für den wirtschaftlichen Erfolg von Startup-Unternehmen von Bedeutung sein.

Foto: Kenn 2332, pixabay.comPrivat-Taxis zum günstigen Preis – eine tolle Sache. Und wenn der Anbieter dabei bestehende Gesetze bricht, sollte man ihn erst Recht unterstützen. Vor allem wenn es sich um eine unsinnige Rechtsvorschrift handelt. Diese Kunden-Sicht ist der Tenor einer Untersuchung an der Universität Hohenheim.

Prof. Dr. Marion Büttgen und Mattias Steinert vom Fachgebiet Unternehmensführung haben untersucht, wie potenzielle Kunden ein anarchisches Verhalten von Startup-Unternehmen der Sharing Economy empfinden. „Das und die wahrgenommene Legitimität des gebrochenen Gesetzes wirken sich auf Verhalten und Einstellungen der Kunden aus."

Fiktives Mitfahr-Unternehmen vor Gericht
Steinert führte dazu im Rahmen seiner Masterarbeit ein Online-Experiment durch. Insgesamt 650 Probanden, davon 334 abgeschlossene Befragungen, legte er ein fiktives Szenario vor:

Das Unternehmen Driver4U vermittelt mittels Handy App Fahrgäste an Privatpersonen, die sich mit ihrem Privat-PKW als Chauffeure anbieten – zu einem Preis weit unter den üblichen Taxi-Tarifen. Die Billig-Konkurrenz ist den etablierten Taxi-Unternehmen ein Dorn im Auge. Sie reichen Klage gegen Driver4U ein. Ein Gericht verbietet Driver4U den Geschäftsbetrieb.

„Dann variieren wir das anarchische Verhalten des Unternehmens und die Legitimität der gebrochenen Rechtsvorschrift für verschiedene Teilnehmer-Gruppen", erklärt Prof. Dr. Büttgen das Experiment.

Variation des anarchischen Verhaltens
Variante 1: Die Probanden in dieser Gruppe erfahren, dass sich Driver4U einen Tag nach dem Urteil reumütig zeigt und ab sofort die ortsüblichen Taxitarife verlangen will. Zusätzlich ermuntert es seine Fahrer, einen Personenbeförderungsschein zu erwerben und will die Kosten dafür tragen.

Variante 2: Hier feiert Driver4U einen Tag nach dem Urteil, in den letzten 24 Stunden ein beispielloses Wachstum bei Neuanmeldungen zu verzeichnen. Ganz so, als wäre die Schlappe vor Gericht ein Marketingcoup. Die Driver4U-Fahrer rollen trotz Verbot weiter.

Variation der Legitimität der gebrochenen Rechtsvorschrift
Variante 1: Den Probanden wird als gesetzliche Grundlage des Urteils eine historische Reichsverordnung von 1941 benannt. Sie begrenze die maximale Wochenarbeitszeit bei der Personenbeförderung, um die Wehrtauglichkeit der Chauffeure nicht zu gefährden.

Variante 2: Grundlage des Urteils ist bei dieser Variante ein Gesetz, das Geringverdienern wie Taxifahrern eine Existenzgrundlage schaffen soll. Dazu zählt die Zusicherung eines gesetzlichen Mindestlohns.

Anarchie kann Kunden bringen
Im Anschluss an die Beschreibung des jeweiligen Szenarios erhielten sämtliche Studienteilnehmer einen Fragebogen. Das Ergebnis: Im Fall des anarchischen Unternehmensverhaltens sind die Probanden eher bereit, das Angebot zu nutzen als im Fall des rechtskonformen Verhaltens. „Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn die übertretene Rechtsvorschrift als illegitim anzusehen ist", so Prof. Dr. Büttgen.

Bei der Kombination von Varianten, bei der das Urteil auf der historischen Reichsverordnung beruht und Driver4U es einfach ignoriert, empfinden die Befragten dann auch das Leistungsangebot des Unternehmens als nützlicher und würden es eher weiterempfehlen. Ein reumütiges Unternehmen, das ein Herz für Geringverdiener hat, sehen die Probanden dagegen als weniger nützlich an und würden es auch kaum weiterempfehlen.

„Beide Faktoren, die wir im Versuch variiert haben – das anarchische Verhalten und die Legitimität der gebrochenen Rechtsvorschrift – können daher für den wirtschaftlichen Erfolg von Startup-Unternehmen von Bedeutung sein. Anarchisch agierende Unternehmen gelten als rebellisch und können von diesem Coolness-Faktor bei ihren potenziellen Kunden profitieren", betont die Forscherin.

Kontakt: Prof. Dr. Marion Büttgen, Universität Hohenheim | m.buettgen@uni-hohenheim.de | www.uni-hohenheim.de 



     
        
Cover des aktuellen Hefts

Frau Reiche – es reicht!

forum 03/2026

  • Resilienz
  • Klimafinanzierung
  • Wald
  • Startups
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken – Zusammen für das Gemeinwohl!
Training mit Christian Felber & Roman Huber
38489 Beetzendorf
11
SEP
2026
Den Demokratie-Muskel stärken
Live-Online-Training in Echtzeit mit Grit Bümann, Roman Huber, Christian Felber
online
22
OKT
2026
csrTAG 2026 – Nachhaltigkeit als Wirtschaftsfaktor
R³essourcen. R³esilienz. R³entabilität. - Ticketverkauf gestartet
A-6236 Alpbach
Alle Veranstaltungen...
Anzeige

Der Mittelstand im ESG-Dschungel. Sie müssen nicht alles machen. Sie müssen nur wissen, was.

Sie erhalten einen klaren Fahrplan: was jetzt zu tun ist, was Sie auf dem Schirm behalten sollten und was Sie getrost ignorieren können.

Sport & Freizeit, Reisen

Der Rummelplatz als Kulturgut
Christoph Quarchs Gedanken zur Volksfestzeit
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht.
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Jetzt auf forum:

Die AnStifter – Eine Welt. Viele Wege. Der Podcast von Engagement Global

Hiroshima und Nagasaki: Der Mahnruf des missachteten Gewissens

Das nachhaltigste Gebäude steht schon

Hitzegipfel jetzt!

36 Grad und es wird immer heißer...

Erneute Extremhitze: Verbände fordern Hitzegipfel

Hitze gefährdet die Trinkwasserversorgung

Mehr Präsenz für Innovationen und eine nachhaltige Zukunft!

B.A.U.M. Insights
  • BAUM e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • NOW Partners Foundation
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • Engagement Global gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft e.V. (BNW)
  • Klimabündnis Ebersberg-München
  • Energie- und Klimaschutzagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • SUSTAYNR GmbH
  • ZamWirken e.V.
  • TÜV SÜD Akademie
  • WWF Deutschland
  • Global Nature Fund (GNF)
  • 66 seconds for the future