„Nachhaltigkeit hört nicht bei der Vergabe von Siegeln auf.“

Ein Gespräch mit Andreas Ronken, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Ritter Sport

Andreas Ronken, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Ritter Sport. Foto: Ritter Sport.Herr Ronken, Ritter Sport hat 2015 erstmals die Marktführerschaft im Bereich Tafelschokolade in Deutschland erlangt, zugleich das Jahr aber mit einem – wie Sie es nannten – „nicht zufriedenstellendem Ergebnis" abgeschlossen. Wie kommt das? 
Es stimmt, wir haben 2015 kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Das ist vor allem auf massiv gestiegene Rohstoffpreise für Haselnüsse und Kakao zurückzuführen. Gleichzeitig ist aufgrund schlechter Ernten infolge des Wetterphänomens El Niño zu erwarten, dass die ohnehin hohen Kakaopreise weiter steigen werden.

Trotzdem investiert Ritter Sport verstärkt in nachhaltigen Kakao. Wie passt das zusammen?
Das mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen. Nachhaltigkeit ist aber für uns kein „Luxus, den wir uns nur in guten Zeiten gönnen". Nachhaltigkeit bedeutet für uns, immer die nachfolgenden Generationen in den Blick zu nehmen und Voraussetzungen zu schaffen, die sowohl heute als auch in Zukunft funktionieren. Wir sprechen daher auch lieber von „Zukunftsfähigkeit" als von Nachhaltigkeit.

Gerade am Beispiel Kakaobezug wird sehr deutlich was Zukunftsfähigkeit heißt. Wir sehen uns hier mit zwei zentralen Herausforderungen konfrontiert: Zum einen mit stark schwankenden und in letzter Zeit massiv steigenden Rohstoffpreisen, zum anderen mit schwierigen sozialen und ökologischen Bedingungen im Kakaoanbau, deren Verbesserung auch in unserer Verantwortung liegt. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, eine nachhaltige Kakao-Sourcing-Strategie zu entwickeln und umzusetzen, die über das übliche Ziel von 100 Prozent nachhaltig zertifiziertem Kakao hinausgeht.

Was heißt das? Mehr als 100 Prozent nachhaltiger Kakao ist ja kaum möglich. Das müssen Sie uns erklären:

Gern! Wir haben den Anspruch, unseren Kakaobezug zu 100 Prozent transparent zu machen. Wir möchten wissen, wo und wie der Kakao angebaut wurde. Nachhaltigkeit hört eben nicht bei der Vergabe von Siegeln auf.

Das ist sicher ein erstrebenswertes Ziel. Aber wo liegt da der wirtschaftliche Aspekt?

Das Herzstück unserer nachhaltigen Kakao-Sourcing-Strategie ist der Aufbau unserer eigenen Plantage in Nicaragua. Indem wir künftig einen Teil des Kakaos von unserer eigenen Plantage beziehen, machen wir uns auch ein Stück weit unabhängiger vom Weltmarkt und seinen unberechenbaren Preisschwankungen. Der Eigenanbau dient also auch der Rohstoffsicherheit. Zugleich bietet er uns als vergleichsweise kleinem Mittelständler den größtmöglichen Einfluss auf soziale und ökologische Aspekte im Kakaoanbau.

Sie sagen „Nur wer nachhaltig wirtschaftet, wird auch morgen und übermorgen noch Erfolg haben." Wenn das stimmt, müssten doch eigentlich alle Unternehmen aus reinem Eigeninteresse heraus vollständig nachhaltig handeln. Oder?
Ganz so einfach ist es leider nicht. Zur Wahrheit gehört auch, dass Investitionen in Nachhaltigkeit Geld kosten und es durchaus einen langen Atem braucht, bis sich diese Investitionen amortisieren. Unternehmen müssen aber natürlich Gewinn erwirtschaften. Unsere Möglichkeiten sind daher immer begrenzt. Gerade im Kakaoanbau wird das mehr als deutlich.

Das heißt?
Dass letztlich jeder von uns auch als Verbraucher gefragt ist. Wer will, dass es den Menschen am Beginn der Wertschöpfungskette – ob sie nun Kakao anbauen oder unsere Kleidung nähen – besser geht, muss langfristig auch bereit sein, für Lebensmittel oder Kleidung etwas mehr auszugeben. „Geiz ist geil" und Nachhaltigkeit gehen eben nicht zusammen!

Quelle: Alfred-Ritter-GmbH-&-Co.-KG

Wirtschaft | CSR & Strategie, 12.04.2016
     
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