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Michael Bokelmann

Die Verzinker

Ein Hidden Champion beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015

Beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015 in Düsseldorf standen Ende November Bosch, BASF und ZINQ gemeinsam auf der Bühne und warteten auf Erlösung. Die einen kennt man, aber wer oder was ist ZINQ? Ein Hidden Champion? Ein Branchenprimus mit Ambitionen?  forum wollte es wissen.

„Es ging beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis (DNP) unter anderem darum, einen Bewerber auszuwählen, der im Bereich Ressourceneffizienz etwas nach vorne gebracht hat, und das war bei Voigt & Schweitzer so", erklärt Dr. Peter Jahns von der nordrhein-westfälischen Effizienzagentur. Er saß in der Jury, die aus bundesweiten Bewerbern die Nominierungen und letztlich auch die Sieger auswählte. Zwischen viel Prominenz und klangvollen Namen wurde schließlich ein Unternehmen geehrt, das aus einer Branche stammt, die so gar nicht im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung von Nachhaltigkeit steht. Voigt & Schweitzer sitzen mit ihrem Kerngeschäft, dem Feuerver­zinken, seit 1889 in der Wiege der deutschen Metallkultur – im Ruhrgebiet. Hier und an 32 europäischen Standorten sorgen die Feuerverzinker mit rund 1.500 Mitarbeitern dafür, jährlich 700.000 Tonnen Stahl vor dem Verfall durch Rost zu schützen. Nur – was ist daran nachhaltig?

Die frisch verzinkten Bauteile vor dem Einbau. Foto: © Voigt & Schweitzer Eine Gala für die Zukunft
Der Hauptpreis „Ressourceneffizienz" ging letztlich an BASF, und doch ist Voigt & Schweizer der erste nominierte Metallverarbeiter in der nunmehr 8-jährigen Geschichte eines Nachhaltigkeitspreises, der unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel steht. Bei der Gala war Prominenz aus Film, Musik und Politik – von Iris Berben, Dieter Hallervorden, Hans-Dietrich Genscher, UN-Flüchtlingskommissar António Guterres und nicht zuletzt Königin Silvia von Schweden – zugegen, als die begehrten Preise vergeben wurden. „Der Nachhaltigkeitspreis ist ein gesellschaftliches Event, und da ist es schade, dass der Glamour um Königin Silvia und die vielen VIPs die unternehmerischen Ideen mitunter verdrängen", erklärte eine Sprecherin der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf.

Die Ausnahme von der Regel
Wie aber kam ein außerhalb der Fachwelt nahezu unbekannter Weiterverarbeiter beim Thema Ressourceneffizienz unter Deutschlands Top 3? Die DNP-Jury verglich über 500 Bewerber und würdigte schließlich die Initiative Planet ZINQ®. Hier verschmelzen – im wahren Wortsinne – Zink und Qualität zur Dachmarke ZINQ®, die schließlich zur Nominierung von Planet ZINQ® führte. Planet ZINQ® ist eine langjährige Initiative des ausgezeichneten Unternehmens, das in Sachen Nachhaltigkeit sehr praktisch sowohl beim Prozess als auch bei den Oberflächen ans Werk geht. Die mit dem Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis ausgezeichnete Oberfläche microZINQ® steht dafür ein. Den Entwicklern geht es darum, so wenig Zink wie möglich im energieintensiven Verzinkungsprozess einzusetzen. Ein Ansatz, der in der traditionsverhafteten Branche nicht einheitlich bewertet wird. So wenig wie möglich, so viel wie nötig – klingt einfach, ist aber die Branchenausnahme. Deutschland- und europaweit.

Dr. Burkhard Lehmann (Institut für Bauen und Umwelt), Lars Baumgürtel (ZINQ® Voigt & Schweitzer), Margret Suckale, (BASF), Dr. Uwe Gackstatter (Bosch), Johannes Remmel (NRW-Umweltminister) (v.l.n.r.) Foto: © DNP/Frank Fendler80 Prozent Einsparung
Über 11 Millionen mikroverzinkte Sturzlenker hat Voigt & Schweitzer in den zurückliegenden Jahren für den ­deutschen Automobilhersteller BMW verzinkt. Dieses Bauteil sitzt in zahlreichen BMW-Reihen zwischen Achse und Rad und ist damit permanent den Umwelteinflüssen ausgesetzt, dennoch kommt hier ein Verfahren zum Einsatz, das gegenüber herkömmlichen Verzinkungsmethoden einen um 80 Prozent reduzierten Zinkeinsatz garantiert. Ende der 1990er-Jahre haben Forscher im belgischen Dendermonde in Zusammenarbeit mit der Uni Leuven dieses Verfahren entwickelt, das seit 2005 u.a. zum Bauteil für die Automobilbranche führt. Statt 80-150 µm (d.i. 0,08-0,15 mm) weist die sogenannte Dünnschichttechnologie nur 10-15 µm (0,01-0,015 mm) Zink­auftrag auf. Allein hierdurch ergeben sich bemerkenswerte Material-, Energie- und Gewichtseinsparungen. Zudem besitzt dieses Verfahren die Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung des Deutschen Instituts für Bautechnik und darf so auch entsprechend genutzt werden. „Wir wollen mit diesem Verfahren nicht die herkömmliche Feuerverzinkung ablösen, sondern ergänzen. Unsere ­Kunden sollten mehr über die realistische Lebensdauer eines Produktes nachdenken. Beträgt die Lebenserwartung nur ein bis zwei Dekaden, braucht das Bauteil keinen Zinkauftrag für 200 Jahre", erklärt der Nachhaltigkeitsbeauftragte von Voigt & Schweitzer, Dr. Thomas Pinger. „Wir verpassen stählernen Bauteilen einen verzinkten Maßanzug. Das ist neu." Und genau das hat auch die Jury des DNP überzeugt. Dafür erhielt der Verzinker aus Gelsenkirchen nicht nur die Cradle to Cradle®-Zertifizierung, den Rohstoffeffizienz-Preis, den Industriepreis und viele mehr, sondern nun auch die Nominierung zum DNP. Dieses Beispiel soll auch andere Industriebetriebe dazu animieren, auf maximale ­Ressourcen- und Energieeffizienz zu achten.

von Michael Bokelmann 

Michael Bokelmann
ist Wissenschaftsjournalist und schreibt u.a. für das Ingenieursmedium think-ING. Als Autor, Fotograf und Moderator bearbeitet er vornehmlich technische Themen, ergänzt um soziale Projekte und Kulturveranstaltungen.

Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2016 - Herausforderung Migration und Integration erschienen.

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