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Antonio Keglevich

Sein Name ist Bond, Green Bond. Seine Mission: Der Klimaschutz.

Wer in Green Bonds investiert, unterstützt mit seiner Anlage grüne Techniken, alternative Energieprojekte oder Maßnahmen zur Reduzierung von Kohlendioxid.

Doch Green Bond ist nicht gleich Green Bond. forum erklärt, was es mit den grünen Anleihen auf sich hat und worauf Sie bei einem Investment achten sollten.

von Antonio Keglevich

Green Bonds bescheren ihren Anlegern nicht nur ein grünes Gewissen, sondern auch dieselben Chancen und Risiken wie herkömmliche Anlageprodukte. Der feine Unterschied: Die grünen Anleihen finanzieren ausschließlich nachhaltige und umweltfreundliche Projekte wie CO2-arme Transportmittel, Windparks, Solaranlagen, nachhaltige Landwirtschaft und neuerdings auch Gebäude mit Umweltzertifikaten. Da immer mehr Anleger darauf achten, welchem Zweck ihr Investment dient, sind Green Bonds selbst bei großen Volumina regelmäßig überzeichnet. Doch nicht nur die grünen Ziele machen dieses Finanzprodukt bei Anlegern so beliebt. Umweltauflagen, Produktverbote, Werksschließungen oder Schadensersatzklagen machen Projekten, die im Sinne von Umwelt und Klima handeln, in der Regel nicht zu schaffen und das reduziert mögliche Probleme. Dennoch müssen sich Anleger wie bei allen Anlageprodukten auch bei Green Bonds der Risiken bewusst sein: Geht ein Unternehmen insolvent, trägt der Investor dafür das volle unternehmerische Risiko – bis hin zum Totalverlust.

Mission Climate is possible
Grüne Geld-Anlagen sollten vom Projektbetreiber bis zur Technik auf Herz und Nieren geprüft sein. Dann können Sie mit gutem Gewissen investieren. Foto: TÜV RheinlandImmer mehr Produkte drängen auf den schnell wachsenden Markt nachhaltiger Anleihen. 2014 wurden Green Bonds in Höhe von 36,6 Milliarden US-Dollar emittiert. Im Jahr 2015 waren es bereits 41,8 Milliarden US-Dollar. Als einer der Wachstumstreiber gilt China. Smogalarm, verseuchte Flüsse und ein immenses Müllproblem zwingen Peking zum Umdenken und zu Investitionen in erneuerbare Energien und den Umweltschutz.

Dass auch der Kapitalmarkt einen wichtigen Beitrag zu Umwelt- und Klimaschutz leisten kann, erkannte die Europäische Investitionsbank schon früh und emittierte 2007 den ersten Green Bond. Mit ihren „Climate Awareness Bonds" unterstützt sie seither die von der EU beschlossenen Klimaschutzziele.

Mit einem speziellen Fokus emittierte 2008 die Weltbank ihre erste grüne Anleihe. Die Motivation: Was den Klimawandel stoppt, hilft auch den Armen der Welt. Denn unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden die Menschen in Entwicklungsländern am stärksten. Zu den staatlichen Förderbanken und supranationalen Institutionen aus den Anfangsjahren gesellten sich bald private Unternehmen, Kommunen und Geschäftsbanken. Heute finanzieren sogar Großstädte ihre Infrastruktur-Projekte über grüne Anleihen. So haben die Wasserwerke von Washington, D.C. im Juli 2014 eine grüne Anleihe mit einem Volumen von 350 Millionen US-Dollar und einer Laufzeit von 100 Jahren zur Finanzierung des „Clean Rivers Project" aufgelegt. Die Stadt Johannesburg sammelte 143 Millionen US-Dollar für kommunale Klimaschutzprojekte durch einem Green Bond ein, die Stadt Göteborg 218 Millionen US-Dollar.

Die Stückelung von Green Bonds liegt in der Regel um die 100.000 Euro. Daher eignen sich die nachhaltigen Finanzprodukte vor allem für institutionelle Anleger. Doch über Versicherungen und Rentenfonds können auch Privatanleger in die grüne Wirtschaft investieren. Der Begriff „Green Bond" ist nicht geschützt und so ist die Beurteilung einzelner grüner Anleihen für Privatanleger herausfordernd. Orientierung bieten die „Green Bonds Principles", die internationale Großbanken 2014 definierten. Die freiwilligen Leitlinien sollen den Markt transparent und glaubwürdig halten. Sie empfehlen Angaben zur Mittelverwendung, zu internen Projektauswahlverfahren, zur Verwaltung der Mittelzuführung und regelmäßige Berichterstattung. Aufschlussreich kann außerdem die Zweitmeinung, die sogenannte „Second Party Opinion" einer unabhängigen Nachhaltigkeits-Ratingagentur wie beispielsweise DNV-GL oder oekom research sein. Sie überprüft noch einmal die Klima- und Umweltrelevanz eines Green Bonds. Eine veröffentlichte Second Party Opinion ist im Markt jedoch keine Selbstverständlichkeit. Auch die Definition von „Nachhaltigkeit" ist nicht einheitlich geregelt. Letztlich muss jeder Anleger selbst entscheiden, welches Investment seinen Ansprüchen von nachhaltigem Klima- und Umweltschutz standhält. Dabei kann eine professionelle Beratung helfen, sich im Dickicht der grünen Finanzprodukte zurecht zu finden. Auch sollten sich Anleger vor einem Engagement nicht nur über ihre finanziellen Kapazitäten, sondern auch über ihr Risikoprofil im Klaren sein und aufgrund der vielfältigen Risiken Green Bonds nur als angemessene Beimischung im Gesamtvermögen tätigen.

Neues Finanzprodukt: Der Pfandbrief für nachhaltige Gebäude
Gebäude sind für fast ein Fünftel des CO2-Ausstoßes in Deutschland verantwortlich. Sie möglichst energieeffizient zu bauen und zu sanieren, leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Zur Finanzierung von „grünen" Immobilien emittierte die Berlin Hyp, eine der führenden deutschen Immobilien- und Pfandbriefbanken, im April 2015 den ersten Grünen Pfandbrief am Kapitalmarkt. Der Emissionserlös finanziert und refinanziert europaweit 17 Gebäude, die nach strengen Nachhaltigkeitskriterien erbaut oder saniert wurden und entsprechende Zertifikate wie das Gütesiegel der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen aufweisen. In Friesland (Niederlande) finanzierte die Bank beispielsweise den Ankauf eines modernen Bürogebäudes, in Paris die umfassende energetische Sanierung eines Altbaus aus der Jahrhundertwende. Das neue Finanzprodukt verbindet das Deckungsprinzip des Pfandbriefs mit dem Green Bond-Prinzip und gilt damit als sichere und nachhaltige Anlage. Die Auswahl der Immobilien, die zweckgebundene Mittelverwendung und die ökologische Performance der Anleihe prüft die Ratingagentur oekom research jährlich in einer sogenannten Second Party Opinion. Die Platzierung am Kapitalmarkt übernahm ein Konsortium aus fünf Banken. Ihre Partner wählte die Berlin Hyp sorgfältig aus, erläutert Bodo Winkler, Leiter Investor Relations/Kredit Treasury: „Uns war wichtig, dass die Konsortialführer Expertise für Green Bonds und Pfandbriefe besitzen – und selbst über eine nachhaltige Unternehmensausrichtung verfügen."

Antonio Keglevich blickt auf über 25 Jahre Kapitalmarkterfahrung zurück und leitet in der UniCredit Bank AG die Betreuung von Emittenten, die über Green Bonds geeignete Projekte, die Umwelt- bzw. Klimarelevanz aufweisen, finanzieren. 
 



     
        
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